Teufelsrad-Figuren umgestaltet: Das sagen die tz-Leser zur Debatte – „Aufwachen, Leute“
tzMünchenWiesnStand: 30.08.2026, 20:03 UhrKommentareUns auf Google folgenZüchtiger nach der Umgestaltung: So sehen die Figuren am Fahrgeschäft Teufelsrad jetzt aus. © Klaus HaagDie Stadt München ließ 80 Jahre a...
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Stand: 30.08.2026, 20:03 Uhr
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Die Stadt München ließ 80 Jahre alte Pappmaché-Figuren am Teufelsrad verhüllen. Unsere Leser halten das für überzogen.
München – Beim traditionsreichen Teufelsrad auf der Wiesn dreht sich gerade alles um rund 80 Jahre alte Pappmaché-Puppen – und die Frage, wie viel Haut sie zeigen dürfen. Wie die tz zuerst berichtete, regte die Gleichstellungsstelle für Frauen der Stadt die Betreiberin Elisabeth Polaczy dazu an, die Figuren zu ändern. Die Verwaltung befand, dass drei von vier Figuren zu freizügig seien – darunter eine barfüßige Hawaiianerin mit Blumenkette, die zudem rassistische Klischees bediene. Die Betreiberin ließ die Figuren übermalen, sodass weniger Haut zu sehen ist. Das sorgte für Wirbel.
Mittlerweile äußerten sich auch weitere Vertreter aus dem Rathaus und der Verwaltung. Münchens zweite Bürgermeisterin Mona Fuchs (Grüne) bezeichnete das Vorgehen als überzogen: „Ein Verhüllungsgebot für weibliche Figuren oder Darstellungen stellt keine Gleichstellung her und dient ihr aus meiner Sicht auch nicht.“ Wirtschaftsreferent und Wiesn-Chef Christian Scharpf (SPD) schreibt: „Solche Debatten können schnell den Eindruck erwecken, Politik und Verwaltung beschäftigten sich mit Dingen, für die viele Menschen wenig Verständnis haben.“
Leserinnen und Leser der tz haben dazu eine klare Meinung. Hier drucken wir einige der Zuschriften.
Gisela Stadler: „Was bereits seit über 80 Jahren, zu einer Zeit, die bedeutend prüder und zurückhaltender war als heute, auf dem Oktoberfest gezeigt wurde, das kann doch jetzt, Anfang des ach so aufgeklärten 21. Jahrhunderts, nicht ‚schädlich‘ sein. Diese sogenannten schlüpfrigen Darstellungen an den Pranger zu stellen, das ist zum Schämen. Aufwachen, Leute, es gibt Wichtigeres auf der Welt als die Figuren auf dem Teufelsrad.“
Friedrich Gerold: „Wo bleibt der gesunde Menschenverstand und das bayerische Leben und leben lassen? Hier wird wieder mal kräftig über das Ziel hinausgeschossen.“
Gerdi Rößner: „Wenn sich jetzt schon die Gleichstellungsstelle wegen zu ‚freizügigem‘ Aussehen 80-jähriger Pappmaché-Figuren einschaltet und eine Bekleidungsänderung anfordert, dann warte ich nur noch darauf, bis diese Stelle Bekleidungsregeln für den Wiesn-Besuch vorgibt.“
Alois Promper: „Vielleicht werden demnächst die nackten Damen auf den Gemälden alter Meister übermalt. Rubens dürfte dann wohl besonders schlechte Karten haben. Interessant wird es beim Blick auf unsere Gegenwart. Beim Christopher Street Day gehört es zur Freiheit und Selbstbestimmung, wenn Menschen ihren Körper teilweise oder sehr freizügig öffentlich zeigen. Das soll und muss die Gesellschaft selbstverständlich tolerieren. Auch junge Frauen, die im Sommer knapp bekleidet durch die Stadt gehen, sollen selbstverständlich selbstbestimmt über ihren Körper entscheiden dürfen. Nur bei einer 80 Jahre alten Pappmaché-Figur scheint die Selbstbestimmung plötzlich nicht mehr zu gelten. Natürlich verändern sich gesellschaftliche Vorstellungen. Was vor 80 Jahren als lustig oder harmlos galt, kann man heute durchaus kritisch betrachten. Darüber darf und soll man diskutieren. Aber muss deshalb gleich der Pinsel angesetzt werden?“
Thomas Englbrechtsmüller: „Wenn das die Probleme in unserer Stadt sind, dann gehen die Lichter irgendwann komplett aus. Vielleicht sollte man sich mal mit echten Problemen beschäftigen, wie Kinderbetreuung oder Verkehrsfluss für alle.“