„Sechser im Lotto“ für Bad Wildungen, Edertal, Fritzlar

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„Sechser im Lotto“ für Bad Wildungen, Edertal, Fritzlar

Stand: 17.09.2026, 08:00 Uhr

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Repräsentieren heute das Erfolgstrio "Mittleres Edertal": (von links) Frederik Westmeier, Hartmut Spogat, Ralf Gutheil an einem Lebendige Zentren-Projekt, dem Aufenthaltsplatz an der Eder in Bergheim.

Repräsentieren heute das Erfolgstrio „Mittleres Edertal“: die Bürgermeister (von links) Frederik Westmeier (Edertal), Hartmut Spogat (Fritzlar), Ralf Gutheil (Bad Wildungen) an einem Lebendige-Zentren-Projekt, dem Aufenthaltsplatz an der Eder in Bergheim. © Foto: Matthias Schuldt

Nach 17 Jahren großer Gemeinschaftserfolge mit dem millionenschweren Förderprogramm „Lebendige Zentren“ ziehen die Kommunen des „Mittleren Edertals“ Bilanz.

Bad Wildungen/Fritzlar/Edertal – „Ich habe vorhin mal die Projektdauer von meinem Alter abgezogen – Mensch, was waren wir jung damals!“, sagt Christine Prinz von der Gemeinde Edertal lachend. Ihr Kollege Robert Hilligus, Stadtplaner vom Wildunger Baumt, nickt nachdrücklich. Beide waren von Beginn 2009 an als „Macher“ eingebunden ins Wildungen-Fritzlar-Edertaler Gemeinschafts-Großprojekt „Lebendige Zentren“. Vor 17 Jahren formierten sich die drei Partner zur „Wirtschaftsregion Mittleres Edertal“, um mithilfe von Landeszuschüssen durch öffentliche Projekte die Lebensqualität an zentralen Punkten entscheidend und dauerhaft zu verbessern. Das Kalkül ging vollends auf.

„Würden das Ganze sofort wieder tun“

Diese Bilanz ziehen die drei heute amtierenden Bürgermeister zum offiziellen Abschlusstermin am Dienstag an der Bergheimer Markthalle. „Wir würden es sofort wieder tun oder weitermachen, wenn das möglich wäre“, unterstreicht Fritzlars Hartmut Spogat. „Gemeinsam hatten die Partner den Mut und die Möglichkeiten, große Vorhaben zu verwirklichen, die jeder allein niemals hätte realisieren können“, meint der Wildunger Amtskollege Ralf Gutheil. „Die Nachhaltigkeit der Investitionen, ihr dauerhafter Nutzen für unsere Gemeinwesen, sticht an diesem Projekt hervor. Auch weil sie erheblichen, ehrenamtlichen Einsatz mitauslösten“, ergänzt Edertals Rathauschef Frederik Westmeier.

Das erste Projekt des "Mittleren Edertals": die Markthalle Bergheim.

Das erste Projekt des „Mittleren Edertals“: die Markthalle Bergheim. © Foto: Matthias Schuldt

NIcht von ungefähr setzt das Trio den Schlussakkord an ausgerechnet diesem Ort. Denn die Markthalle in Bergheim war das erste Projekt der „Lebendigen Zentren“ im Wirtschaftsraum Mittleres Edertal. „Wir haben mit den 300.000 Euro dafür damals einen perfekten Start hingelegt.“ Das sagt der Fritzlarer Bürgermeister und erklärt das Muster, mit dem die interkommunale Arbeitsgemeinschaft so viele Erfolge feierte:

Reste im Geldtopf – sofort zugegriffen

„Wer Fördergelder einwerben wollte, musste stets entsprechende Projekte beantragen können – das haben wir zusammen geschafft.“ Wann immer Gelder ungenutzt im millionenschweren Landesfördertopf lagen, weil andere hessische Kommunen ihre Pläne nicht zuteilungsreif vorangetrieben hatten – Bad Wildungen, Fritzlar und Edertal griffen zu. „Ein Sechser im Lotto“, sagt Spogat. Die Arbeitsgemeinschaft warb so am Ende deutlich mehr Geld ein, als zu Beginn erhofft. „Das war auch deshalb möglich, weil untereinander weder Neid noch Eifersüchteleien aufkamen“, erklärt Ralf Gutheil. Die faire Aufteilung sei gelungen, sind sich die Bürgermeister einig. Als Gemeinschaft hatte eben immer eine der drei Kommunen ein Projekt so weit, dass man gemeinsam die nächsten Fördersummen beim Land anmeldete.

Das Wildunger Scharnier zwischen Stadtring und Postplatz.

Das Bad Wildunger „Scharnier“ zwischen Stadtring und Postplatz. © Aileen Raddatz

Bürgerbeteiligung legte Grundstein

Die dafür nötige Kontinuität garantierte die Arbeitsebene der drei Verwaltungen, vertreten durch Fachleute wie Robert Hilligus und Christine Prinz. Sie erfüllten ihre Aufgaben in Fritzlar und Bad Wildungen jeweils unter zwei verschiedenen Bürgermeistern, in Edertal sogar unter dreien. Ihnen zur Seite stand Sachverstand von außen.

