Seewald ist Marathon-Weltmeister: Lenggrieser gewinnt mit gut drei Minuten Vorsprung

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Seewald ist Marathon-Weltmeister: Lenggrieser gewinnt mit gut drei Minuten Vorsprung

Stand: 14.09.2026, 22:37 Uhr

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Mit einem 32-Zoll-Prototyp an der Spitze: Andreas Seewald ist bei der WM als Erster im Ziel.

Mit einem 32-Zoll-Prototyp an der Spitze: Andreas Seewald ist bei der WM als Erster im Ziel. © Henning Orendt/kn

Andreas Seewald hat die Mountainbike-Marathon-WM in Südtirol gewonnen. Er fuhr 95 km und 4000 Höhenmeter auf einem Prototyp-Bike, das er nur achtmal getestet hatte.

Primiero San Martino di Castrozza  – Es war ganz anders als beim ersten Mal. Damals, 2021, fuhr Andreas Seewald staunend, fast ungläubig als Weltmeister über die Ziellinie. „Dieses Mal war es Freude pur, ein dickes Grinsen im Gesicht“, sagt der Lenggrieser Mountainbiker. Der 35-Jährige ist gerade zum zweiten Mal bester Marathonfahrer der Welt geworden. Mit solidem Vorsprung bewältigte er die 95 km und mehr als 4000 Höhenmeter in Primiero San Martino di Castrozza in Südtirol als Erster. Nach seinem Doppelerfolg – 2021 wurde er auch Europameister – musste er nun länger auf internationale Titel warten. Voriges Jahr holte sich der fünffache Deutsche Meister den EM-Titel zurück. Und so ganz unerwartet kam der Erfolg für Seewald nun nicht: „Ich war so gut drauf wie schon lange nicht mehr, das habe ich bei der Deutschen bereits gemerkt. Anscheinend hat das Höhentraining in Colorado auch angeschlagen, und mein neues Bike hat mir auch richtig getaugt.“

Der Lenggrieser Andreas Seewald (Mitte) holt den Titel vor Gioele De Cosmo (li.) und Jakob Dorigoni.

Der Lenggrieser Andreas Seewald (Mitte) holt den Titel vor Gioele De Cosmo (li.) und Jakob Dorigoni. © Henning Orendt/kn

Seewald war auf einem KTM-Prototyp mit großen 32-Zoll-Reifen unterwegs. „Das war auch ein gewisses Risiko“, sagt der Lenggrieser. Zwei Wochen vor der WM bekam er die Maschine, konnte sie ganze achtmal fahren, Ersatzteile gibt es noch nicht wirklich, auch nicht sein bevorzugtes Reifen-Profil, nicht einmal einen Platten durfte er sich erlauben. „Aber es ist gut gegangen, und ich glaube schon, dass es vom Kopf her was gebracht hat.“ Die Watt-Werte haben sich jedoch nicht automatisch verbessert, für den Vortrieb war alleine der Lenggrieser verantwortlich.

Wenig zu taktieren

Und er sorgte für mächtig Vortrieb. Mit den Favoriten um Titelverteidiger Keegan Swenson aus den USA, den Südafrikaner Tristan Nortje, den Belgier Wout Alleman, den Franzosen Jordan Sarrou sowie den Italienern Diego Rosa, Jakob Dorigoni und Gioele De Cosmo setzte er sich gleich am Anfang vom Feld ab. Den Spanier David Valero Serrano, amtierender Europameister, ereilte eine Reifenpanne, er fiel zurück. „Es war kein Rennen, bei dem man viel taktieren konnte“, sagt Seewald. „Es gab wenig Flachstücke, niemand wusste so recht, ob er ausreißen sollte.“ Auch der Lenggrieser sollte erst später eine Attacke setzen.

Wie weit würde die gute Form tragen?

Doch nach etwa zwei Stunden machte sich doch jemand nach vorn davon. Seewald hängte sich dran. „Ich hab‘ mich gut gefühlt, bin gleich weiter vor gefahren.“ Keiner der Favoriten konnte so recht folgen. „Die haben sich schwergetan, also habe ich weiter gedrückt.“ Auf seinen 32-Zoll-Stollen setzte sich Seewald ab. Hatte bald drei Minuten Vorsprung. Die Strecke mit vielen Anstiegen kam ihm entgegen. „Ich hatte zwar schon Rennen, wo es mit den vielen Höhenmetern nicht so gut gelaufen ist“, räumt er ein. „Aber seit der DM läuft es wieder, ich bin richtig gut drauf.“ Deswegen hat er sich nach dem DM-Titel einiges ausgerechnet. War sich aber nicht sicher, wie weit die gute Form international tragen würde. Bis ganz nach vorne.

Pure Freude, breites Grinsen

Und so kurbelte Seewald gleichmäßig weiter, 500 Watt, in der Spitze am Hauptanstieg des Rennens auch mal fast 1000. Baute seinen Vorsprung weiter aus. Zwischenzeitlich war er sechs Minuten vor der etwa 15-köpfigen Verfolgergruppe mit den späteren Zweit- und Drittplatzierten, den Italienern Gioele De Cosmo und Jakob Dorigoni. Die Verfolger waren sich nicht einig, wer antreten sollte. „Es wurde dann aber schon noch schmerzhaft, weil ich so Gas gegeben hatte.“ Krämpfe in den Beinen, die er in den schwierigen Abfahrten zwar anspannte, aber nicht bewegte. Doch er kämpfte sich durch. Am letzten Anstieg erfuhr Seewald, dass er gut fünf Minuten vorn lag. „Da wusste ich, es kann nicht mehr viel anbrennen.“ Die letzte Abfahrt fuhr er extrem vorsichtig, und rollte über die Ziellinie. „Ich hab‘ mich brutal gefreut.“

Für ihn geht‘s weiter mit dem letzten Weltcup-Rennen und Gravel-Wettkämpfen, bevor er im Dezember in Namibia 400 km durch die Wüste zu einem weiteren Saisonhöhepunkt startet, dem Desert Dash. Als Weltmeister.