Schult gegen Schäffler: Wie Bürgermeisterkandidaten die Samtgemeinde Lemförde finanziell auf Kurs bringen wollen

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Schult gegen Schäffler: Wie Bürgermeisterkandidaten die Samtgemeinde Lemförde finanziell auf Kurs bringen wollen

Stand: 14.08.2026, 19:00 Uhr

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Kerstin Schult und Frank Schäffler (re.), Kandidaten für das Bürgermeisteramt der Samtgemeinde Lemförde, diskutierten mit MK-Talk-Moderator Carsten Sander über die drängendsten Zukunftsfragen.

Kerstin Schult und Frank Schäffler (re.), Kandidaten für das Bürgermeisteramt der Samtgemeinde Lemförde, diskutierten mit MK-Talk-Moderator Carsten Sander über die drängendsten Zukunftsfragen. © Melanie Russ

Zwei Kandidaten, viele Gemeinsamkeiten, aber ein zentraler Streitpunkt: Wer kann die hochverschuldete Samtgemeinde Altes Amt Lemförde finanziell wieder auf Kurs bringen? Beim MK-Talk lieferten sich Kerstin Schult und Frank Schäffler einen Schlagabtausch über Fördermittel, Freizeitbad und Zukunftschancen.

Lemförde – Die Samtgemeinde Altes Amt Lemförde muss dringend ihre finanzielle Situation verbessern und Schulden abbauen, um langfristig gestalten zu können. Darin sind sich die beiden Kandidaten für das Samtgemeindebürgermeisteramt, Kerstin Schult (Einzelbewerberin mit Unterstützung von SPD und Grünen) und Frank Schäffler (Einzelbewerber mit Unterstützung von FDP und CDU), einig. Und beiden ist bewusst, wie groß diese Herausforderung ist. Auch bei den wesentlichen Themenfeldern wie Gewerbeentwicklung, Tourismus, Freizeitbad oder Infrastruktur decken sich vielfach die Zielvorstellungen, aber nicht unbedingt der Weg dorthin. Über die Herausforderungen in der hochverschuldeten Samtgemeinde diskutierten die Kandidaten am Donnerstagabend beim von Carsten Sander moderierten MK-Talk im Lichtburg-Kino in Quernheim.

Dabei wurde auch ein wesentlicher Dissens der beiden Kandidaten deutlich. Wie gut sind die Samtgemeinde und ihre Mitgliedsgemeinden darin, Fördermittel zu generieren? „Da kenne ich mich aus“, betonte Frank Schäffler. Der ehemalige FDP-Bundestagsabgeordnete verwies auf seine Erfahrung in Wirtschaftsfragen und sein Netzwerk. Nach seiner Auffassung wirbt die Samtgemeinde bislang zu wenige Mittel ein. Kerstin Schult, derzeit allgemeine Vertreterin des Samtgemeindebürgermeisters, widersprach der Einschätzung vehement und verwies unter anderem auf die erheblichen Mittel, die aus dem Dorferneuerungsprogramm in die Samtgemeinde fließen.

Größtes Sorgenkind in Lemförde ist das Freizeitbad, das mit einem jährlichen Defizit von rund 800.000 Euro wesentlich zur finanziellen Misere beiträgt. Zu einer Prognose, wie weit sich das Defizit drücken ließe, ließ sich Schäffler nicht verleiten. „Aber man kann natürlich energetisch sehr viel machen.“ Er verwies auf das Bundesprogramm „Sanierung kommunaler Sportstätten“. „Aber diese Fördermittel gehen an der Samtgemeinde vorbei“, argumentierte er.

Kerstin Schult widersprach der Darstellung, dass die Verwaltung nicht aktiv genug sei. Eine energetische Untersuchung des Freizeitbads für eine anschließende Sanierung laufe, auch ein Interessenbekundungsverfahren für eben jenes Förderprogramm sei bereits angeschoben. Darüber hinaus möchte Schult die Einnahmen des Freizeitbads durch Veranstaltungen und Aktivitäten erhöhen.

Schäffler stellte sich im Gespräch generell als den Mann dar, der helfen kann, Fördermittel beispielsweise für eine weitere Turnhalle in Lemförde oder für einen Radweg auf dem Dümmer-Deich – beides lange verfolgte Ziele in der Samtgemeinde – zu generieren, die die Samtgemeinde bislang nicht bekommen habe. Tatsache ist, dass der Flecken Lemförde für eine Turnhalle bereits eine Förderzusage in Höhe von einer Million Euro hatte, die Umsetzung aber an der erzwungenen Steuerrückzahlung an BASF scheiterte. Beim Deich-Radweg laufen Bestrebungen, ihn über die anstehende Flurbereinigung mit erheblicher finanzieller Unterstützung bauen zu lassen.

