„AfD ist keine normale Partei“: Migrantenverbände und Initiativen gegen Rechtsextremismus in Sorge

wa.dePolitikSieg der extremen Rechten: Migrantenverbände in Sachsen-Anhalt besorgt – „AfD ist keine normale Partei“Stand: 08.09.2026, 23:07 UhrKommentareUns auf Google folgenKünftig könnte die AfD in Sachsen-An...

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„AfD ist keine normale Partei“: Migrantenverbände und Initiativen gegen Rechtsextremismus in Sorge

Sieg der extremen Rechten: Migrantenverbände in Sachsen-Anhalt besorgt – „AfD ist keine normale Partei“

Stand: 08.09.2026, 23:07 Uhr

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Künftig könnte die AfD in Sachsen-Anhalt den Ministerpräsidenten stellen. Betroffen von der sich dann verändernden Situation sind Migranten und Schwarze Menschen.

Magdeburg – Am vergangenen Sonntag konnte der als rechtsextrem eingeordnete AfD-Landesverband in Sachsen-Anhalt die Landtagswahl klar für sich entscheiden. Mit 43,8 Prozent verpasste die Partei die absolute Mehrheit zwar knapp, doch ist nicht unwahrscheinlich, dass entweder Abweichler aus der CDU oder das BSW Ulrich Siegmund ins Amt des Ministerpräsidenten verhelfen. Betroffen vom Politikwechsel wären insbesondere Migranten, Geflüchtete oder Schwarze Menschen. Entsprechend besorgt reagieren die Verbände und solche Vereine, die sich gegen Rechtsextremismus einsetzen.

Nach der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt - AfD

Die AfD hat die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt gewonnen. © Kay Nietfeld/dpa

„Das Wahlergebnis ist eine historische Zäsur und eine Belastungsprobe für die Demokratie nicht nur in Sachsen-Anhalt“, sagte etwa der Geschäftsführer des Vereins Miteinander, Pascal Begrich, der sich gegen die extreme Rechte engagiert. „Bereits seit 2016 steht insbesondere Miteinander e.V. im Fokus der AfD, die immer wieder öffentlich den Verein und seine Arbeit als einen der Hauptgegner benannte und angriff.“ Er fügte hinzu, dass erklärtes Ziel sei, „eine Streichung öffentlicher Fördermittel zu erreichen und den Verein in seiner Existenz zu zerstören“. Die Arbeit von Miteinander sei primär öffentlich finanziert. 

AfD in Sachsen-Anhalt hat Wahl in Dorfgasthöfen gewonnen – Migranten in Angst

Der Flüchtlingsrat bezog sich auf die große Angst bei Migrantinnen und Migranten, die schon lange in Sachsen-Anhalt lebten und fürchteten, ihre deutsche Heimat verlassen zu müssen. „Wir wissen heute noch nicht, welche Regierung kommt, aber wir wissen, welche Angst diese Ergebnisse schon jetzt auslösen“, sagte Saaeid Saaeid, Sprecher des Flüchtlingsrats Sachsen-Anhalts. „Unsere Forderung an jede demokratische Regierungsbildung ist deshalb klar: Geflüchtete schützen, Aufenthaltsperspektive schaffen und Zugänge statt Verbote ermöglichen.“

Der Direktor der Evangelischen Akademie Sachsen-Anhalt, Christoph Maier, schlägt einen ähnlichen Ton an: „Die AfD ist keine normale Partei“, betonte er. Man solle nicht darauf setzen, dass sie sich in Regierungsverantwortung „entzaubert“. Vor allem die Präsenz in der Fläche habe die AfD stark gemacht: „Diese Wahl ging verloren im Kampf um diese kleinen Öffentlichkeiten. Dort war die AfD präsent, in den Dorfgasthöfen, in den Vereinsstammtischen, in den Dörfern.“ Zudem habe sie eine „unangefochtene Medienmacht“ in den sozialen Medien.

Folgerichtig fordert die Türkische Gemeinde in Deutschland (TGD) einen besseren Schutz für Menschen, die von rechtsextremer Gewalt bedroht sein könnten. „Es geht jetzt nicht um abstrakte Prozentzahlen. Es geht um konkrete Menschen, die sich fragen, ob sie auf der Straße noch sicher sind“, sagte die TGD-Bundesvorsitzende Mehtap Caglar laut einer Mitteilung. Niemand dürfe zur Zielscheibe werden, weil er für einen Migranten gehalten werde, einer anderen Religion angehöre, queer sei oder nicht in das „völkische Weltbild der extremen Rechten“ passe.

Gökay Sofuoglu, ebenfalls Vorsitzender der TGD, ergänzte: „Demokratische Verantwortung beweist sich genau jetzt: indem wir diejenigen schützen, die zur Zielscheibe gemacht werden.“ Die TGD appellierte an die demokratischen Fraktionen im neu gewählten Landtag in Sachsen-Anhalt, an die Bundesregierung und die Länder, die „Brandmauer“ gegen die AfD aufrechtzuerhalten.

Initiative Schwarze Menschen in Deutschland sieht Bedrohung vieler Menschen und Communities

Alarmiert zeigt sich auch die Initiative Schwarze Menschen in Deutschland: „Ein AfD-geführtes Sachsen-Anhalt wird das gesellschaftlich aufgeladene Klima gegen Minderheiten zusätzlich anheizen. Aber dafür braucht es keine, wie von der AfD gewünschte, absolute Mehrheit. Das erzielte Ergebnis als stimmenstärkste Partei wird unserer Ansicht nach leider ausreichen, dass die neue Landesregierung in sinnentleerten Begrenzungen von Migration und zusätzlichen Hürden für Migrant:innen eine Anbiederung an rechts außen versuchen wird“, schreiben sie auf ihrer Website.

Weiter habe die AfD im Wahlkampf und in ihrem Landesprogramm „eine Politik angekündigt, die Migration massiv begrenzen, Abschiebungen intensivieren und staatliche sowie gesellschaftliche Institutionen grundlegend verändern will“. Die Initiative schließt jedoch kämpferisch: „Schwarze Menschen gehören zu Sachsen-Anhalt. Menschen of Color gehören zu Sachsen-Anhalt. Menschen mit und ohne Migrationsgeschichte gehören zu Sachsen-Anhalt. Unsere Existenz ist weder in Sachsen-Anhalt noch in anderen Bundesländern verhandelbar.“ (Quellen: dpa, eigene Recherche) (ktho)