Unbekannte öffnen geflickten Zaun des Stahnsdorfer Südwestkirchhofs erneut
Unbekannte haben den Zaun des Südwestkirchhofs in Stahnsdorf aufgeschnitten und Wildschweine auf das Gelände gelockt. Sie durchwühlen nun Grabfelder. Der geflickte Zaun wurde nun erneut geöffnet.
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Wildschweine durchwühlen Grabfelder
Unbekannte öffnen geflickten Zaun des Stahnsdorfer Südwestkirchhofs erneut
- Unbekannte haben Zaun des Südwestkirchhofs in Stahnsdorf an 18 Stellen aufgeschnitten und Lockstoffe für Wildschweine ausgelegt
- Von Gärtnern geschlossene Löcher wurden erneut geöffnet, wiederkehrende Beschädigungen seien "ernsthafte Belastung"
- Wildschweine durchwühlen nun die Grabfelder - Polizei ermittelt, schnelle Lösung des Problems nicht in Sicht
Auf dem Südwestkirchhof in Stahnsdorf (Potsdam-Mittelmark) ist der reparierte Zaun erneut beschädigt worden. Das bestätigte die Friedhofsverwaltung. "Täglich werden frisch instand gesetzte Schadstellen vorsätzlich erneut geöffnet", erklärte Friedhofsverwalter Olaf Ihlefeldt der Deutschen Presse-Agentur.
Hintergrund: Vergangene Woche wurde bekannt, dass Unbekannte den Zaun beschädigten und Lockstoffe für Wildschweine an Bäumen angebracht haben. Der oder die Täter schnitten den Zaun Ihlefeldt zufolge an 18 Stellen auf. Seitdem sei das Team des Friedhofs ununterbrochen mit Reparaturen am Zaun beschäftigt, erklärte Ihlefeldt. Die geschlossenen Löcher seien an verschiedenen Stellen aber wieder aufgemacht worden. Das sei schon ein "heimtückisches" Vorgehen. "Das macht uns gerade viel Ärger", so der Friedhofsverwalter. Die wiederkehrenden Beschädigungen seien inzwischen eine "ernsthafte Belastung".
Wildschweine durchwühlen Grabfelder
Durch die Löcher kommen und kamen Wildschweine, die in der Region im Berliner Speckgürtel seit Jahren durch Wohngebiete streifen und große Probleme machen, auf das Gelände. Mittlerweile durchwühlen sie auf dem Waldfriedhof der evangelischen Kirche auch Grabfelder.
Auf dem Areal gab es immer mal wieder Vorfälle mit Wildschweinen. Daher ist der Friedhof heute mehrfach abgesichert: Neben einem vier Kilometer langen Maschendrahtzaun gibt es einen in den Boden eingelassenen Kunststoffschutz. Zusätzlich wurden Baustahlmatten eingegraben und mit Stacheldraht bestückt. So konnte das 206 Hektar große Areal in den vergangenen Jahren weitgehend geschützt werden.
Friedhof war sechs Jahre frei von Wildschweinen
Sechs Jahre sei der Friedhof dank des starken Zauns frei von Wildschweinen gewesen. Nun seien die Verwüstungen durch Schwarzwild jeden Tag aufs Neue sichtbar. Die kräftezehrende Arbeit des kleinen Gärtnerteams, das Kulturdenkmal zu schützen, sei mit voller Absicht zunichtegemacht worden, sagte Ihlefeldt.
Wie hoch der finanzielle Schaden jetzt ist, kann die Kirche bislang nicht sagen. Aber es hat auch emotionale Folgen, wenn Menschen vor aufgewühlten Gräbern stehen und die Totenruhe gestört wird, wie Ihlefeldt schilderte. Hinweise darauf, wer dahintersteckt und was die Motive sind, gebe es bislang nicht. Die Polizei ermittelt. Mittlerweile hat auch die Gemeinde Stahnsdorf dazu aufgerufen, Hinweise zu melden.
Bejagung der Tiere geplant
Eine schnelle Lösung sieht der Friedhofsverwalter nicht. Die Wildschweine werden jetzt Monate oder Jahre wieder auf dem Areal sein, wie der gelernte Gärtner Ihlefeldt sagte. "Das wird uns noch lange verfolgen." Geplant ist aber eine Bejagung der Tiere, sobald ein Antrag für eine Ausnahmegenehmigung dazu bewilligt ist.
Gefahren für die Besucher sieht der Friedhofschef, der auf dem Gelände auch wohnt, aber nicht. "Für Leib und Leben sind die Wildschweine keine Gefahr, wenn man sie nicht bedroht." Zudem sind die Tiere vor allem nachts aktiv. Hunde seien aber unbedingt an der Leine zu führen.
Von Wildschweinen umgegrabener Garten in Kleinmachnow
Südwestkirchhof im Jahr 1909 eröffnet
Der Friedhof in Stahnsdorf mit 206 Hektar Fläche gilt als zweitgrößter in Deutschland - nach dem Friedhof in Hamburg-Ohlsdorf - und zieht als Denkmal der Bestattungskunst auch Touristen an. Bedeutende Schauspieler, Sänger und andere Künstler sind dort beigesetzt. Manfred Krug und Dieter Thomas Heck gehören unter anderen dazu, aber auch der Erfinder und Ingenieur Werner von Siemens.
1909 wurde der Südwestkirchhof eröffnet.
Sendung: rbb|24, 16.09.2026, 13:49 Uhr
Audio: rbb|24, 16.09.2026, Sebastian Hampf
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