Streit und Beleidigungen: Ü-65-Disko-Reihe am Saarbrücker Osthafen nimmt unschönes Ende

Scharen von Seniorinnen und Senioren sind zu den Ü-65-Diskos des Vereins Sektor Heimat ins ehemalige Lagerhaus am Saarbrücker Osthafen geströmt. Doch jetzt ist erstmal Schluss. Die Macher des Vereins Sektor Heimat erklären, warum sie fürs Erste keine Senioren-Diskos mehr anbieten.

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Streit und Beleidigungen: Ü-65-Disko-Reihe am Saarbrücker Osthafen nimmt unschönes Ende

Streit und Beleidigungen Ü-65-Disko-Reihe am Saarbrücker Osthafen nimmt unschönes Ende

Saarbrücken · Scharen von Seniorinnen und Senioren sind zu den Ü-65-Diskos des Vereins Sektor Heimat ins ehemalige Lagerhaus am Saarbrücker Osthafen geströmt. Doch jetzt ist erstmal Schluss. Die Macher des Vereins Sektor Heimat erklären, warum sie fürs Erste keine Senioren-Diskos mehr anbieten.

12.10.2026 , 07:00 Uhr

 Bei Senioren sehr beliebt: die Disko am Osthafen.

Bei Senioren sehr beliebt: die Disko am Osthafen.

Foto: Dietmar Klostermann

Lieber zu „Satisfaction“ von den Rolling Stones ausflippen oder zu „Stayin’ Alive“ der Bee Gees schwofen? Mehr als sieben Minuten zu „Light My Fire“ von den Doors tanzen oder mit Boney M. in die „Rivers of Babylon“ eintauchen? Was nach einer Frage des Musikgeschmacks klingt, wurde beim Club65 am Saarbrücker Osthafen offenbar zunehmend zum Streitpunkt. Nach sechs Terminen legen die Veranstalter die Diskoreihe vorerst auf Eis.

Dabei hatte das Angebot des Vereins Sektor Heimat vielversprechend begonnen. Die Partys starteten bereits um 17 Uhr und endeten um 23 Uhr. Auf zwei Tanzflächen feierten Gäste in T-Shirts mit den Plattencovern ihrer Lieblingsbands, in Röhrenjeans, glitzernden Oberteilen oder Minis, die für den Abend aus den hintersten Ecken des Kleiderschranks geholt worden waren. Zeitweise herrschte Klassenfeten-Atmosphäre. Zu langsameren Stücken wurde auch eng umschlungen getanzt.

Wenn die musikalische Zeitreise zum Streitpunkt wird

Für zehn Euro Eintritt ging es zurück in die Jugendzeit. Doch für die DJs wurde es offenbar von Abend zu Abend schwieriger, die unterschiedlichen Erwartungen zu erfüllen. Rund um die Mischpulte bildeten sich kleine Gruppen. Gäste äußerten Musikwünsche – mitunter auch Forderungen. Nicht alle wurden erfüllt.

Ende September erhielten die Gäste, die sich in den E-Mail-Verteiler eingetragen hatten, eine Nachricht der Veranstalter: „Vorerst wird es keine weiteren Club65-Veranstaltungen geben.“

Das Kulturgut-Ost-Team um Janis Mudrich und Andreas Hoffmann begründete die Entscheidung mit den unterschiedlichen Ansprüchen des Publikums. „Eure Vorstellungen und Erwartungen sind so verschieden und teilweise so konträr zueinander, dass es uns schwer fällt, eine Veranstaltung für euch zu organisieren, die nicht in endlosen Diskussionen endet“, schrieben die Verantwortlichen.

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Foto: BeckerBredel

Veranstalter berichten von Beleidigungen

Die Reihe sei eine „Herzensangelegenheit“ gewesen, für die Mitarbeitenden aber auch mit Aufwand verbunden. Den Ausschlag für die Pause gab nach Darstellung der Veranstalter nicht allein der Streit über die Musik. „Wenn es dann leider vermehrt zu schwierigem Verhalten und Beleidigungen gegenüber genau diesen Mitarbeitenden kommt, dann fällt es uns schwer, das Ganze mit Spaß und Überzeugung weiterzuführen.“

Ganz aufgegeben haben die Verantwortlichen den Club65 nach eigenen Angaben noch nicht. Weitere Termine sind derzeit aber nicht geplant.

Sechs Partys seit Oktober 2025

Die erste Club65-Party fand am 17. Oktober 2025 statt. Insgesamt gab es sechs Termine. Entwickelt habe sich die Reihe aus dem Projekt „Intergeneration – Jung und Alt am Osthafen“, erklärte das Osthafen-Team auf SZ-Anfrage. Dieses richtete sich 2025 acht Monate lang an Menschen zwischen 65 und 99 Jahren. Im Sommer gehörte auch ein DJ-Workshop zum Programm. 2026 wurde „Intergeneration“ mit einer neuen, jüngeren Zielgruppe fortgesetzt.

Im Laufe des Projekts habe sich gezeigt, dass ältere Menschen einen echten Bedarf an einem solchen Tanzabend hätten. „Der Club65 wurde als offenes Angebot konzipiert, das Menschen ab 65 und alle anderen Generationen zusammenbringt“, betonten die Veranstalter.

Wie viele Gäste die sechs Partys insgesamt besuchten, wollte der Verein Sektor Heimat nicht mitteilen. „Es war eine gut besuchte Veranstaltungsreihe“, lautete die Antwort.

Ehrenamtliches Engagement

Auch zu den Einnahmen machten die Verantwortlichen keine konkreten Angaben. „Wirtschaftlichkeit stand beim Club65 nie an erster Stelle. Wie auch bei vielen anderen Projekten des Sektor Heimat entstand die Reihe aus Leidenschaft für das Projekt und nicht aus einer Einnahmeerwartung“, erklärte die Geschäftsführung.

Zu Beginn sei der Eintritt freiwillig gewesen. Einnahmen und Ausgaben hätten sich dank des hohen ehrenamtlichen Engagements der Mitarbeitenden die Waage gehalten. Zuschüsse von der Landesregierung oder der Stadt Saarbrücken habe es nicht gegeben.

Die Gäste des Club65 seien weiterhin eingeladen, andere Veranstaltungen am Osthafen zu besuchen, betonte das Team. Viele täten dies ohnehin bereits. Für die Diskoreihe selbst bleibt es vorerst bei der Pause. Die Verantwortlichen formulierten ihre Schlussfolgerung deutlich: In diesem Fall heiße es leider „Selbst schuld!“. (jöwcim)