Die "Arbeitsebene" steht für Kontinuität: (von links) Christine Prinz, Michael Herz, Robert Hilligus, Bauamtsleiterin Petra Schirmacher (Wildungen), Uwe Höger, Bauamtsleiter Alexander Paul (Edertal). Lebendige Zentren Förderprogramm Abschluss 2026.

Die „Arbeitsebene“ steht für Kontinuität: (von links) Christine Prinz, Michael Herz, Robert Hilligus, Bauamtsleiterin Petra Schirmacher (Wildungen), Uwe Höger, Bauamtsleiter Alexander Paul (Edertal). © Foto: Matthias Schuldt

Stadtplaner Uwe Höger vom Kasseler Büro AKP und Landschaftsarchitekt Michael Herz vom Kasseler Büro foundation 5+ begleiteten das Projekt von A bis Z. Sie erinnern besonders an die breit angelegte Bürgerbeteiligung. Diese stand in den ersten Jahren zum Start der Planungen vielfach im Zentrum der Arbeit. Die Bewohnerinnen und Bewohner waren aufgerufen, Ideen, Kritik und Anregungen einzubringen. Für die Kommunalpolitik galt das erst recht.

Fruchtbar: Scharnier plus Stadtringumbau

Leicht fiel diese umfangreiche Abstimmung nicht immer, erinnert Christine Prinz: „Wir mussten häufig in auch anstrengenden Diskussionen informieren und erklären, besonders bei Kostensteigerungen.“ Robert Hilligus erinnert sich an eine Veranstaltung mit proppevollen Sälen im damals noch offenen Kurhaus. Er ordnet die Förderung „Lebendigen Zentren“ in den größeren Zusammenhang ein:

„Das Programm verhalf weiteren Projekten der Stadtentwicklung zum dauerhaften Erfolg in der Öffentlichkeit, zum Beispiel der Abschaffung des Einbahnstraßen-Stadtrings mit Einführung der Kreisel.“ Der Umbau zur großen Aufenthaltsqualität des heutigen Wildunger „Scharniers“ mit Mitteln der „Lebendigen Zentren“ habe der Bevölkerung vor Augen geführt, welche Vorteile der vorausgegangene Stadtring-Umbau neben verkürzten Wegen bis heute bringe.

18 Millionen Euro an Zuschüssen bei 38.000 Einwohnern

„Mehr Lebensqualität in Bad Wildungen, Edertal und Fritzlar“ ist die Info-Broschüre zum Abschluss der „Lebendigen Zentren“ überschrieben. Sie ist erhältlich bei den Kommunalverwaltungen und bald auch online.

Rund 38.000 Menschen leben in der Wirtschaftsregion Mittleres Edertal. 18 Millionen Euro an Städtebauförderungsmitteln von Land (und Bund) flossen durch die „Lebendigen Zentren“ summasummarum in 25 Projekte, darunter 17 Bauvorhaben. Die Förderquote lag zumeist bei 70 Prozent der förderfähigen Kosten. 30 Prozent verblieben jeweils bei der Kommune. Die Fördergelder lösten also weitere Investitionen aus, auch nicht bezifferte aus Privathand. Jüngere Beispiele dafür liefern Sanierungen privater Bestandsgebäude und private Neubauten am Wildunger Scharnier.

Museum Hochzeitshaus Stadtmuseum FritzlarFoto: Daniel Seeger

Das Museum Hochzeitshaus in Fritzlar. © Seeger, Daniel/HNA

Einige öffentliche Großprojekte: Wildunger Scharnierumbau zu 2,32 Millionen Euro förderfähigen Kosten, Wildunger Musikschule (2,26 Millionen Euro), Fritzlarer Hochzeitshaus (2,8 Millionen Euro) und Bürgerbüro/Rathaus (4,05 Millionen Euro), DGH und altes Feuerwehrhaus Bergheim (als Theater) zu 160.000 Euro, Rastplatz Ederradweg/Bikepark, 401.000 Euro, Platz Bergheimer Schulstraße, 190.000 Euro. (Matthias Schuldt)

Bürokratie schenkte auch Wermutstropfen ein

Förderprogramme beinhalten eine Fülle von Regeln, von Bürokratie. Sie behindert manchmal sehr bei aller Freude über die Möglichkeiten, die Zuschüsse eröffnen. Mancher Wermutstropfen fiel daher in die Sektgläser der „Lebendigen Zentren“. Christine Prinz bedauert bis heute, dass ein Herzensprojekt scheiterte: eine sichere Schulwegkreuzung am Schnittpunkt Ederauen-Radweg/Bergheimer Straße (an der kleinen Evangelisch-Lutherischen Kirche) zu bauen. Das Förderprogramm ließ es nicht zu, weil die Stelle außerorts liegt und damit in die Zuständigkeit des Landkreises fällt. Die Fachleute spiegelten solche Probleme ans Land Hessen als Fördergeber. Manchmal werden Richtlinien als Reaktion angepasst, berichtet Landschaftarchikekt Michael Herz. Zu Beginn wurden die Kosten für neu gepflanzte Bäume nur über ein Jahr akzeptiert, „doch in so kurzer Zeit wächst kein Baum an.“ Heute laufe der Zuschuss längerfristiger. Auch andere Vorgaben wurden entbürokratisiert, ergänzt Robert Hilligus.