Sie kutschiert zum Wiesn-Einzug bekannte Wirte – „Dieses Jahr legen wir noch einen drauf“
Unzählige Zuschauer werden am Samstag vom Straßenrand aus den Wiesn-Einzug verfolgen. Mittendrin im Geschehen ist dann Xenia Sextl. Sie fährt die Kutsche der Augustiner-Wirtsfamilie - eine Familientradition seit 1977.
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Stand: 18.09.2026, 19:00 Uhr
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Unzählige Zuschauer werden am Samstag vom Straßenrand aus den Wiesn-Einzug verfolgen. Mittendrin im Geschehen ist dann Xenia Sextl. Sie fährt die Kutsche der Augustiner-Wirtsfamilie - eine Familientradition seit 1977.
Graßlfing – Für Xenia Sextl beginnt dieser Samstag sehr früh: Etwa um 5.30 Uhr wird sie daheim in Graßlfing die Schimmel waschen. Danach, gegen 6 Uhr, werden die Pferde in den Anhänger geladen – und es geht zur Augustiner-Brauerei nach München. „Dort gibt‘s erst mal ein Weißwurst-Frühstück“, verrät die 35‑jährige Kutscherin.
Im Anschluss geht ihre Arbeit erst richtig los: Dann startet der Zug an der Brauerei und fährt zur Hauptaufstellung des Einzugs der Wiesnwirte an der Josephspitalstraße. Mittendrin auf dem Kutschbock ist die Graßlfingerin. Ihre Passagiere: die bekannte Münchner Augustiner-Wirtsfamilie Vollmer.
Familie kutschiert Wiesn-Wirte: Mit dem Opa hat alles angefangen
Bei den Sextls ist das eine lange Familientradition: „1977 hat der Opa angefangen, als Kutscher den Wiesnwirt vom Augustiner Bräu beim Einzug zu fahren“, verrät seine Enkelin. In der nächsten Generation übernahm diese Aufgabe Xenia Sextls Vater. Bei ihm fuhr die 35-Jährige bereits in jungen Jahren mit.
Etwa 18 Mal ist Sextl mittlerweile bei der besonderen Veranstaltung dabei gewesen. „Die ersten ein, zwei Mal war ich ein bisschen aufgeregt. Inzwischen bringt mich aber fast nichts mehr aus der Ruhe“, erzählt sie und lacht. Seit 2024 hält die Graßlfingerin selbst die Zügel in der Hand, ihr Vater Franz Sextl wechselte auf den Beifahrersitz. „Der Papa hat mir eigentlich alles beigebracht.“
Mehrere Generationen auf dem Kutschbock: Nichte zum ersten Mal mit dabei
Trotzdem hat die Graßlfingerin zusätzlich einen Kutschenführerschein absolviert – und zwar schon im Alter von zwölf Jahren. Für die heute 35-Jährige keine Besonderheit. „Das ist bei uns einfach gelebte Familientradition“, sagt sie stolz. „Wenn wir nächstes Jahr wieder mitfahren dürfen, wäre das unser 50. Jubiläum.“
Familientradition hin oder her: Immer wieder wird die 35-Jährige auf dem Kutschbock schräg angeschaut – weil sie eine Frau ist. „Da falle ich auf, weil dort nach wie vor die Männer dominieren. Aber dieses Jahr legen wir noch einen drauf“, kündigt Sextl mit einem Augenzwinkern an. „Zum ersten Mal ist meine Nichte mit dabei und darf ein Stück selbst fahren.“
Nach wie vor spielt die ganze Familie bei den Sextls dabei eine große Rolle: „Meine Mama zum Beispiel arbeitet im Hintergrund viel mit.“ Dort stehen ebenfalls einige Aufgaben an: Pferde waschen, Geschirr putzen, Mähnen schneiden, Tiere scheren und Hufe frisch beschlagen. „Ohne die Hilfe von der Mama würde das Ganze nicht funktionieren.“
Dieser Einzug ist jedes Mal ein einzigartiges Erlebnis, eine besondere Atmosphäre. Man spürt diese große Vorfreude der Menschen auf die Wiesn.
Auf der Kutsche selbst braucht es mehr Einfühlungsvermögen als beim Reiten, weiß die Bürokauffrau. „Da kann man nicht mit den Schenkeln lenken. Auf der Kutsche geht viel über die Stimme.“ Gerade bei großen Festzügen wie in München müssten die Pferde ihrem Kutscher besonders vertrauen.
Die hintersten Zelte auf der Theresienwiese sind davor eher die vorderen Nummern im Zug. Deshalb ist Sextl mit der Augustiner-Kutsche recht weit vorn. Auch ihre Zugnachbarn sind daher in der Regel immer gleich: die Augustiner-Oktoberfestkapelle, der Augustiner-Bierwagen und die Schäffler.
Einzug der Wiesn-Wirte in München: „Eine besondere Atmosphäre“
„Dieser Einzug ist jedes Mal ein einzigartiges Erlebnis, eine besondere Atmosphäre“, schwärmt Sextl. „Man spürt diese große Vorfreude der Menschen auf die Wiesn.“ Auch wenn die Graßlfingerin das viele Publikum um sich herum manchmal gar nicht richtig wahrnimmt. „In der Menschenmasse muss man sich gut auf die Pferde konzentrieren.“
Im Anschluss wird allerdings nicht im Festzelt gefeiert. Zumindest Xenia Sextl nicht. „Da verlade ich die Pferde, damit sie nicht lange warten müssen.“ Außerdem gibt Sextl den Tieren zu trinken, belohnt sie mit Heu und Äpfeln – bevor es wieder heim nach Graßlfing geht.