Atomwaffen: Südkorea geht auf Kim Jong-un zu – doch der lehnt brüsk ab
KI-Stimme. InfoLee Jae-myung erlebt gerade nicht seine einfachsten Tage. Anfang der Woche lud seine Regierung in Seoul den Botschafter aus der Ukraine vor. Denn Wolodymyr Selenskyj, Präsident der Ukraine, hatte...
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KI-Stimme. Info
Lee Jae-myung erlebt gerade nicht seine einfachsten Tage. Anfang der Woche lud seine Regierung in Seoul den Botschafter aus der Ukraine vor. Denn Wolodymyr Selenskyj, Präsident der Ukraine, hatte wenige Tage zuvor öffentlich erklärt, man habe Kriegsgefangene aus Nordkorea – die in Russlands Angriffskrieg gegen die Ukraine für Russland gekämpft haben – nach Südkorea überstellt. In Seoul sieht man darin Geheimnisverrat. Südkoreas Präsident Lee verlangt nun eine Entschuldigung.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion
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Für kaum ein Regierungsoberhaupt ist das Engagement im Ukraine-Krieg so delikat wie für Lee: Zwar fühlt sich Seoul der liberalen Welt verbunden, profitiert auch von der aus dem Krieg folgenden Aufrüstung Europas, da Südkoreas Rüstungsindustrie Gerät an EU-Staaten verkauft. Doch strebt Lee auch Austausch mit dem verfeindeten Bruderstaat Nordkorea an, der in diesem Krieg an Russlands Seite steht. Dafür liefert Seoul keine Waffen an die Ukraine, will Kriegsgefangene aus dem Norden eher heimlich empfangen.
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Als Lee Jae-myung im Juni 2025 zu Südkoreas Präsident gewählt wurde, hatte er dies auch mit dem Versprechen einer neuen Verständigungspolitik mit Nordkorea erreicht. Eine Politik der ausgestreckten Hand erschien sinnvoll. Nur hat sich Nordkorea seither kaum interessiert gezeigt, irgendeine Hand aus dem Süden zu schütteln. Stattdessen wurde Südkorea offiziell als „feindlicher Staat“ betitelt.
Die letzten Tage kam es aus Lees Sicht noch schlimmer: Der „New York Times“ hatte er gesagt, den bisher verfolgten Ansatz, bei möglichen Gesprächen mit Nordkorea auf ein Ende dessen Atomprogramms zu pochen, solle man fallen lassen. Stattdessen müsse man an einem bloßen Stopp weiterer Aufrüstung arbeiten. Tage später erklärte der Vize-Außenminister Nordkoreas vor den Vereinten Nationen: „Unter keinen Umständen“ werde Nordkorea auf seine Atomwaffen verzichten.
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Nordkorea: Regime entwickelte spezielle Lebensversicherung
Innenpolitisch bringt ihn dieser Kurs allmählich in Bedrängnis. Zwar wünscht sich Lees liberale und linke Stammwählerschaft Austausch mit dem Norden. Aber indem aus dem hart kommunistischen Pjöngjang kein Zeichen der Bereitschaft zu Gesprächen zu vernehmen ist, steht Seoul fast unbeholfen da. Lees Popularitätswerte sind niedrig, kaum 38 Prozent sind zufrieden mit ihm.
Totgesagt wurde das Regime aus Pjöngjang immer wieder. Doch das Regime hat mit seinen Atomwaffen eine besondere Art der Lebensversicherung entwickelt. Über die Jahrzehnte wurde die atomare Aufrüstung international geächtet. Seit 2017 gelten für Nordkorea auch so schwere UN-Handelssanktionen, dass der meiste Warenaustausch verboten ist. Der Gedanke dahinter: Nordkorea solle zur Denuklearisierung gezwungen werden. Doch gelungen ist das bis jetzt nicht einmal im Ansatz.
Inzwischen hat sich die Lage aus nordkoreanischer Sicht so gut entwickelt, dass man weitere Kontakte zu Washington oder Seoul schlicht nicht nötig hat. Heute hat Nordkorea in Russland einen Partnerstaat, von dem es im Gegenzug für Waffen und Soldaten im Ukraine-Krieg Wirtschaftshilfen erhält.