(+) Ändert der Klimawandel unsere Ferienpläne?
Anzeige Im Norden St. Peter-Ording statt Saint-Tropez? Wenn Urlaubsträume in Rauch aufgehen Sommer 2026 in Südwestfra...
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Im Norden
St. Peter-Ording statt Saint-Tropez? Wenn Urlaubsträume in Rauch aufgehen
St. Peter-Ording statt Saint-Tropez? Warum die Schockbilder vom Mittelmeer unser Reiseverhalten so wenig beeinflussen.
Apokalyptische Waldbrände an Atlantik und Mittelmeer, Schlammlawinen in Norditalien, 40 Grad in Paris, ein Hitzedom über halb Europa – der Sommer 2026 gibt uns einen Vorgeschmack auf das, was der Klimawandel kann. Erleben wir gerade das Ende des Sommerurlaubs im Süden? Werden die Tourismusströme sich nun gen Norden richten, nach dem Motto St. Peter-Ording statt Saint-Tropez? Ganz so einfach ist es nicht, sagen Experten.
Die Kollegin grüßt gut gelaunt aus dem Norwegenurlaub: „Hurra, nach einer Woche der erste Tag ohne Regen!“ Skandinavienfreunde werden die Achseln zucken: Normal! Aber wird ein Sizilienfan jetzt an den Fjord fahren, nur weil dort keine Asche aufs Handtuch regnet? Stichwort: „Coolcation“, dieser Marketingbegriff, mit dem skandinavische Tourismusprofis ihre kühlen Sommer anpreisen?
Mittelmeer beliebter als Skandinavien
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Die Schockbilder aus dem Süden werden nicht sofort Reisegewohnheiten ändern, so die Einschätzung von Harald Zeiss, Professor für Tourismusmanagement an der Hochschule Harz in Wernigerode: „Nordeuropa kommt im deutschen Urlaubsreisemarkt weiterhin auf einen kleinen einstelligen Marktanteil, während allein Spanien, Türkei, Italien und Griechenland die Rangliste der Auslandsziele anführen.“ Die kurze Saison im Norden, die teuren Preise – das muss man mögen.
„Der Klimawandel verändert derzeit vor allem, wann gereist wird, und erst in zweiter Linie, wohin“, so Zeiss: „Am deutlichsten sehen Sie das am Angebot der Veranstalter: TUI etwa stockt für diesen Herbst die Flugkapazitäten nach Kreta bis in den November auf.“
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Und die norddeutschen Urlaubsorte? Bis Anfang August haben Wetterstationen in Schleswig-Holstein bis zu 34 Sommertage mit Temperaturen über 25 Grad registriert. Mehr Badetage, keine Camper, die vor Feuer flüchten müssen – das klingt attraktiv.
Wird die Ostsee zum neuen Mittelmeer?
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Die Ostsee (derzeit 19 Grad) wird trotzdem nicht zum neuen Mittelmeer (derzeit 29 Grad). „Die Motive, ans Mittelmeer zu reisen, oder zu uns nach Ostholstein, sind ganz verschieden“, sagt André Rosinski, Vorstand der Tourismus-Agentur Lübecker Bucht: „Es ist nicht so, dass uns wegen der Brände im Süden die Bude eingerannt wird.“
Der Tourismuschef war im Sommerurlaub mit der Familie in diesem Jahr selbst betroffen von den riesigen Feuern an der französischen Atlantikküste: „Das macht schon etwas mit einem, dieser Brandgeruch, die trübe Sonne und das Wissen, dass einige Kilometer entfernt Menschen um ihre Existenz kämpfen.“
Ob sich dieses Unbehagen irgendwann im Reiseverhalten niederschlägt, sei ungewiss, sagt auch Stefan Borgmann, Geschäftsführer der Tourismus-Agentur Schleswig-Holstein. Derzeit spiele ein ganz anderes Phänomen eine Rolle: „Wegen der gestiegenen Benzinpreise machen deutlich mehr Schleswig-Holsteiner Urlaub im eigenen Land.“
Dass hitzegeplagte Mittelmeerbewohner ihren Urlaub nach Nordfriesland verlegen, sei nur ein winziges Randphänomen: Den 23.000 dänischen Touristen in Schleswig-Holstein standen etwa im Mai 2026 nur je rund 1000 Gäste aus Italien und Spanien gegenüber.
Zahlen zeigen: Der Mittelmeerraum ist bei den Deutschen sogar beliebter als vor der Pandemie, „Coolcation“ hin, evakuierte Touristen her. Jedenfalls, solange es nicht noch heißer wird: „Modellrechnungen zeigen, dass sich ein deutliches Nord-Süd-Muster erst bei drei bis vier Grad Erwärmung ausbildet“, so der Tourismusforscher Zeiss: „Für den deutschen Markt erwarte ich in den kommenden Jahren vor allem zwei Ausweichbewegungen, nämlich in die Voralpen und Mittelgebirge, sowie an die Ränder der Hauptsaison.“
Aber auch ohne Gäste, die sich vom heißen Süden abwenden, sehen die Hotspots an Nord- und Ostsee einem weiteren Rekordjahr entgegen. Und da spielt der Klimawandel dann doch eine Rolle: „Dank“ mehrerer Hitzewellen sind an den Wochenenden so viele Tagesgäste an die Strände geströmt, dass die Urlauber schon genervt waren.
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