News am Morgen - Nachrichten vom 13. Oktober 2026
Widerstrebt es Ihnen auch jedes Mal, wenn jemand als „authentisch“ gerühmt wird? Mir geht es jedenfalls so. Und trotzdem: Wenn es eine Politikerin gibt, die tatsächlich besonders authentisch wirkt, dann ist es ...
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Widerstrebt es Ihnen auch jedes Mal, wenn jemand als „authentisch“ gerühmt wird? Mir geht es jedenfalls so. Und trotzdem: Wenn es eine Politikerin gibt, die tatsächlich besonders authentisch wirkt, dann ist es Bärbel Bas. Man nimmt ihr ab, dass sie das, was sie sagt, in der Regel auch tatsächlich meint. Selbst dann, wenn man es inhaltlich selbst ablehnt. Bas wirkt unverstellt, dabei hilft eine gewisse Duisburger Direktheit. Das gilt auch für ihren Rücktritt am gestrigen Montag. Die Erklärung, dass es dabei sowohl um Trauer um ihre verstorbene Stieftochter ging als auch um Angriffe auf Bas von außen, ist so bitter wie glaubwürdig.
„Hinter all diesen Ämtern stehen am Ende Menschen“, sagte Lars Klingbeil. Und so banal das klingt: Er hat natürlich recht damit, dass häufig vergessen wird, dass auch Politiker Menschen sind. Sagen Sie das etwa mal den Leuten, die Friedrich Merz, Elif Eralp, Jens Spahn oder eben Bärbel Bas aus ganzem Herzen hassen und auf Social Media gnadenlos beschimpfen! Mein Kollege Nils Minkmar findet, Gesellschaft und Wirtschaft hätten sich verändert im Umgang mit Notlagen oder seelischen Krisen. Die Politik nicht. „Kommt raus, dass wer eine Krise hat, ist der Mensch erledigt“, schreibt er. Nur: Wer soll dann diesen Höllenjob dann noch machen?
Einer, der das will, ist Alexander Schweitzer. Er soll neuer Arbeitsminister werden, nachdem er nicht mehr Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz ist. Was er kann: nah bei den Leuten sein. „Schon als Ministerpräsident war ihm kein Dorffest zu klein“, schreibt meine Kollegin Kathrin Wiesel-Lancé. Was ihm vermutlich schwerfallen wird: Die Reformen, die die Koalition eigentlich plant, vollumfänglich zu unterstützen und mit umzusetzen. So ist er zum Beispiel ein erklärter Freund der sogenannten Rente mit 63.
Man könnte sagen: Das wird spannend. Oder man sieht es wie meine Kollegin Henrike Roßbach, die sich um die Zukunft der Regierungskoalition sorgt: „Bei allem Verständnis für menschliche Enttäuschungen, für Trauer und solidarische Empörung: Ist all das, was sich am Montag besichtigen ließ, wirklich zu Ende gedacht worden? Und wenn ja: bis zu welchem Ende?“
Bundesregierung
Nach Bas‘ Rücktritt: Klingbeil warnt Merz SPD-Chef und Vizekanzler. Klingbeil will die nach dem Rücktritt seiner Co-Vorsitzenden und Arbeitsministerin Bas die gesamte SPD-Spitze neu wählen lassen. Seine Kritik am Umgang mit Bas bezieht sich auch auf den Führungsstil von Friedrich Merz. Das Verhältnis zwischen Vizekanzler und Kanzler gilt seit Monaten als belastet. Zum Artikel
- Bundesregierung: Merz wehrt sich gegen SPD-Vorwürfe
- MEINUNG Debatte: Druck auf Spitzenpolitiker: Wollen Sie so leben?
