Zeichen für Vielfalt: Wie in St. Wendel politischer Protest zum Familiennachmittag wird

Unter dem Motto „Pinsel schwingen für die Demokratie“ haben Bürger in der St. Wendeler Mott Plakate gestaltet. Die kleine Mitmach-Aktion soll ein farbenfrohes Zeichen gegen Rechtsextremismus und für ein tolerantes Miteinander setzen.

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Zeichen für Vielfalt: Wie in St. Wendel politischer Protest zum Familiennachmittag wird

Zeichen für Vielfalt Wie in St. Wendel politischer Protest zum Familiennachmittag wird

Exklusiv | St. Wendel · Unter dem Motto „Pinsel schwingen für die Demokratie“ haben Bürger in der St. Wendeler Mott Plakate gestaltet. Die kleine Mitmach-Aktion soll ein farbenfrohes Zeichen gegen Rechtsextremismus und für ein tolerantes Miteinander setzen.

23.08.2026 , 15:27 Uhr

Mit einer farbenbunten Mitmach-Aktion setzten diese Bürgerinnen und Bürger auf dem Platz "In der Mott" ein Zeichen gegen Rechtsradikalismus.  Foto: Jennifer Fell

Mit einer farbenbunten Mitmach-Aktion setzten diese Bürgerinnen und Bürger auf dem Platz "In der Mott" ein Zeichen gegen Rechtsradikalismus. Foto: Jennifer Fell

Foto: Jennifer Fell

Unter dem Motto „Pinsel schwingen für die Demokratie“ kam am vergangenen Samstag, 22. August, eine kleine Gruppe auf dem St. Wendeler Platz „In der Mott“ zusammen, um in einer Mitmach-Aktion Plakate zu gestalten. Wir haben uns dort umgeschaut und mit den Aktivisten gesprochen.

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Zeichen gegen Rechtsextremismus

Eifrig auf vorbereitete Pappe malend und dabei gemütlich plaudernd sitzen vier Erwachsene und drei Kinder am Rande der St. Wendeler Mott zusammen, mit Blick auf den „Platz der Kinderrechte“. Bei dem Grüppchen handelt es sich um engagierte Bürgerinnen und Bürger, die ein klares Ziel verfolgen: „Ich habe diese Aktion ins Leben gerufen, um Demokratie und Vielfalt zu leben und ein klares Zeichen zu setzen gegen Rechts“, erklärt Organisator Christoph Broy (46), der auch einen Auslöser benennt: „Beim Sommerfest des AfD-Kreisverbandes im Dorfgemeinschaftshaus Osterbrücken haben wir spontan mit einigen Personen einen Gegenprotest gemacht, hatten aber keine Plakate zur Hand. Um zukünftig vorbereitet zu sein, gestalten wir jetzt schon Schilder und Banner, garantiert im Rahmen der Kunstfreiheit und als buntes, unübersehbares Zeichen für ein freies, tolerantes Miteinander“, konstatiert der St. Wendeler, der auch in weiteren Bündnissen wie „AfD-Verbot Jetzt“, „Frauen gegen Rechts“ oder „Humans – Netzwerk für Menschenrechte und politische Bildung e.V.“ aktiv ist.

Der 46-jährige bedauert, dass einige Mitstreiter krankheitsbedingt und aus anderen Gründen nicht dabei sein können. Er vermutet, dass sicherlich auch einige die zeitgleich in der Saarbrücker Innenstadt stattfindende Demonstration von „AfD-Verbot Jetzt“ besuchten.

Kreative Gegenwehr gegen rechts

Diejenigen, die Broys Aufruf gefolgt sind, drei Erwachsene und drei Kinder aus Winterbach, sind aktuell in ihre Arbeit vertieft. Die beiden Neunjährigen Emma und Annelie und die erst vierjährige Elli malen Blumen und eine Blumenwiese, je eine Ecke ihrer Plakate ziert ein Aufkleber, den Christoph Broy beigesteuert hat. Er zeigt einen Hamster und ist mit „Hamsti gegen Rechti“ beschriftet.

Annika Mößmer, Annelies Mutter, gestaltet ein Plakat, das ebenfalls mit bunten Blumen übersät ist, einen Schmetterling und ein Herz zeigt und in dessen Zentrum Wort „Vielfalt“ steht. Die 38-Jährige verrät, dass sie Christoph Broys Aufruf auf Instagram gelesen habe und zusammen mit ihrem Mann und ihrer Tochter beschlossen habe, mitzumachen: „Es geht um die Zukunft unserer Kinder. Da fand ich die Idee richtig schön, kreativ zu sein und den Pinsel zu schwingen.“ In diesem Rahmen sei es auch kein Problem, Kinder mitzunehmen, da man keine Angst vor Gewalt haben müsse. Bei größeren Demonstrationen und möglichen Gegendemonstrationen sehe das schon anders aus.

Christoph Broy war der Initiator der kreativen Aktion für Toleranz und Vielfalt in unserer Gesellschaft.  Foto: Jennifer Fell

Christoph Broy war der Initiator der kreativen Aktion für Toleranz und Vielfalt in unserer Gesellschaft. Foto: Jennifer Fell

Foto: Jennifer Fell

„Rechtsextremismus ist im Alltag angekommen“

Ihr Ehemann Gabriel (47) erzählt von einem persönlichen Erlebnis, das ihm jüngst widerfahren ist und das ihn darin bestärkt hat, sich für den Erhalt der Demokratie einzusetzen: „Der Rechtsextremismus ist im Alltag angekommen. Das habe ich gemerkt, als mir kürzlich jemand ungefragt seine rassistische Gesinnung offenbart hat. „Eine derartige Einstellung ist schlimm genug, aber man sollte es unterlassen, andere mit einer solchen Meinung zu belästigen“, betont er.

Markus Evert (42), der von Annika und Gabriel Mößmer von der Mitmach-Aktion erfahren hat, berichtet, dass er mit beiden schon in Saarbrücken auf Demonstrationen gegen Rechts gewesen sei und auch diese Initiative sofort als sehr sinnvoll erachtet habe: „Der Rechtsruck ist immer stärker zu spüren, die Gesellschaft verroht zusehends. Da sollte das politische Engagement jedes Einzelnen nicht nur darin bestehen, alle vier Jahre ein Kreuzchen zu machen. Ich möchte mich für die Zukunft der Kinder einsetzen und auch im Sinne des sozialen Gedankens für Schwächere einstehen“, bekräftigt er und fügt hinzu, dass ein AfD-Verbot notwendig sei, aber nur der erste Schritt sein könne. (tog/hek/pjl)