Kommentar: "Strategischer Durchbruch" für die AfD
Mit Tobias Rausch stellt die AfD in Sachsen-Anhalt jetzt erstmals einen Landtagspräsidenten. Das sei ein "strategischer Durchbruch" für die Partei – kommentiert MDR-Chefredaktuerin Christin Bohmann.
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Kommentar
Stand: 06.10.2026 21:15 Uhr
Mit Tobias Rausch stellt die AfD in Sachsen-Anhalt jetzt erstmals einen Landtagspräsidenten. Das sei ein "strategischer Durchbruch" für die Partei – kommentiert MDR-Chefredaktuerin Christin Bohmann.
von Christin Bohmann, MDR AKTUELL
Für die AfD ist die heutige Wahl im Landtag von Sachsen-Anhalt ein strategischer Durchbruch: Ihr ist nicht nur der historische Schritt gelungen, das protokollarisch höchste Amt im Bundesland zu besetzen. Sie hat ihren Machtanspruch mit einer zweiten, höchst umstrittenen Personalie zementiert und frohlockt damit für eine anstehende Ministerpräsidentenwahl.
Spätestens seit diesem Herbst lässt sich in Teilen von Deutschland beobachten, wie Stück für Stück eine rechtsextreme Partei an Macht in der parlamentarischen Demokratie gewinnt.
CDU bringt sich in eine desolate Situation
Die AfD hat gezeigt, dass sie in der Lage ist, Mehrheiten für ihre Kandidaten zu organisieren. Es ist noch kein Beweis, dass der nächste Schritt, die Wahl eines AfD-Ministerpräsidenten, auch gelingen wird.
Was jedoch klar wurde: Sicher ist nichts mehr. Noch-Ministerpräsident und neugewählter CDU-Fraktionschef Sven Schulze hatte vorher angekündigt, dass sich die 15 Abgeordneten seiner Fraktion enthalten werden. Am Ende waren es maximal fünf, die sich an diese Absprache gehalten haben. Bei der Wahl zum Vize ist die Lage noch unklarer. Damit bringt sich die CDU erneut in eine desolate Situation. Der Rückhalt für Schulze in der Fraktion ist dahin.
Die Unsicherheit, woher am Ende die Stimmen kommen, bringt die AfD ihrem Ziel ein Stück näher: die CDU zu zerreiben und nun auch erfolgreich die anderen Parteien vor sich herzutreiben.
Zeit zur Gewinnung von Überläufern
Ulrich Siegmund gewinnt weiter an Selbstbewusstsein. Bis zu einer möglichen Ministerpräsidentenwahl im Dezember bleibt genug Raum, Abweichler zu ermutigen, neue Bündnisse zu testen und womöglich Überläufer zu gewinnen.
Das war vielleicht die vorerst letzte Wegmarke, an der sich parlamentarische Mehrheiten gegen eine AfD-geführte Regierung hätten formieren können. Wer der Partei heute die entscheidenden Stimmen für eines der höchsten Staatsämter verschafft, wird morgen kaum überzeugend erklären können, warum er ihre Macht an anderer Stelle begrenzen will.
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