Sensation am Ostseegrund: Schwedische Schiffswracks von 1714 entdeckt
KI-Stimme. InfoDie Ostsee war über Jahrhunderte nicht nur ein bedeutender Wirtschaftsraum, sondern zugleich Schauplatz zahlreicher militärischer Konflikte. Davon zeugen auch die Wracks zweier schwedischer Schif...
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Die Ostsee war über Jahrhunderte nicht nur ein bedeutender Wirtschaftsraum, sondern zugleich Schauplatz zahlreicher militärischer Konflikte. Davon zeugen auch die Wracks zweier schwedischer Schiffe, die im Dezember 1714 während des Großen Nordischen Krieges vor der Küste Rügens in den eisigen Gewässern der Ostsee sanken. Da an den Wracks bislang keine umfangreichen Bergungsarbeiten durchgeführt worden waren, konnten Taucher zahlreiche außergewöhnlich gut erhaltene Artefakte sichern.
Wracks aus der Zeit des Großen Nordischen Krieges
Das tragische Schicksal der beiden Schiffe steht exemplarisch für die Gefahren der Seefahrt während des Großen Nordischen Krieges, der von 1700 bis 1721 um die Vorherrschaft im Ostseeraum geführt wurde. Die schwedische Fregatte „Postillion“ und das bewaffnete Transportschiff „Cecilie“ liefen im kalten Winter 1714 vermutlich auf Grund und sanken innerhalb kurzer Zeit. Darauf deuten die außergewöhnlich gut erhaltenen Ladungen hin, die gemeinsam mit den Schiffen auf dem Meeresboden verblieben. Später wurden die Wracks offenbar vom Eis beschädigt und gerieten über Jahrhunderte in Vergessenheit.
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Die „Postillion“ wurde 2016 während der Arbeiten an der Gaspipeline Nord Stream 2 auf dem Grund der Ostsee wiederentdeckt. Die Überreste der „Cecilie“ konnten hingegen an einem Ostseestrand identifiziert werden. Gemeinsame Untersuchungen des Landesamtes für Kultur und Denkmalpflege und des Vrak Museums in Stockholm brachten zahlreiche bemerkenswerte Artefakte ans Licht. Die Funde ermöglichen neue Einblicke in die Ausrüstung, die Versorgung und den Alltag an Bord schwedischer Schiffe im frühen 18. Jahrhundert.
Das Leben der Seemänner: Funde als Zeitzeugen
Neben einer eindrucksvollen Schiffsglocke konnten die Taucher auch ein bronzenes Kanonenrohr bergen, das inzwischen von der Landesarchäologie in Schwerin untersucht wird. Bei dem Geschütz handelt es sich vermutlich um ein Beutestück aus dem Dreißigjährigen Krieg und damit um ein Objekt, das bereits zur Zeit des Schiffsuntergangs rund 80 Jahre alt gewesen sein dürfte.
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Besonders aufschlussreich sind für die Archäologen jedoch die zahlreichen Alltagsgegenstände, die sich unter den Fundstücken befinden. Hölzerne Spielfiguren, Tonpfeifen, Schalen und Essbesteck vermitteln einen unmittelbaren Eindruck vom Leben und Alltag der Besatzung. Auch ein an Bord gefundener Kochtopf gehört zu den bemerkenswerten Objekten. Seine vergleichsweise geringe Größe erscheint angesichts der geschätzten Besatzungsstärke von rund 110 Männern zunächst ungewöhnlich und wirft Fragen über die Versorgung an Bord auf.
Der Archäologe Jens Auer, der die Funde der Öffentlichkeit präsentierte, erklärte, dass die Wracks weiterhin am Grund der Ostsee verbleiben sollen. Der genaue Fundort wird aus Schutzgründen nicht veröffentlicht, um unbefugte Bergungsversuche und mögliche Plünderungen durch Raubgräber zu verhindern.