Sommer der Extreme: Ernte in Gefahr – Bach trocknet aus: Fische sterben

Die wochenlange Trockenheit lässt Sommergerste, Weizen und Raps vertrocknen. Wenn es in den nächsten zwei Wochen nicht ordentlich regnet, ist auch der Mais einen Monat vor der üblichen Erntezeit fällig.

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Sommer der Extreme: Ernte in Gefahr – Bach trocknet aus: Fische sterben

Stand: 08.08.2026, 06:25 Uhr

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Sollte es nicht bald richtig regnen, muss Landwirtin Anna-Maria Stürzer ihren Mais rund vier Wochen früher ernten.

Sollte es nicht bald richtig regnen, muss Landwirtin Anna-Maria Stürzer ihren Mais rund vier Wochen früher ernten. © LF

Die wochenlange Trockenheit lässt Sommergerste, Weizen und Raps vertrocknen. Wenn es in den nächsten zwei Wochen nicht ordentlich regnet, ist auch der Mais einen Monat vor der üblichen Erntezeit fällig.

Landkreis – Während die Landkreisbürger ins Freibad oder an den See vor der Hitzewelle flüchten, kämpfen Landwirte mit hohen Ernteausfällen und vertrockneten Wiesen, Fische sterben oder müssen umgesetzt werden, weil Bachläufe austrocknen, und der Wasserpegel sinkt täglich weiter.

„Die letzten fünf Jahre, seitdem ich den Hof mitbewirtschafte, hatten wir ein gutes Jahr“, sagt Anna-Maria Stürzer, die in Höhenkirchen-Siegertsbrunn mit ihrem Vater, BBV-Kreisobmann Anton Stürzer, Ackerbau betreibt. „Dieses Jahr ist es aber extrem, ich sehe schwarz für die Ernte.“ Alle Kulturen seien betroffen. Sommergerste, Weizen und Raps haben die Stürzers schon geerntet – der Ertrag gering. „Wir hatten die Hoffnung auf Mais gesetzt, doch auch da sieht es schlecht aus. Wenn es in den nächsten zwei Wochen nicht ordentlich regnet, ist der fällig.“ Mehr als einen Monat vor der üblichen Erntezeit. Manche Sorten seien noch gar nicht befruchtet. Das Grundproblem: die wochenlange Dürre. „Es hat einfach viel zu wenig geregnet. Wenn dann mal was runter kam bei einem Gewitter, war es für kurze Zeit sehr viel. Unsere Kiesböden können das aber nicht halten.“ Hinzu kommen die hohen Temperaturen, die die Pflanzen nicht gewohnt sind. „Es ist frustrierend, man merkt den Klimawandel stark“, sagt Anna-Maria Stürzer. „Ich kenn‘ es gar nicht anders, aber mein Vater hat noch andere Erntezeiten erlebt. Für ihn ist das richtig schwierig.“

Wasserrechtliche Erlaubnis

Die Wassersparanordnung der Stadtwerke München, die auch einzelne Landkreiskommunen betraf, ist zum 1. August ausgelaufen, doch weiterhin soll sorgsam mit dem Element umgegangen werden. Doch immer wieder sieht man Landwirte ihre Felder bewässern, damit die Ernte trotz Dürre wächst. Laut Landratsamt dürfen Bauern Wasser zur Feldbewässerung grundsätzlich nur im Rahmen einer wasserrechtlichen Erlaubnis entnehmen. Die zulässige Menge ergibt sich aus dem jeweiligen Bescheid. Für Grundwasserentnahmen fällt in Bayern seit 2026 ein Wasserentnahmeentgelt – der Wassercent – an (10 Cent pro Kubikmeter).

Ein Bauer in Aschheim bewässert seinen Kartoffelacker.

Ein Bauer in Aschheim bewässert seinen Kartoffelacker. © Robert Gasser

Doch nicht nur Ackerbauern haben mit der Dürre zu kämpfen: „Die Weide ist eine Steppe, da wächst nichts mehr“, sagt Tomi Huber vom Glonnerhof in Unterhaching. Normalerweise ernähren sich die Kühe im Sommer vorwiegend vom satten Gras auf der Wiese wenn es ausreichend regnet. Heuer kommt Huber ohne regelmäßiges Zufüttern von Heu und Silage nicht aus. „Ich habe Glück und kann genug Futter auf meinen eigenen Feldern anbauen. Aber für größere Betriebe wird es zum Winter hin schwierig. Die Heuernte im Landkreis München war sehr schlecht.“ Auch seine Hühner leiden unter den heißen Temperaturen. „Die haben extremen Hitzestress und legen weniger Eier.“

Der Hüllgraben zwischen München und Aschheim ist 2026 ausgetrocknet.

Der Hüllgraben zwischen München und Aschheim ist 2026 ausgetrocknet. © Robert Gasser

Das Wasserwirtschaftsamt veröffentlicht alle paar Tage einen Niedrigwasser-Lagebericht. „Die Trockenheit ist massiv. Südbayern ist stark betroffen“, sagt Pressesprecher Florian Klein. „Wir spüren nicht nur die Dürre der letzten Wochen, es hat die vergangenen eineinhalb Jahre weniger geregnet.“ Die Grundwasserneubildung war gering, deshalb sinken die Pegel immer weiter. Manche Seen und Flüsse trocknen sogar aus, berichten die Flussmeister des Wasserwirtschaftsamts, die die Lage vor Ort kontrollieren. „Für die Ökologie im Gewässer ist das höchstkritisch.“

Gewässer trocknen aus: Fische müssen geborgen werden

Auch Leonhard Egg, stellvertretender Leiter der Fachberatung für Fischerei beim Bezirk Oberbayern mit Sitz in Haar, stellt fest, dass immer mehr Gewässer trockenfallen. „Das bedeutet, dass die Fische darin geborgen werden müssen.“ Darum müssen sich die Pächter kümmern, wenn es keine gibt, die Kommune selbst. „Das funktioniert oft nicht so leicht, deshalb versuchen Vereine wie die Isarfischer auszuhelfen“, so Egg. Auch der Hüllgraben, eine Fortsetzung des unterirdisch zugeleiteten Hachinger Bachs vom Zamdorfer Gleisdreieck in den Abfanggraben, der schließlich in den Mittlere-Isar-Kanal mündet, ist fast vollständig ausgetrocknet. Bereits mehrere Hundert Fische und andere Wasser-Lebewesen seien verendet. Die Kreisgruppe München des Landesbunds für Vogel- und Naturschutz (LBV) hat deshalb Alarm geschlagen. Fische, die in dem noch vorhandenen Teil des Bachs leben, wurden geborgen. „Hitze und steigende Temperaturen in den Gewässern bedeutet brutalen Stress für die Fische. Sie werden auch anfälliger für Krankheiten“, so Egg.

Die einzige Lösung, die für Entspannung sorgen könnte, sind laut Florian Klein lang anhaltende Regenfälle. Doch die sind aktuell nicht in Sicht. Ab Samstag sind wieder tagelang Temperaturen jenseits der 30-Grad-Marke angesagt und Sonne satt.