Der FDP-Mann erwies sich in der Diskussion als großer Fan Stemwedes. Mehrfach zog er die Nachbargemeinde als Beispiel für gute Verwaltungsarbeit heran, sei es, dass mithilfe von Fördermitteln Friedhöfe entsiegelt und ein Radweg gebaut werde oder finanzielle Anreize für die Ansiedlung von Hausärzten gesetzt würden. Dass sich die Gemeinde, in der der ehemalige FDP-Landtagsabgeordnete Kai Abruszat seit 2015 Bürgermeister ist, in einer desolaten Haushaltslage befindet, ließ er dagegen unerwähnt. Laut Haushaltsplan wird Stemwede in den kommenden Jahren jährlich Defizite von 5 bis 8 Millionen Euro aufweisen und 2027 voraussichtlich ein Haushaltssicherungskonzept aufstellen müssen. Wie in Lemförde ist auch dort der Handlungsspielraum begrenzt. Auch die Gründe sind ähnliche.

Einig war man sich, dass die Samtgemeinde mehr Gewerbebetriebe braucht und Wirtschaftsförderung Aufgabe des Samtgemeindebürgermeisters sein muss. Kerstin Schult plädiert dafür, ein großes Gewerbegebiet zu entwickeln und mit allen Mitgliedsgemeinden gemeinsam zu vermarkten, statt mehrere kleine Gebiete auszuweisen. Frank Schäffler sieht in der Kleinteiligkeit ebenfalls einen Nachteil. Vor allem geht es ihm aktuell bei der Erschließung von Gewerbeflächen zu langsam. Unternehmen hätten keine Zeit, zwei Jahre zu warten. Zustimmung erhielt er von Schult bei der Einschätzung, dass die Samtgemeinde bei der Wirtschaftsförderung aktiver werden muss.

Die Windkraft-Akzeptanzabgabe ist eine weitere Möglichkeit, Geld in die Gemeindekasse zu spülen. Doch wie weit darf man gehen? Kerstin Schult bekannte sich zur Windkraft, denn „wir brauchen die Energiewende, und das Geld können wir auch gut gebrauchen“. Aber: „Alles in Maßen bitte.“ Sie vertraue dabei auf die strenge Standortprüfung des Landkreises. Schäffler schloss sich dem an. Die politische Entscheidung sei gefällt, jetzt gehe es darum, nach Recht und Gesetz zu prüfen.

Grundsätzliche Einigkeit zwischen Schäffler und Schult auch beim Tourismus: Er sei ein wichtiger Wirtschaftsfaktor, aber man müsse bei der Entwicklung auch mit der Infrastruktur hinterherkommen und den Naturschutz berücksichtigen. „Ich glaube, wir sind da ziemlich am Limit“, sagte Schult. Man müsse erstmal die laufenden Projekte zu Ende bringen und künftig sehr genau aufpassen, „was wir noch zulassen“. Auch Frank Schäffler ist bewusst, dass viele Menschen wegen der Natur an den Dümmer kommen. „Wir müssen den Tourismus behutsam weiterentwickeln.“ Gleichzeitig müsse man dafür sorgen, dass die Gäste nicht nur einen Tag bleiben, sondern länger.

Bei der Gewichtung des Naturschutzes wird dagegen ein Unterschied deutlich. Schult möchte bei künftigen Projekten den Naturschutz in den Vordergrund rücken. Schäffler ist es zu einfach, grundsätzlich zu sagen: „Das machen wir nicht aus Naturschutzgründen.“ Man müsse im Einzelfall genau schauen, was möglich ist.

Beim MK-Talk hatten auch zwei Erstwähler Gelegenheit, Fragen zu stellen. Lucy Grant fragte nach Angeboten für Jugendliche. Kerstin Schult könnte sich eine Chill-Area zum Beispiel im Bürgerpark vorstellen. Eventuell könne man auch ein Jugendparlament einführen. Für ein Jugendparlament könnte sich auch Frank Schäffler begeistern. Wie Schult würde er zunächst die Wünsche der Jugendlichen erfragen.

„Wie kann die Zusammenarbeit der Samtgemeinde mit kleinen und mittelständischen Unternehmen verbessert werden?“, fragte Ermir Dobrushi. Da waren sich beide Kandidaten einig: direkter Draht zum Bürgermeister, Dinge schnell umsetzen und Bürokratie abbauen.

Was wäre die erste Amtshandlung, wenn sie gewählt werden? „Wir müssen mehr Struktur ins Rathaus bekommen und auch mehr Struktur in die Gremienarbeit“, sagte Schult. Die Ratsmitglieder müssten früher umfassend informiert werden, um schneller Entscheidungen treffen zu können.

Schäffler würde zunächst einen Kassensturz machen. Und dann mit allen Beteiligten in der Samtgemeinde darüber sprechen, wie man sie weiterentwickelt. Dafür wolle er sein Know-how, das er aus dem Bundestag mitbringe, und sein Netzwerk einbringen.