Stromkabel und Grabsteine in Gefahr, Keller befallen: Invasive Ameisenart breitet sich in Bayern aus

Die Große Drüsenameise breitet sich in Aschaffenburg, Hösbach und Nürnberg aus. Die invasive Art richtet erhebliche Schäden an – Kommunen kämpfen mit heißem Wasser und Fachfirmen gegen die Plage.

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Stromkabel und Grabsteine in Gefahr, Keller befallen: Invasive Ameisenart breitet sich in Bayern aus

Stand: 20.07.2026, 18:07 Uhr

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Die Große Drüsenameise breitet sich in Aschaffenburg, Hösbach und Nürnberg aus. Die invasive Art richtet erhebliche Schäden an – Kommunen kämpfen mit heißem Wasser und Fachfirmen gegen die Plage.

Aschaffenburg/Nürnberg – Immer wieder breiten sich invasive Insektenarten in Deutschland aus – derzeit sorgt etwa der Eichenprozessionsspinner immer wieder für Schlagzeilen. Nun rückt eine andere Art in den Fokus: die Große Drüsenameise (Tapinoma magnum). Sie breitet sich inzwischen in mehreren fränkischen Städten aus und richtet dabei teils erhebliche Schäden an. Die ursprünglich aus dem Mittelmeerraum stammende Ameise unterhöhlt Mauern, gefährdet Gräber und verdrängt heimische Insektenarten. Nachweise gibt es unter anderem in Aschaffenburg, Hösbach und Nürnberg.

Ameisen

Die als invasiv geltende Ameisenart Tapinoma magnum breitet sich bundesweit aus. (Archivbild) © Uli Deck/dpa

Große Drüsenameise: Wie kommt die invasive Art nach Bayern?

Das Landesamt für Umwelt (LfU) erklärt, dass die Art vor allem über importierte Pflanzen eingeschleppt und anschließend durch Erdtransporte weiterverbreitet wird. Kein Wunder also, dass sie häufig in der Nähe von Gartencentern, Baumschulen und Industriegebieten auftaucht. Bevorzugte Lebensräume sind vom Menschen geprägte Flächen: Straßenränder, Parkplätze, Parks und Friedhöfe. Bundesweit sind besonders Rheinland-Pfalz, Hessen und Baden-Württemberg betroffen. In Kehl am Rhein musste 2025 ein Kinderspielplatz wegen der Ameisenplage gesperrt werden – es kam sogar zu Strom- und Internetausfällen.

In Bayern tauchte die Große Drüsenameise erstmals 2024 auf – auf einem Friedhof in Markt Hösbach im Landkreis Aschaffenburg sowie in Nürnberg, unter anderem im Bereich des im Bau befindlichen neuen Campus der Technischen Universität, wie das LfU mitteilt. Die Gemeinde Hösbach reagierte zunächst zurückhaltend. „Aufgrund der Tatsache, dass wir eine pestizidfreie Kommune sind und Ameisen grundsätzlich überall vorkommen, haben wir zunächst nicht weiter reagiert“, erklärt eine Gemeindesprecherin. Als das Ausmaß 2025 zunahm, zog der Bauhof einen Schädlingsbekämpfer hinzu – der Verdacht auf die Tapinoma magnum bestätigte sich.

Die Große Drüsenameise

Die Große Drüsenameise ist meist zwei bis vier Millimeter groß und gibt bei Bedrohung einen intensiven Duftstoff ab – laut Nabu riecht ihr Verteidigungssekret nach Blauschimmelkäse. Sie hat eine dunkle Farbe, matt schwarz oder braun, nicht glänzend. Erkennungszeichen sind breite Ameisenstraßen sowie auffällige Sand- oder Erdhügel rund um die Nestöffnungen. Wird ein Nest gestört, erscheinen innerhalb von Sekunden Hunderte Tiere. Quelle: nabu-naturgucker.de

Mauern unterhöhlt, Keller befallen: Das Schadpotenzial ist erheblich

Auf dem Hösbacher Friedhof gruben sich die Ameisen mit ihren Gängen unter eine Natursteinmauer. Auch Gräber sind betroffen. Bislang sei noch kein Grabstein umgekippt – das wäre laut Gemeindesprecherin der „worst case“. Inzwischen melden sich auch Privatpersonen: Bei einem Wohnhaus sei die Ameisenart in den Keller eingedrungen und habe dort Schäden verursacht.

Zur Bekämpfung setzt der Bauhof Hösbach auf heißes Wasser. Dafür wurde eigens ein Heißwassergerät angeschafft und das Personal entsprechend geschult. Vom eigenständigen Einsatz von Insektiziden raten Experten ausdrücklich ab: Diese könnten das Grundwasser belasten, Nützlinge schädigen und in Innenräumen die Gesundheit gefährden. Chemische Mittel sollten ausschließlich von lizenzierten Schädlingsbekämpfern eingesetzt werden, so das LfU.

Nürnberg und Aschaffenburg: Städte suchen koordinierte Lösungen

In Nürnberg wurde die Tapinoma magnum 2024 auf privaten Grundstücken im Stadtgebiet Süd entdeckt. Nach einer Pause 2025 gibt es 2026 erneut Meldungen – diesmal aus einem privaten Garten. Eine Stadtsprecherin betont, dass bislang vor allem ökologische Schäden entstanden seien: „Die Art verdrängt in dem von ihr besiedelten Gebiet großflächig andere Insekten.“

In Aschaffenburg wurde der Befall seit dem vergangenen Sommer offiziell bestätigt – zunächst im Stadtteil Leider, dann auch in Damm, Nilkheim und der Österreicher Kolonie. Die Stadt gründete daraufhin eine Arbeitsgruppe, die im September erstmals zusammenkam. Da erste Bekämpfungsversuche wenig fruchteten, wurde inzwischen eine Fachfirma aus Darmstadt beauftragt. Eine rein städtische Lösung reiche jedoch nicht aus, betont die Stadtsprecherin: Nur ein abgestimmtes Vorgehen auf öffentlichen und privaten Flächen könne die Ausbreitung wirksam stoppen. Grundstückseigentümer, bei denen ein Befall vermutet wird, werden daher gezielt angesprochen und gebeten, selbst aktiv zu werden.

Was Gartenbesitzer jetzt tun können

Das LfU empfiehlt, im Gartenbau auf heimische Pflanzenarten zu setzen. Das senke das Risiko, invasive Arten einzuschleppen, und stärke die einheimische Artenvielfalt. Auch bei Bauarbeiten in befallenen Gebieten ist Vorsicht geboten: Erdtransporte können die Ameise in bislang unberührte Bereiche verschleppen. (Quellen: dpa, nabu-naturgucker.de), (leo)