Siempelkamp kürzt auch in Krefeld: Job-Abbau nicht nur in Zweibrücken

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Siempelkamp kürzt auch in Krefeld: Job-Abbau nicht nur in Zweibrücken

Siempelkamp kürzt auch in Krefeld Job-Abbau nicht nur in Zweibrücken

Zweibrücken/Krefeld · Auch bei der Siempelkamp-Maschinen- und Anlagenbau GmbH am Konzern-Sitz in Krefeld stehen viele Arbeitsplätze auf der Kippe.

18.08.2026 , 21:30 Uhr

Der neue Pallmann-Name „Siempelkamp Size Reduction“ ist mittlerweile nicht nur auf Fahnen, sondern auch fest angebracht am Werk in der Zweibrücker Wolfslochstraße zu sehen.

Foto: Lutz Fröhlich

Ist der geplante Kahlschlag bei dem 123 Jahre alten Zweibrücker Zerkleinerungsmaschinenhersteller Pallmann – der seit vergangenem Oktober „Siempelkamp Size Reduction Solutions GmbH & Co. KG“ heißt – nur der erste Schritt eines Rückzugs des Krefelder Siempelkamp-Konzerns aus der Pfalz? Hat man sich dort nur einen Konkurrenten einverleibt oder wollte sich das Know-how sichern, aber das Werk langfristig schließen?

Solche bei Zweibrücker Bürgern kursierenden Spekulationen hatte Siempelkamp auf Merkur-Anfrage zwar klar dementiert, als Anfang Juni auf einer Betriebsversammlung bekannt wurde, dass der Abbau von 129 der 282 Stellen an der Zweibrücker Wolfslochstraße droht – es gehe darum, das Überleben des Unternehmens zu sichern.

Diese Versicherung sorgte aber nur begrenzt für Beruhigung in Zweibrücken – schließlich wäre es äußerst unwahrscheinlich, dass ein Unternehmen anderweitige Überlegungen öffentlich macht. Nach jüngsten Nachrichten aus Nordrhein-Westfalen allerdings wird immer klarer: Die Siempelkamp-Erklärung, dass der Stellenabbau mit der anhaltend schlechten Marktlage zusammenhänge (und damit nicht gegen den Standort Zweibrücken grundsätzlich gerichtet ist), ist glaubwürdig.

Denn: Aus entsprechenden Gründen plant Siempelkamp auch am Konzern-Sitz Krefeld einen massiven Stellenabbau.

Wie die Tageszeitung „Rheinische Post“ (RP) berichtete, sollen laut Informationen aus dem Unternehmensumfeld 127 der 371 Arbeitsplätze bei der Maschinen- und Anlagenbau GmbH auf der Kippe stehen, einem der Siempelkamp-Unternehmen in Krefeld. Darüber seien die Mitarbeiter in einer Belegschaftsversammlung am 10. Juni informiert worden.

Siempelkamp habe dort ebenfalls angekündigt, aus dem Arbeitgeberverband sowie dem Tarifvertrag auszusteigen, um mehr Flexibilität zu bekommen. Der Betriebsrat habe diese Ereignisse bestätigt.

Gilt dies nur für die Maschinen- und Anlagenbau GmbH – oder auch für die gesamte Siempelkamp-Gruppe bzw. auch für Siempelkamp Size Reduction Solutions in Zweibrücken? Ein Siempelkamp-Sprecher antwortete auf diese Merkur-Anfrage: „Dies gilt bislang nur für die Maschinen- und Anlagenbau GmbH.“

Wie schon im Fall Zweibrücken äußerte sich Siempelkamp auch gegenüber der Rheinischen Post zu dem Abbau in Krefeld nicht zu den Zahlen, denn Art und Umfang des Abbaus sei „nun Inhalt der mit der Arbeitnehmerseite zu führenden Verhandlungen“.

Und wie damals auf Merkur-Anfrage zu Zweibrücken begründet Siempelkamp auch auf Rheinische-Post-Anfrage den Stellenabbau in Krefeld nicht mit Problemen vor Ort – sondern der internationalen Marktlage. „Unter anderem führen die aktuellen geopolitischen Spannungen und die Zollpolitik in den USA, verbunden mit der immer noch äußerst schwachen Bau-Konjunktur, zu einer schwachen Nachfragesituation, insbesondere im Bereich der Neuanlagen“, zitiert die Rheinische Post einen Sprecher der Siempelkamp-Gruppe. Neben dem weggebrochenen russischen Markt wiesen weitere relevante Märkte strukturelle Nachfrageschwächen ohne Aussicht auf langfristige Besserung auf.

Die Siempelkamp Maschinen- und Anlagenbau GmbH entwickelt Pressensysteme und Anlagen etwa für die Holzwerkstoffindustrie oder zur Metallumformung.

Die Rheinische Post zitiert Ralf Claessen, Geschäftsführer der IG Metall in Krefeld: „Es ist ein Unding, dass wir über die Pläne nicht gleichzeitig oder zumindest kurz nach dem Betriebsrat informiert worden sind – insbesondere darüber, dass man aus dem Tarif aussteigen möchte.“

Auch die „Wirtschaftswoche“ hat über die Lage bei Siempelkamp berichtet. Das Magazin schrieb auf seiner Homepage Mitte Juni unter anderem: „Noch vor zehn Tagen gaben die Geschäftsführer der Siempelkamp Gießerei aus Krefeld, Dirk Howe und Georg Geier, in der WirtschaftsWoche zu Protokoll, dass ihr Unternehmen wirtschaftlich gesund sei – trotz der seit mehr als vier Jahren währenden Energiepreiskrise. 50 neue Mitarbeiter hätten sie in diesem Jahr eingestellt. Teils auf zehn Jahre im Voraus sei der Auftragsbestand gesichert. Jetzt aber kommen scheibchenweise Probleme bei dem Firmenverbund Siempelkamp heraus, zu dem auch der Gießereibetrieb zählt: Zunächst berichtete jüngst der ,Pfälzer Merkur‘ über einen Stellenabbau bei der Siempelkamp Size Reduction Solutions in Zweibrücken, bis zur Übernahme 2017 als Pallmann bekannt. Von 282 sollen 129 Arbeitsplätze gestrichen werden.“ Nun komme auch noch der RP-Bericht über den Abbau in Krefeld hinzu.

Die von der Gießerei kritisierten hohen Strompreise trügen nur teilweise zu der Schieflage bei ihren Schwesterunternehmen bei, „die Energiekosten sind nur ein Faktor von mehreren“, zitiert die Wirtschaftswoche einen Siempelkamp-Sprecher.

Weiter heißt es in dem Artikel: „Der Umbau in der Gruppe währt schon länger: Bereits im vergangenen Sommer hatte die Krefelder Maschinenfabrik 86 Arbeitsplätze gestrichen. Zwei andere Schwestergesellschaften, die Siempelkamp Maschinenfabrik und die Siempelkamp Automation (vormals ATR), die Schaltschränke baut, verschmolzen vor wenigen Wochen. Die Maschinenfabrik, unter deren Namen die Geschäfte weiterlaufen, stellt die Fertigung elektronischer Baugruppen zur Mess-, Steuer- und Regeltechnik zum Jahresende ein.“