Thomas Heidemann kandidiert als Samtgemeindebürgermeister: Seine Pläne für Barnstorf
Thomas Heidemann bewirbt sich um das Amt des Samtgemeindebürgermeisters in Barnstorf. Wie er mit den Herausforderungen der Samtgemeinde – fast neun Millionen Euro Schulden, demografischer Wandel und große Investitionen – umgehen möchte und wo er neue Einnahmequellen sieht, verrät er im Gespräch.
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Stand: 07.08.2026, 19:00 Uhr
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Thomas Heidemann bewirbt sich um das Amt des Samtgemeindebürgermeisters in Barnstorf. Wie er mit den Herausforderungen der Samtgemeinde – fast neun Millionen Euro Schulden, demografischer Wandel und große Investitionen – umgehen möchte und wo er neue Einnahmequellen sieht, verrät er im Gespräch.
Barnstorf/Drebber – „Eine echte politische und personelle Alternative bieten“: Mit diesem Anspruch bewirbt sich Thomas Heidemann um das Amt des Samtgemeindebürgermeisters. Der von Bündnis 90/Die Grünen einstimmig nominierte Steuerberater kandidiert bei der Kommunalwahl am 13. September und wird zudem von der Wählergemeinschaft Drebber (WGD) sowie der Wählergemeinschaft Samtgemeinde Barnstorf (WSB) unterstützt. Im Interview mit der Mediengruppe Kreiszeitung spricht er über seine Kandidatur und die Herausforderungen der kommenden Jahre.
Zur Person
Thomas Heidemann, geboren in Bad Harzburg, wuchs in Vechta auf und lebt seit 2018 mit seiner Ehefrau Anja Heidemann in Drebber. Der Diplom-Kaufmann ist seit 1997 Steuerberater, seit 2003 vereidigter Buchprüfer und seit 2002 selbstständig tätig. Gemeinsam mit seiner Ehefrau führt er die Heidemann & Kollegen GmbH Steuerberatungsgesellschaft in Vechta und Lemförde mit 14 Mitarbeitenden. Aus erster Ehe hat er eine Tochter.
Herr Heidemann, was ist Ihre Motivation für eine Kandidatur um das Amt des Samtgemeindebürgermeisters?
Ich möchte den Bürgerinnen und Bürgern eine echte politische und personelle Alternative bieten. Die Samtgemeinde steht vor großen finanziellen, demografischen und strukturellen Herausforderungen. Ich traue mir zu, gemeinsam mit Verwaltung, Räten und Bürgerschaft gute Lösungen zu entwickeln. Im Falle meiner Wahl wäre ich Bürgermeister für alle Menschen in Barnstorf, Drebber, Drentwede und Eydelstedt – unabhängig von ihrer Parteizugehörigkeit.
Macht die auf acht Jahre verlängerte Amtszeit das Bürgermeisteramt für Sie attraktiver?
Acht Jahre geben mehr Zeit, strategische Vorhaben nicht nur anzustoßen, sondern auch umzusetzen. Gerade bei Schulen, Feuerwehr, Digitalisierung, Klimaanpassung und Gemeindeentwicklung reichen fünf Jahre oft kaum aus. Im November werde ich 62 Jahre alt. Nach heutiger Rechtslage wäre dies für mich eine klar begrenzte Amtszeit, da ich danach wegen der Altersgrenze nicht erneut kandidieren könnte. Entscheidungen – auch unangenehme – könnte ich daher unabhängig von einer Wiederwahl treffen. Es reizt mich, meine berufliche Erfahrung noch einmal in einer neuen Verantwortung einzubringen.
Sie kandidieren zusätzlich für den Gemeinderat Drebber?
Ja, ich mache gerade das volle Programm: Nach meinem Umzug von Vechta nach Drebber 2018 und einer politischen Pause bin ich 2021 dem Ortsverband der Grünen beigetreten. Sollte es mit dem Amt des Samtgemeindebürgermeisters nicht klappen, möchte ich auf jeden Fall im Gemeinderat Drebber weitermachen.
Welche Kernkompetenzen bringen Sie mit, um die Samtgemeinde Barnstorf erfolgreich zu führen?
In meiner täglichen Arbeit geht es um solide Finanzen, verlässliche Entscheidungen, Personalverantwortung und darum, auch in schwierigen Situationen den Überblick zu behalten. Außerdem bin ich als Diplom-Kaufmann, Steuerberater und vereidigter Buchprüfer von Berufs wegen in der Lage, einen Haushalt richtig zu lesen.
Welche Ziele möchten Sie als Bürgermeister zuerst umsetzen?
Ich möchte Barnstorf grüner machen. Unsere Gemeinde muss sich auf die Folgen des Klimawandels vorbereiten. Für ein widerstandsfähigeres Barnstorf benötigen wir Maßnahmen wie Schwammstadt-Konzepte, mehr Versickerungsflächen, Entsiegelung, Baumpflanzungen sowie die Renaturierung und Wiedervernässung geeigneter Moorflächen. Bei neuen Bauvorhaben sollte Regenwasser möglichst vor Ort gehalten werden. Viele dieser Maßnahmen lassen sich mit geplanten Straßen-, Kanal- und Bauprojekten verbinden.
Was ist für Sie die größte Herausforderung einer ländlich geprägten Gemeinde wie Barnstorf?
Die größte Herausforderung ist, unsere Infrastruktur trotz älter werdender Bevölkerung, Fachkräftemangel und knapper Finanzen zukunftsfähig zu halten. Wir müssen Schulen, Betreuung, medizinische Versorgung und Mobilität sichern und gleichzeitig unsere Dörfer für junge Menschen und Familien attraktiv machen. Dafür brauchen wir mehr Zusammenarbeit und den Ausbau digitaler Angebote.
