Söder als Kanzler? CSU-Führung hat klaren Plan – „Einfach mal die Klappe halten“
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Stand: 11.09.2026, 19:07 Uhr
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Der Kanzler wankt, und plötzlich keimt Hoffnung in München: Wird‘s doch noch was mit Söder in Berlin? Die CSU-Spitze weiß selbst, dass das recht unwahrscheinlich ist.
München/Berlin – Diese Woche haben die Bayern in Berlin ihr kleines Oktoberfest eröffnet, ein weißblaues Werbeevent mit Bier und Blasmusik. Das Anzapfen im Festzelt, nur 100 Meter vom Kanzleramt weg, wäre der perfekte Platz für Kraftmeierei und Kampfansagen an die Hauptstadt. Doch Markus Söder belässt es bei seinem Auftritt am Mittwochabend bei Zwischentönen. Mit „zwei, drei Bier“ lasse sich vieles leichter ertragen, zitieren ihn Journalisten, wissend, dass er in Wahrheit kaum einen Tropfen Alkohol anrührt. Auch das erste Lied im Zelt wird notiert: von Abba, „Mamma mia“.

Mamma mia! Das gibt die Grundstimmung in der CSU gerade gut wieder. Die kleine Unions-Schwester beobachtet genau und sehr besorgt, wie es mit der Berliner Regierung steil bergab geht. Wer sich umhört in der Parteiführung und bei Abgeordneten, hört große Zweifel heraus, ob Kanzler Friedrich Merz die nächsten Wochen im Amt überstehen wird. „Der kriegt das nicht auf die Kette“, sagt ein Vorstandsmitglied leise. Dennoch verordnen sich die Christsozialen Zurückhaltung. Keine geheuchelten Treueschwüre für Merz, aber auch nicht schimpfen, sticheln, schubsen. „Einfach mal die Klappe halten, so haben wir das geplant“, sagt einer aus der Führung. Falls Merz fällt, will die CSU vor allem eines nicht sein: schuld.
CSU als Stabilisator in Berlin – Dobrindt als Anker für die Koalition
Tatsächlich können sich die Christsozialen bisher wenig vorwerfen. In Berlin hat sich der kleinste Partner eine Rolle als Stabilisator erarbeitet. Das liegt an Bundesinnenminister Alexander Dobrindt: Mit Teil eins der Migrationswende hat er einen der wenigen zählbaren Erfolge erarbeitet, gleichzeitig wirkt er hinter den Kulissen als Dauervermittler für Schwarz und Rot. Auch Söder selbst verzichtet auf Rempler.
Er könnte wuchtig anders, aber will diese Linie vorerst halten. Am Sonntag und Montag ruft der CSU-Chef seinen Parteivorstand zu einer Klausur in München zusammen, interne Gespräche und gemeinsamer Grillabend. Disziplin dahoam ist ihm noch wichtiger als sonst. Denn auch für ihn steckt viel Risiko in den unkalkulierbaren Merz-Szenarien. Einerseits: Die desaströsen Unions-Umfragewerte im Bund lassen vage erahnen, wo die CSU in Bayern derzeit steht. Eine als seriös geltende Umfrage fürs Land gab es schon seit Monaten nicht mehr, sie folgt wohl noch im September. Andererseits: In Teilen der Berliner Blase und bei einigen Medien wird Söder seit einigen Tagen wieder als möglicher Ersatz-Kanzler gehandelt. „Letzte Chance“, titelt etwa das „Handelsblatt“.
Kanzlertausch: Was für Söder spricht und gegen Wüst
Der Weg dahin erscheint schmal. Naheliegender Merz-Erbe ist NRW-Regent Hendrik Wüst (CDU). Auch er hat Regierungserfahrung, ist gut vernetzt. Selbst hohe CSUler sehen in ihm den klaren Favoriten, denn Mehrheiten für Merz‘ Sturz und die Nachfolge liegen einzig in der CDU. Wüsts Problem ist der Zeitplan: Er hat Ende April 2027 seine Landtagswahl vor sich. Ihm käme entgegen, wenn Merz sich bis dahin oder besser ein gutes Stück darüber hinaus hielte. Söder hingegen könnte zügig nach Berlin wechseln, ohne Wortbruch. Im Gegenteil: Er hatte ja 2018 mal angeboten, in Bayern nur zwei Amtszeiten zu regieren, also bis 2028. Käme ein Berlin-Exit da nicht perfekt gelegen? Dann hätte auch das ÖDP-Volksbegehren zur Amtszeitbegrenzung kaum noch Brisanz.
Plan: Einfach mal die Klappe halten.
Führenden CSUlern ist klar: Die Not in der CDU müsste schon riesig, das Drama in Berlin episch sein, ehe sie nach Söder ruft. Oder, wie es sich der Landtagsabgeordnete Volker Bauer in den „Nürnberger Nachrichten“ ausmalte: „Diesmal müsste die CDU schon vor der Staatskanzlei niederknien.“ Euphorie ist darüber in der CSU aber kaum zu spüren. Taktik: Vorantasten, abwarten, keinesfalls ein falsches Wort vor den nächsten Landtagswahlen am 20. September (Berlin, Mecklenburg-Vorpommern) riskieren. Auch nicht über die Bundespräsidenten-Ambitionen von Ilse Aigner, die ja Teil aller offenen Fragen sind.
Söder selbst weiß, wie schnell und wie steil es in diesen Wochen in der Politik rauf und runter gehen kann. Zur Erinnerung: Als er die Vorstandsklausur für Sonntag/Montag planen ließ, waren die Vorzeichen komplett anders – da ging es darum, den Ärger in der aufgewühlten CSU über die in Teilen dramatisch schlechte Kommunalwahl aufzuarbeiten. Gestern Sturz-Gerüchte in Bayern, heute Kanzler-Träume in Berlin: Für Söder dürfte sich das jetzt angenehmer anfühlen.