Schutzwall gegen Russland: Finnland schließt 200-Kilometer-Grenzzaun ab – und denkt bereits über mehr nach

tzPolitikStand: 09.09.2026, 19:05 UhrKommentareUns auf Google folgenDie längste EU-Russland-Grenze ist jetzt teilweise abgeriegelt: Finnland rüstet sich gegen Russland – und schickt eine Rechnung nach Brüssel.H...

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Schutzwall gegen Russland: Finnland schließt 200-Kilometer-Grenzzaun ab – und denkt bereits über mehr nach

Stand: 09.09.2026, 19:05 Uhr

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Die längste EU-Russland-Grenze ist jetzt teilweise abgeriegelt: Finnland rüstet sich gegen Russland – und schickt eine Rechnung nach Brüssel.

Helsinki – Finnland hat den Bau eines 200 Kilometer langen Grenzzauns entlang seiner Ostgrenze zu Russland offiziell abgeschlossen. Innenministerin Mari Rantanen präsentierte das fertiggestellte Bauwerk am Montag bei einer Pressekonferenz nahe dem Grenzübergang Nuijamaa im Südosten des Landes. Das Projekt gilt als eines der bedeutendsten sicherheitspolitischen Vorhaben an der EU-Ostgrenze seit dem Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine im Jahr 2022.

Ein Beamter einer Spezialeinheit des finnischen Grenzschutzes steht während eines Besuchs an der finnisch-russischen Grenze an einem geschlossenen Grenzübergang.

Ein Beamter einer Spezialeinheit des finnischen Grenzschutzes steht während eines Besuchs an der finnisch-russischen Grenze an einem geschlossenen Grenzübergang. © Sebastian Christoph Gollnow/dpa

Das Land teilt mit Russland eine 1340 Kilometer lange Grenze – die längste, die ein EU- oder NATO-Mitgliedsstaat mit Russland unterhält. Der nun fertiggestellte Zaun deckt rund 200 Kilometer dieser Grenze ab und sendet damit ein klares Signal: Helsinki ist entschlossen, seine territoriale Integrität auch physisch zu sichern. „In dieser Situation muss jeder Staat für seine eigene Sicherheit und die Unverletzlichkeit seiner Grenzen sorgen“, sagte Rantanen laut dem finnischen Rundfunksender Yleisradio.

Finnlands Grenze zu Russland: Drei Jahre Bauzeit, mehr als ein Stacheldrahtzaun

Der Startschuss für das Projekt fiel im April 2023 mit einem Pilotprojekt in Pelkola nahe der Stadt Imatra. Zuvor hatten Finnlands Parteivorsitzende im Oktober 2022 parteiübergreifend beschlossen, den Bau eines Teilzauns entlang der Ostgrenze voranzutreiben. Nun wurde das Vorhaben leicht vor dem geplanten Zeitplan abgeschlossen.

Der größte Teil des Zauns – rund 140 Kilometer – befindet sich im Südosten Finnlands. Weitere 35 Kilometer wurden in der Region Nordkarelien errichtet, und zusätzliche Abschnitte von insgesamt etwa 25 Kilometern erstrecken sich über Kainuu bis nach Lappland. Die Anlage ist mit Patrouillenwegen, Lautsprechern, Nachtbeleuchtung und Überwachungskameras ausgestattet und sei damit weit mehr als ein einfacher Stacheldrahtzaun, heißt es.

Bei den Gesamtkosten des Projekts weichen die Angaben der Quellen leicht voneinander ab: Während der finnische Rundfunk die Kosten auf rund 380 Millionen Euro beziffert, nennen die finnischen Grenzbehörden laut Moscow Times einen Betrag von 356 Millionen Euro. Hinzu kommen jährliche Wartungskosten von schätzungsweise zwei bis drei Millionen Euro. Eine offizielle Erklärung für die Differenz liegt bislang nicht vor.

Reaktion auf Russlands hybride Bedrohungen: Finnland denkt über weitere Maßnahmen nach

Seit Russlands Einmarsch in die Ukraine im Februar 2022 hat Finnland seine Sicherheitspolitik grundlegend neu ausgerichtet – und ist im April 2023 der NATO beigetreten. Kurz darauf begann Helsinki, einen ungewöhnlich starken Anstieg von Asylsuchenden an seinen östlichen Grenzübergängen zu verzeichnen. Die finnische Regierung wertete dies als gezielte hybride Druckoperation Moskaus – ein Vorwurf, den der Kreml zurückwies.

Ende 2023 schloss Finnland daraufhin seine Grenzübergänge zu Russland auf unbestimmte Zeit. Das sogenannte Grenzschutzgesetz, das Grenzbeamten unter bestimmten Umständen erlaubt, Asylsuchende zurückzuweisen, soll nun bis zum 31. Dezember 2028 verlängert werden. Die Regierung hat einen entsprechenden Vorschlag bereits eingebracht. Im Sommer 2026 eskalierte die Lage erneut: Russland schloss fünf Bahngrenzübergänge zu Finnland, ohne Gründe oder einen Zeitplan für eine mögliche Wiedereröffnung zu nennen.

Innenministerin Rantanen machte deutlich, dass der fertiggestellte Zaun möglicherweise nicht das letzte Wort ist. „Ich denke, es ist gut, dass wir irgendwann prüfen, ob mehr davon benötigt wird“, sagte sie. Ob und wann eine Erweiterung des Zauns beschlossen wird, ist derzeit offen.

NATO-Ostflanke: Finnland hofft auf finanzielle Hilfe aus Brüssel

Finnland steht mit seinem Grenzbefestigungsprojekt nicht allein. Estland, Lettland, Litauen und Polen haben bereits ähnliche Zäune an ihren Grenzen zu Belarus errichtet, um irreguläre Migrationsströme einzudämmen, die ebenfalls als hybride Kriegsführung eingestuft wurden. Die Befestigung der EU-Außengrenzen im Osten hat sich damit zu einem gesamteuropäischen Thema entwickelt. Immer wieder werden russische Angriffe auf die NATO-Ostflanke befürchtet.

Rantanen nutzte die Präsentation des fertiggestellten Zauns, um eine politische Forderung zu formulieren: „Was wir besonders brauchen, ist EU-Finanzierung für die östlichen Mitgliedstaaten, damit Projekte wie dieses finanziert werden können.“ Bislang hat Finnland die Kosten weitgehend aus eigenen Mitteln getragen. Ob Brüssel bereit ist, künftige Grenzschutzprojekte stärker zu bezuschussen, bleibt abzuwarten – eine offizielle Reaktion der EU-Kommission auf die Fertigstellung des finnischen Zauns lag zunächst nicht vor. (Quellen: yle.fi, Moscow Times, frühere Berichterstattung) (nak)