Leichtathletik-EM: Silber für Dominic Lobalu und die Frauen-Staffel

Dominic Lobalu komplettiert mit der Silbermedaille seinen Medaillensatz an Europameisterschaften. Für das Staffelteam ist es die erste Medaille – mehr als zehn Jahre wartete es auf diesen Moment. Die Schweiz steht nun bei sieben Medaillen.

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Leichtathletik-EM: Silber für Dominic Lobalu und die Frauen-Staffel

Silberner Samstagabend für die Schweiz: Dominic Lobalu läuft über 10 000 m ebenso auf den zweiten Platz wie die 4-mal-100-m-Staffel der Frauen

Dominic Lobalu komplettiert mit der Silbermedaille seinen Medaillensatz an Europameisterschaften. Für das Staffelteam ist es die erste Medaille – mehr als zehn Jahre wartete es auf diesen Moment. Die Schweiz steht nun bei sieben Medaillen.

16.08.2026, 00.33 Uhr

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Aktualisiert


Salomé Kora, Géraldine Di Tizio-Frey, Fabienne Hoenke und Léonie Pointet (v.l.) waren nach dem Final überglücklich.

Salomé Kora, Géraldine Di Tizio-Frey, Fabienne Hoenke und Léonie Pointet (v.l.) waren nach dem Final überglücklich.

Tobias Lackner / Imago

Wie oft war die 4-mal-100-m-Staffel das Highlight des Abends gewesen, bei Weltklasse Zürich, bei der Athletissima! Wie oft waren die schnellen Schweizerinnen auf dem Weg dazu, eine Medaille an Meisterschaften zu gewinnen – und wie oft verpassten die Läuferinnen dieses Ziel als Vierte, als Fünfte, um Hundertstel oder durch Wechselfehler.

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Im Vorfeld der Europameisterschaften in Zürich 2014 hatte die Staffel als Vorzeigeprojekt des Verbands Swiss Athletics gegolten. Im Team sah man die grösste Chance, im weltweit umkämpften Sprint eine Medaille zu gewinnen. Bloss gelang es nie.

Die EM in Birmingham bot endlich die Bühne, auf der der herbeigesehnte Podestplatz Wirklichkeit wurde. Im letzten Rennen des Samstags, im Getöse von 23 000 mehrheitlich britischen Fans, die ihr Team zum Sieg schrien. Die Schweiz holte Silber, aber wie, bleibt ein Rätsel. Der letzte Wechsel gelang überhaupt nicht, Salomé Kora musste scharf abbremsen, um noch in der Wechselzone zu bleiben. Wie sie danach beschleunigte und dem Team den zweiten Platz sicherte, war grosse Klasse.

Kora ist mit 32 Jahren die älteste Athletin der vier Finalläuferinnen. Sie ist seit zehn Jahren in der Staffel dabei, hat in Birmingham auch als Einzelläuferin zum ersten Mal einen Final erreicht und konnte ihr Glück nach der Medaille kaum fassen. «Endlich», rief sie. «Ich weiss zwar nicht, was bei meinem Wechsel passiert ist, aber ich dachte bloss: Die anderen sind so stark gelaufen, ich muss das heimbringen. Dieses Mal muss es klappen. Wir haben einen so guten Vibe in diesem Team.»

Del Ponte hat den Traum, zu fünft zu feiern – und verzichtet

Wie gut der Zusammenhalt im Team ist, zeigte die Startaufstellung für den Final. Im Vergleich zum Halbfinal am Samstagvormittag war Ajla Del Ponte nicht mehr dabei, dafür lief die 22-jährige Fabienne Hoenke, die früher in der Woche noch als Vierte über 200 m überzeugt hatte. Die 30-jährige Del Ponte hatte der jüngeren Kollegin ihren Startplatz im Final im Sinne des Teamgedankens überlassen. «Ich sah ein Bild vor mir, wie wir zu fünft auf dem Podest stehen», sagte die Tessinerin, ebenso wie Hoenke mit Tränen in den Augen, «und wollte unbedingt, dass Fabienne auch die Erfahrung machen kann, zu laufen».

Das Team komplettierte die Vierte über 100 m, Géraldine Di Tizio-Frey, sowie 200-m-Halbfinalistin Léonie Pointet. Alleine diese Aufstellung zeigt, wie weit sich der Schweizer Sprint in den vergangenen Jahren entwickelt hat.

Ein Happy End also in der langen Geschichte der Schweizer Frauenstaffel? «Eher ein Start in ein neues Zeitalter», sagte Kora.

Dominic Lobalu holt sich eine weitere Medaille.

Dominic Lobalu holt sich eine weitere Medaille.

Petr David Josek / AP

Lobalu komplettiert seinen Medaillensatz

Während sich die Staffelläuferinnen gemeinsam über Silber freuten, erduldete Dominic Lobalu seine eigene Medaille in einem über viele Runden einsamen Rennen. Der Schwede Andreas Almgren hatte sich im 10 000er mit einem verrückten Tempo allein vorne abgesetzt, aber auch die Mitstreiter um Bronze waren weit weg. Und wie er da so die letzten Runden lief, dachte sich Lobalu: «Er ist so stark, dass ich auch mit der Silbermedaille zufrieden bin. Ich habe noch so viele Rennen vor mir in Zukunft», so sagte er es später, nachdem er im Ziel glücklich herumgehüpft war.

Almgren gewann in 27:23,44 Minuten. Lobalu (27:42,67) hatte 19 Sekunden Rückstand, der Franzose Jimmy Gressier büsste bereits 44 Sekunden ein. Die Medaille war ein verfrühtes Geburtstagsgeschenk an sich selber, am Sonntag wird er 28 Jahre alt.

Damit reiht sich Lobalu bei den erfolgreichsten Schweizer Leichtathleten an Europameisterschaften weit vorne ein. Mit der Silbermedaille komplettierte er seinen Medaillensatz. Er hat nun gleich viele EM-Medaillen gewonnen wie Simon Ehammer; bloss Mujinga Kambundji hat vier und damit eine mehr.

An den EM in Rom 2024 war Lobalu der einzige Schweizer Athlet mit mehr als einer Medaille gewesen. Nach Bronze über 5000 Meter wurde er über 10 000 Meter Europameister – ein emotionaler Moment, als er in eine Schweizer Flagge gehüllt im Stadion feierte. Erst kurz vor den Titelkämpfen hatte er erfahren, dass er die Schweiz in Rom vertreten darf. Der Leichtathletik-Weltverband hatte dem ehemaligen Flüchtling aus dem Südsudan im Jahr davor zwar den Nationenwechsel bewilligt, zuerst aber eine dreijährige Wartefrist für internationale Meisterschaften ausgesprochen. Ein Wiedererwägungsgesuch von Swiss Athletics hatte vor den EM dann Erfolg.

Umso mehr geniesst Lobalu, wenn er für die Schweiz antreten darf. Sieben Jahre, nachdem er sich nach einem Rennen in Genf von einem Flüchtlingsteam abgesetzt hat, fühlt er sich in der Schweiz, in Abtwil, rundum wohl, ist der erste seiner Familie, der alleine wohnt.
Ob die Silbermedaille eine Revanche sei für den 5000er am Montag, als Lobalu am Schluss die Kräfte ausgegangen waren? «Den 5000er habe ich schon vergessen», sagte Lobalu. Seine Vergangenheit, in der er schlimme Dinge erlebt hat, hat ihn das gelehrt: Dass es meist nichts nützt, zu lange mit dem Kopf bei dem hängenzubleiben, was passiert ist. Darin ist er stark. Und überhaupt: Das nächste Rennen kommt bestimmt.

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