Knatsch um Schweinepest-Zäune: Warum Tierschützer sie schleunigst weghaben wollen
Silke Müller von der Bürgerinitiative "ASP - Zaun - Stopp Siegerland" läuft mit ihrem Hund entlang des Sperrzauns oberhalb von Siegen-Seelbach. Sie ist gegen den Zaun. Deshalb unterstützt sie auch die Petition,...
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Silke Müller von der Bürgerinitiative "ASP - Zaun - Stopp Siegerland" läuft mit ihrem Hund entlang des Sperrzauns oberhalb von Siegen-Seelbach. Sie ist gegen den Zaun. Deshalb unterstützt sie auch die Petition, die den Stopp des Zauns fordert. So wie mehr als 2.300 andere Unterstützer auch.
"Wir finden, dass das in keinem Verhältnis steht, dass die ganze Natur zerschnitten wird. Und so viele andere Tiere darunter leiden müssen, die nicht betroffen sind von ASP." Silke Müller, Bürgerinitiative "ASP-Zaun- Stopp-Siegerland"
34 verendete Rehe an Zäunen aufgefunden
Vor allem Rehe haben häufig Schwierigkeiten, den Zaun zu überwinden. Das Landwirtschaftsministerium räumt ein, dass inzwischen 34 verendete Rehe an Zäunen in den drei betroffenen Kreisen aufgefunden wurden. Allerdings war laut Kreis Siegen-Wittgenstein nicht bei allen der Zaun die Ursache für den Tod der Tiere.
Viele Schweinehalter haben aufgegeben
29 von insgesamt 109 kleineren Schweinehaltern im Kreis haben inzwischen aufgegeben, weil sich der Betrieb unter den strengen Regeln nicht lohnt. Da Mirko Sonneborn das Fleisch seiner Schweine selbst zu Wurst und Schinken verarbeitet und nur lokal vermarktet, geht es bei ihm noch.
Nur wenige hundert Meter von seinem Hof entfernt ist ein totes infiziertes Wildschwein gefunden worden. Darum ist er froh, dass der ASP-Zaun ihn zusätzlich schützt. "Das ist wirksam auf jeden Fall."
Man sieht ja kaum noch Wildschäden, kaum noch Wildschweine. Hat man schon gemerkt." Mirko Sonneborn, Landwirt
Zahl der infizierten Wildschweine stark rückläufig
Die Wirkung der Zäune in Kombination mit der Bejagung durch Berufsjäger bestätigt die Zahl der gefundenen und getöteten Wildschweine mit ASP. Denn die ist in den vergangenen Monaten stark rückläufig. Im April waren es noch 133 - im September waren es bislang gerade mal sechs.
Kreis Siegen-Wittgenstein widerspricht Tierschützern
Der Kreis Siegen-Wittgenstein entgegnet, dass bei der Sektion der in der Nähe der ASP-Zäune aufgefundenen Wildtiere keine Hinweise gefunden wurden, die darauf schließen lassen, dass die Wildtiere unter Flüssigkeitsmangel litten. Und dass Rotwild den Zaun überspringt, und Rehwild durch die mittleren Stangen der ASP-Tore schlüpft.
Das hätten Forstbedienstete und Jäger berichtet. Mittelgroße Wildtiere "wie bspw. Kaninchen, Hasen, Füchse und Dachse laufen am Zaun entlang und gelangen ebenfalls im Torbereich auf die andere Zaunseite", so der Kreis in einer Stellungnahme.
"ASP-frei" frühestens ein Jahr nach dem letzten infizierten Wildschwein
Die Tierschützer bezweifeln das. Die Diskussion wird weitergehen. Denn: Selbst wenn die Zahl der gefundenen Wildschweine mit ASP in den nächsten Monaten auf null geht, wird das betroffene Gebiet erst ein Jahr nach dem letzten Fund als "ASP-frei" gelten.
Unsere Quellen:
- Bürgerinitiative "ASP - Zaun - Stopp Siegerland"
- Landwirt Mirko Sonneborn
- Sprecher Bündnis 90/Die Grünen Siegen-Wittgenstein
- Kreis Siegen-Wittgenstein
- Landwirtschaftsministerium NRW
- Landesamt für Verbraucherschutz und Ernährung NRW (LAVE)
- Beobachtungen des Reporters vor Ort