Tempo im Blick: Ottobrunn steigt in die Überwachung des fließenden Verkehrs ein

Die Gemeinde Ottobrunn überträgt die Geschwindigkeitskontrolle an einen Zweckverband. Die Stundenkosten betragen 100 Euro – ob das Geld kostet oder einbringt, hängt von den Verstößen ab.

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Tempo im Blick: Ottobrunn steigt in die Überwachung des fließenden Verkehrs ein

Stand: 24.09.2026, 07:30 Uhr

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Die Rosenheimer Landstraße gehört zu den großen Verkehrsachsen Ottobrunns. Künftig kann die Gemeinde dort wie auch an anderen Stellen kommunale Geschwindigkeitskontrollen veranlassen.

Die Rosenheimer Landstraße gehört zu den großen Verkehrsachsen Ottobrunns. Künftig kann die Gemeinde dort wie auch an anderen Stellen kommunale Geschwindigkeitskontrollen veranlassen. © Horst Mühl

Die Gemeinde Ottobrunn überträgt die Geschwindigkeitskontrolle an einen Zweckverband. Die Stundenkosten betragen 100 Euro – ob das Geld kostet oder einbringt, hängt von den Verstößen ab.

Ottobrunn – Hoppla, ein Blitzer: Der ein oder andere Autofahrer dürfte in Bälde eine böse Überraschung in Ottobrunn erleben, wenn er zu schnell unterwegs ist. Denn künftig lässt die Gemeinde zusätzlich zur Polizei Temposünder kontrollieren. Die Mitglieder des Hauptausschusses haben einstimmig beschlossen, die Überwachung des fließenden Verkehrs auf den Zweckverband Kommunale Dienste Oberland zu übertragen. Bürgermeister Florian Schardt (SPD) schlug vor, zunächst monatlich 60 Stunden für Geschwindigkeitskontrollen zu buchen.

Mit dem Zweckverband arbeitet die Gemeinde bereits bei der Überwachung des ruhenden Verkehrs zusammen. Das schickte Geschäftsführer Benjamin Bursic bei seiner Konzeptvorstellung voraus. Er legte dar, wie Geschwindigkeitskontrollen organisiert werden können. Der Zweckverband betreut nach eigenen Angaben mehr als 170 Kommunen und hat „für den fließenden Verkehr unter anderem rund 20 Messfahrzeuge und 20 teilstationäre Messanhänger“ zur Verfügung.

Für Mitgliedskommunen kostet eine mobile Überwachungsstunde derzeit 100 Euro, hinzu kommen vier Euro für jeden bearbeiteten Fall. Bei den vorgesehenen 60 Stunden im Monat fallen damit zunächst 72.000 Euro reine Stundenkosten im Jahr an. Dem stehen allerdings die Einnahmen aus Verwarnungs- und Bußgeldern gegenüber. Ob die Verkehrsüberwachung für Ottobrunn unterm Strich Geld kostet oder Einnahmen bringt, hängt also davon ab, wie viele Verstöße festgestellt werden. Außerdem sieht das Vertragswerk vor, dass sich die Kosten durch Rückvergütungen nachträglich verringern können. Für das Jahr 2025 nannte Bursic nach einer solchen Rückvergütung einen tatsächlichen Preis von 63 Euro je Stunde.

Zum Einsatz kommen neben den mobilen Messfahrzeugen grundsätzlich auch feste Anlagen und teilstationäre Messanhänger. Die Anhänger können mehrere Tage rund um die Uhr an einer Stelle bleiben und werden nicht auf das von einer Kommune gebuchte Stundenkontingent angerechnet. Bursic: „Bei rund 20 Anlagen für die angeschlossenen Gemeinden ist als Größenordnung etwa ein Einsatz pro Quartal möglich.“

Die Einnahmen werden je nach Messmethode unterschiedlich behandelt. Bei der mobilen Geschwindigkeitsüberwachung erhält die Gemeinde sämtliche Verwarnungs- und Bußgelder. Die Einnahmen der teilstationären Anlagen bekommt dagegen der Zweckverband. Etwaige Überschüsse daraus fließen in das gemeinsame System und werden genutzt, um die Preise für die beteiligten Kommunen nachträglich zu senken.

Wo kontrolliert wird, legt der Zweckverband nicht ganz alleine fest. Die Messstellen werden von Gemeinde, Polizei und Zweckverband gemeinsam bestimmt. Die Vertreter des Zweckverbands stellten zugleich klar, dass die Verkehrsüberwachung nicht dazu dienen dürfe, möglichst hohe Einnahmen zu erzielen. Dass Kontrollen Wirkung zeigen können, belegte er mit Zahlen aus dem Verbandsgebiet: Zu Beginn der Tätigkeit 2007 seien im Schnitt noch mehr als 26 Verstöße je Messstunde registriert worden, inzwischen liege der Wert bei rund 6,1 deutlich niedriger.

In der Diskussion ging es auch um die konkreten Probleme vor Ort. CSU-Gemeinderat Johannes Wudy wies darauf hin, dass es in Ottobrunn auffällige Standorte gebe. „Wir haben hier in der Gemeinde gewisse Stellen, wo Belästigungen für die Bewohner auftreten, wo auch Verkehrsverstöße da sind.“

Zum Schluss wollte Ariane Wißmeier-Unverricht (SPD) noch wissen, wer im Rathaus im Vorfeld über die Standorte der Blitzer Bescheid bekommt. „Herr Knispel wäre der richtige Mann“, hieß es mit Blick auf Maximilian Knispel, der im Rathaus die Verkehrsüberwachung betreut. Aber auch Bürgermeister Schardt dürfte kaum in die Blitzerfalle tappen. Das würde er ohnehin wohl nicht, da er sich bestimmt wie alle Übrigen im Sitzungssaal immer ans Tempolimit hält.