Designierter SPD-Minister Schweitzer könnte Rentenreform verzögern. Alexander Schweitzer übernimmt heikle Reformvorhaben von Bärbel Bas. Insbesondere bei der Rentenreform dürfte er auf Änderungen bestehen. Jetzt werde die Koalition sich die „nötige Zeit“ nehmen müssen, sagte ein Regierungssprecher. Der Überblick über die Reformvorhaben. Zum Artikel
- Newsblog zur Bundesregierung: Klingbeil und Söder bekennen sich zu Rentenreform – mit unterschiedlichem Tempo
Was heute wichtig ist
Sachsen-Anhalt: CDU-Abgeordnete sollen bei Ministerpräsidentenwahl Saal verlassen. Seit der Landtagspräsidentenwahl in Sachsen-Anhalt sieht sich die Landes-CDU Vorwürfen ausgesetzt, für den AfD-Kandidaten Tobias Rausch gestimmt zu haben. Jetzt schlägt der geschäftsführende Vorstand der CDU-Landtagsfraktion ein ungewöhnliches Vorgehen vor: Die Abgeordneten sollen während der geplanten Ministerpräsidentenwahl im Dezember den Saal verlassen und so möglichen Vorwürfen aus dem Weg gehen. Zum Newsblog zu den Landtagswahlen
- Interview mit Isabella Weber: „Die AfD tritt die Interessen der Menschen mit Füßen“
- MEINUNG AfD will „kulturfremde“ Menschen loswerden: Wie viel haben ihre Ideologen kulturell auf Lager?
Die Weltwirtschaft trotzt den Schocks. Der Internationale Währungsfonds rechnet mit einem robusten globalen Wachstum, weil viele Staaten die Verwerfungen durch den Iran-Krieg gut kompensiert haben. Für Deutschland rechnen die Fonds-Ökonomen jetzt mit einem Wachstum von 1,3 Prozent. Ganz geheuer ist den Ökonomen die vermeintlich stabile Lage aber selbst nicht. Die Ballung der Probleme der vergangenen Jahre sei einmalig. Zum Artikel
Mehrere Fluglinien streichen Verbindungen nach Saudi-Arabien. Grund sind die Angriffe und Drohungen der jemenitischen Huthi-Miliz gegen Saudi-Arabien. Bundeswirtschaftsministerin Reiche konnte Rückreise antreten. Zum Newsblog zum Krieg in Nahost
- MEINUNG Naher Osten: Die Stärke der Huthi sind nicht ihre Waffen. Es ist ihre Leidensfähigkeit
Staatsanwaltschaft beschlagnahmt Podcastaufnahmen der „Zeit“ zum Block-Prozess. Das Gericht hält die Tonaufnahmen für potenzielle Beweise im Entführungsfall Block. Die Chefredaktion der Wochenzeitung spricht von einem „Angriff auf die Pressefreiheit“. Zum Artikel
EXKLUSIV Demokratieprojekt: Löste politische Kritik den Förderstopp aus? Das Demokratieprojekt „Radikale Töchter“ kritisierte Kanzler Merz – und verlor plötzlich sicher geglaubte Fördermittel. Nun landet der Streit vor Gericht: Interne E-Mails der Behörden erhärten den Verdacht, es könnte sich um eine politische Entscheidung handeln. Zum Artikel
Weitere wichtige Themen
- Politikerin der Demokraten spricht von Einschüchterung: Hausdurchsuchung bei Ilhan Omar
- Polen: Anschläge versetzen Polen in Angst
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Dossier Digitalwende: Fratzscher fordert Staatseigentum an KI-Konzernen. DIW-Präsident Marcel Fratzscher sieht den Wettlauf um immer leistungsfähigere KI-Modelle als Ursache der Risiken von KI. Im Interview mit SZ Dossier fordert er, dass der Staat als Mehrheitseigentümer die Kontrolle über große KI-Unternehmen übernimmt. Regulierung allein reiche nicht. Auch wichtig: Union und SPD wollen das Gesetz für die digitale Brieftasche an mehreren Stellen ändern. Zum Briefing
Dossier Geoökonomie: Asien-Expertin: „Europa braucht glaubwürdige Verhandlungsmacht“. China hat im Handelsstreit zumindest bei Hybridautos eingelenkt und lockert sogar die Exportkontrollen für Seltene Erden. Die Asien-Expertin Anna-Lena Schütte warnt allerdings: Das kann nur der Anfang sein. Denn die Abhängigkeit bleibt. Die EU brauche vor allem die konsequente Umsetzung von Handelsschutzinstrumenten, um von China ernst genommen zu werden.