Ski alpin: Spaß hat für Feller oberste Priorität
Der Weltcup-Winter nähert sich mit Riesenschritten. Am 24. und 25. Oktober stehen auf dem Rettenbachferner oberhalb von Sölden die ersten Riesentorläufe auf dem Programm. Mit Manuel Feller wird einer der prominentesten Österreicher beim traditionellen Event fehlen. Der Tiroler konzentriert sich in der Endphase seiner Karriere nur noch auf den Slalom. Nach Bandscheibenvorfall und mentalen Tiefs im Sommer hat für Feller vor allem eines Priorität: der Spaß am Skifahren.
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Ski alpin
Der Weltcup-Winter nähert sich mit Riesenschritten. Am 24. und 25. Oktober stehen auf dem Rettenbachferner oberhalb von Sölden die ersten Riesentorläufe auf dem Programm. Mit Manuel Feller wird einer der prominentesten Österreicher beim traditionellen Event fehlen. Der Tiroler konzentriert sich in der Endphase seiner Karriere nur noch auf den Slalom. Nach Bandscheibenvorfall und mentalen Tiefs im Sommer hat für Feller vor allem eines Priorität: der Spaß am Skifahren.
Online seit gestern, 21.06 Uhr
Das Jahr 2026 war für Feller die gern zitierte Achterbahnfahrt der Emotionen. Ende Jänner erfüllte sich der Tiroler auf dem Kitzbüheler Ganslernhang im x-ten Anlauf endlich den Traum vom „Sieg dahoam“. Dann eroberte er gemeinsam mit Vincent Kriechmayr bei den Olympischen Spielen in Bormio die Silberne in der Teamkombination. Dem sportlichen Hoch folgte jedoch das gesundheitliche Tief.
Denn Feller musste nach einem Bandscheibenvorfall operiert werden. Der Eingriff war zwar erfolgreich, in der Rehabilitation musste er aber den einen oder anderen Rückschlag hinnehmen. Selbst die kleinste Mehrbelastung wurde zur Qual. „Ich bin im Sommer für Fleiß mit Schmerz bestraft worden. Das macht es schwierig, was die Motivation betrifft“, sagte Feller im ORF-Interview.
Eine weitere Untersuchung zeigte, dass im betroffenen Bereich „etwas nachgerutscht“ war. Mit Schonung wurde der bald 34-Jährige der Lage jedoch Herr. Das Ziel, noch zwei weitere Jahre im Renntempo – zumindest die Slalom-Pisten – herunterzubrettern, wurde wieder realistisch. Rund drei Wochen vor dem Weltcup-Auftakt absolvierte Feller auf dem Pitztaler Gletscher die ersten Schwünge. Ein Anfang: „Ich kann jede Woche mehr machen, aber vom Spitzensport bin ich noch weit entfernt.“
Seit Langem wieder Vorfreude
Der erste Schneekontakt löste bei Feller aber etwas aus, was er in seiner langen Karriere in der Vorbereitung nicht immer hatte: echte Glücksgefühle. „Es war auch seit Langem wieder einmal so, dass ich mir beim Zusammenpacken gedacht habe, ich freue mich, dass ich Skifahren gehe“, erzählte der Gewinner von sieben Weltcup-Rennen. Dazu habe er nach der überstandenen Rückenblessur „viel mehr Dankbarkeit“ als früher verspürt.
Feller: „Sehr viele depressive Phasen gehabt“
ÖSV-Ass Manuel Feller hat im ORF-Interview über den Rehaprozess, die bevorstehende Saison und mentale Probleme gesprochen. „Ich habe sehr viele depressive Phasen gehabt“, sagte Feller offen. Nach einem erneuten Bandscheibenvorfall ist der 33-Jährige mittlerweile wieder ins Schneetraining eingestiegen.
Auf das auf dem Gletscher verspürte Glücksgefühl will sich Feller auch in der kommenden Saison, wo im Februar der Höhepunkt Ski-WM in Crans-Montana wartet, fokussieren. „Ich habe im Frühjahr gesagt, ich möchte noch zwei Jahre Ski fahren. Aber die Voraussetzung ist, dass es Spaß macht. Deshalb habe ich keinen Stress und mache mir keinen Druck. Wenn es Spaß macht und der Körper mitspielt, dann passt auch die Performance.“
Um vom dichten Kalender nicht aufgerieben zu werden, will sich Feller heuer auch nur auf ein „paar spezielle Rennen“ konzentrieren. „Der Jänner ist es, warum ich diesen Sport noch mache“, sagte Feller. Kitzbühel (Ein „Back-to-back-Sieg wäre eine Riesengeschichte“) ist ebenso ein Fixpunkt wie endlich ein Sieg in Schladming, das ihm nach „Kitz“, Wengen und Adelboden von den „Big Four“ noch fehlt. Dazu als letzter Höhepunkt des Winters der WM-Slalom in der Schweiz.
Mentale Tiefs als Warnsignal
Wann er genau in den Weltcup einsteigt, lässt Feller vorerst offen. Ob schon in Levi Mitte November, Gurgl eine Woche später oder doch erst rund um Weihnachten, alles ist noch in der Schwebe, oder wie es der Tiroler formuliert: „Ich bin bereit, wenn ich bereit bin, aber ich werde alles daransetzen, dass das so schnell wie möglich ist.“ Weil er sich nur noch auf eine Disziplin konzentrieren muss, habe er „keinen Stress. Wenn sich Levi ausgeht, super, wenn nicht, dann halt später.“
Denn neben den körperlichen Problemen habe ihm im Sommer die mentale Komponente ziemlich zu schaffen gemacht, so Feller. Der Spagat als Familienvater und Skiprofi („Das sind zwei verschiedene Menschen“), gepaart mit den Nachwirkungen der OP, habe für „viele depressive Phasen“ gesorgt, unter denen sein Umfeld ebenfalls gelitten habe. „Alles mit sich selber ausmachen funktioniert dann auch nicht wirklich. Das habe ich realisieren und akzeptieren müssen“, so Feller.
Dank professioneller Hilfe sei er aber auch mental wieder auf dem Weg an die Weltspitze. Allerdings müsse man aufpassen, dass der psychische Zug nicht wieder „an die Wand fährt“. Denn speziell der Stress im Weltcup, vor allem jener der vielen Reisen, würde einen schnell wieder in alte Muster fallen lassen. Daher gelte es auch da immer fit zu bleiben: „So wie man auf den Körper schaut, muss man auch auf die Seele schauen.“ Und das gehe am besten, wenn man Spaß an der Sache hat.