Merz zur Kapitalrente: „30 Jahre zu spät“ – so soll die Rentenreform funktionieren

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Merz zur Kapitalrente: „30 Jahre zu spät“ – so soll die Rentenreform funktionieren

„Sind 30 Jahre zu spät“: Merz macht Druck bei der Kapitalrente – was dahinter steckt

Stand: 13.10.2026, 18:39 Uhr

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Höhere Renten, sinkende Beitragssätze: Mit diesem Versprechen wirbt Friedrich Merz für die Kapitalrente. Beim Arbeitgebert​ag nannte er ihre Einführung „30 Jahre zu spät“.

Berlin – Bundeskanzler Friedrich Merz hat beim Deutschen Arbeitgebert​ag für eine grundlegende Reform der Altersvorsorge geworben. Deutschland sei bei der Einführung einer Kapitalrente „30 Jahre zu spät“, sagte der CDU-Vorsitzende. Nun wolle er eine große Reform auf den Weg bringen. Die gesetzliche Kapitalrente könne nach seiner Überzeugung dazu beitragen, die Rentenleistungen zu erhöhen und gleichzeitig die Beitragssätze zu senken. Dafür seien zunächst allerdings höhere Beiträge zur Rentenversicherung nötig, damit sich ein ausreichender Kapitalstock aufbauen könne.

Deutscher Arbeitgebertag 2026

Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) bekräftigt auf dem Arbeitgebertag seinen Reformwillen. © Bernd von Jutrczenka/dpa

Merz setzt auf Kapitaldeckung

Merz verteidigte das Reformvorhaben vor den Arbeitgebern als wichtigen Schritt, um die gesetzliche Rentenversicherung langfristig zu stabilisieren. Zugleich verwies er auf weitere Veränderungen im Sozialsystem. Das Ende der abschlagsfreien Frühverrentung mache die Rente gerechter, sagte er mit Blick auf die Debatte mit der SPD. Insgesamt lobte der Kanzler das Reformpaket seiner Regierung. Er hofft, damit langfristig stabile Beitragssätze zu erreichen. Noch sind allerdings Teile der geplanten Reformen innerhalb der Koalition umstritten.

Die Kapitalrente soll die bisherige umlagefinanzierte Rentenversicherung ergänzen. Bislang finanzieren die laufenden Beiträge von Beschäftigten und Arbeitgebern die Renten der heutigen Ruheständler. Bei einer zusätzlichen Kapitaldeckung wird Geld am Kapitalmarkt angelegt, um daraus künftig einen Teil der Rentenleistungen zu finanzieren. Die Idee dahinter: Erträge aus den Anlagen sollen die Rentenkasse entlasten und die Altersvorsorge auf mehrere Säulen verteilen.

Nach einer Empfehlung der Rentenkommission sollen Beschäftigte und Arbeitgeber nach einer Übergangsphase ab 2028 zusätzlich zum regulären Rentenbeitrag jeweils gemeinsam Beiträge in Höhe von zwei Prozent des Bruttoeinkommens aufbringen. Das Geld soll in einen öffentlichen, international wettbewerbsfähigen Fonds fließen. Alternativ könnten Versicherte aus einer begrenzten Zahl zertifizierter Anlagefonds anderer Anbieter wählen, sofern diese vergleichbar strenge Kriterien erfüllen.

Als Vorbild gilt Schweden. Dort wird ein Teil der Rentenbeiträge in Fonds investiert. Ein staatlicher Fonds dient Menschen, die ihre Anlage nicht selbst auswählen wollen, als Standardlösung. Langfristig haben sich diese Anlagen trotz zwischenzeitlicher Börseneinbrüche positiv entwickelt. Eine Garantie für Gewinne gibt es jedoch nicht: Die Kapitalrente ist abhängig von der Entwicklung der Finanzmärkte.

Kapitalrente: Kritik an Kosten und Risiken

Merz sieht in dem Modell auch einen wirtschaftlichen Nutzen. Durch die Kapitalrente könnten nach seinen Angaben mindestens 30 Milliarden Euro pro Jahr zusätzlich in die Wirtschaft gelangen. Mehr Kapital am Aktienmarkt könnte Unternehmen Investitionen erleichtern. Kritiker warnen dagegen vor den Risiken schwankender Börsenkurse und vor zusätzlichen Belastungen in der Übergangszeit. Während die heutigen Renten weiter finanziert werden müssten, kämen neue Beiträge für den Kapitalstock hinzu.

Auch Arbeitgeberpräsident Rainer Dulger hält mehr Kapitaldeckung grundsätzlich für sinnvoll, bevorzugt aber freiwillige private und betriebliche Lösungen. Die geplante Kapitalrente bedeute eine Mehrbelastung von mehr als 40 Milliarden Euro jährlich für Unternehmen und Beschäftigte, kritisierte er. Ob und in welcher Form das Modell umgesetzt wird, bleibt damit eine zentrale Frage der Rentenreform. (Verwendete Quellen: dpa, Reuters)