Wie kann die Samtgemeinde für junge Menschen attraktiv bleiben?
Gute Schulen und Kinderbetreuung sind eine Grundvoraussetzung. Der Neubau der Grundschule muss funktional, nachhaltig und im Kostenrahmen umgesetzt werden. Gleichzeitig brauchen wir bezahlbaren Wohnraum, Ausbildungs- und Arbeitsplätze, schnelles Internet, attraktive Freizeitangebote und bessere Mobilität.
Beim Wohnungsbau sollten Baulücken genutzt, Leerstände aktiviert und mehr kleinere Wohnungen geschaffen werden. Weitere Zersiedelung und Flächenversiegelung lehne ich ab. Junge Menschen müssen stärker und dauerhaft an kommunalen Entscheidungen beteiligt werden.
Was halten Sie von den Plänen einer Einheitsgemeinde?
Wir Grünen haben diese Diskussion angestoßen und halten eine ernsthafte Prüfung für sinnvoll. Eine Einheitsgemeinde kann Verwaltung bündeln, Doppelarbeit reduzieren und die gemeinsame Entwicklung stärken – Einsparungen sind jedoch nicht automatisch garantiert. Wichtig ist, die Mitsprache und Identität der Ortsteile zu sichern und Entscheidungen erst nach fundierter Prüfung sowie öffentlicher Diskussion zu treffen.
Barnstorf benötigt Neubürger und Fachkräfte?
Den demografischen Wandel können wir nicht aufhalten, aber wir können seine Folgen aktiv gestalten. Attraktive Kinderbetreuung, Schulen, Wohnraum, Mobilität und gute Arbeitsplätze machen unsere Region für Familien und Fachkräfte interessant.
Können angesichts von knapp neun Millionen Euro Schulden zum Jahresende Standards aufrechterhalten werden?
Die Entwicklung ist ernst und schränkt die künftigen Handlungsmöglichkeiten ein. Wir benötigen eine mehrjährige Finanz- und Investitionsplanung. Neben Anschaffungskosten müssen auch Folgekosten, Personal und Finanzierung berücksichtigt werden. Da nicht alles gleichzeitig finanzierbar ist, müssen Projekte gegebenenfalls angepasst, verschoben oder gestrichen werden. Fördermittel unterstützen, ersetzen aber keine solide Finanzierung.
Wo sehen Sie Einsparpotenzial?
Das größte Einsparpotenzial liegt oft in besseren Strukturen: professionelles Gebäude- und Energiemanagement, gemeinsame Beschaffung, digitale Verwaltung, vorausschauende Instandhaltung und mehr Zusammenarbeit der Gemeinden. Auch die Diskussion über eine Einheitsgemeinde gehört dazu. Bei Bädern, Bibliotheken oder Sportanlagen können Vereine, Sponsoren oder private Partner einbezogen werden – aber nicht automatisch als günstigere Lösung.
Wo sehen Sie Möglichkeiten, in Zukunft Einnahmen zu generieren?
Mein Ansatz wäre, so viel wie möglich aus den erneuerbaren Energien herauszuholen. Windkraftanlagen, Freiflächen-Photovoltaik und Batteriespeicher sollten so gestaltet werden, dass die betroffenen Gemeinden und möglichst auch die Bürgerinnen und Bürger finanziell profitieren. Seit 2021 erhalten Standortgemeinden bei Wind- und Solarunternehmen einen deutlich größeren Anteil der Gewerbesteuer: 90 Prozent werden nach der installierten Leistung und zehn Prozent nach den Arbeitslöhnen verteilt – sofern ein steuerpflichtiger Gewinn entsteht. Steuerberechtigt sind die Mitgliedsgemeinden, nicht die Samtgemeinde direkt. Starke Mitgliedsgemeinden stärken jedoch auch die Samtgemeinde. Zusätzlich profitieren Gemeinden durch Akzeptanzabgaben bei bestimmten Wind- und Freiflächen-PV-Anlagen sowie durch Pachteinnahmen, Beteiligungen und Bürgerenergieprojekte. Ziel ist, möglichst viel regionale Wertschöpfung zu sichern.
Die Ausweisung neuer Gewerbegebiete war bisher erfolgreich?
Die vorhandenen Gewerbeflächen im Flecken Barnstorf sind weitgehend belegt oder reserviert, weshalb grundsätzlich weitere Flächen benötigt werden. Einige konkrete Vorhaben zeigen die hohe Bedeutung einer sorgfältigen Prüfung vor dem Ankauf oder der Planung.
Das von der Gemeinde Drebber erworbene Grundstück „Poggenburg“ ist wegen der Emissionsbelastung bislang weder für Wohn- noch für Gewerbenutzung geeignet, was finanziell und planerisch unbefriedigend ist.
Beim „Alten Bahnhofsweg“ gibt es weiterhin Bedenken hinsichtlich Lkw-Verkehr, Emissionen und der Dimension des Vorhabens. Das Verfahren läuft noch. Für künftige Gewerbegebiete sind eine sorgfältige Standortprüfung sowie eine frühzeitige Einbindung der Anwohnerschaft notwendig.
Wie soll Barnstorfs Energieversorgung künftig aussehen?
Da etwa 84 Prozent der Gebäude Einfamilienhäuser sind, werden große Wärmenetze nicht überall wirtschaftlich sein. Deshalb sind unabhängige Energieberatungen und gezielte energetische Sanierungen, durch die ein erheblicher Teil des Wärmebedarfs eingespart werden kann, für Eigentümer besonders wichtig. Die Samtgemeinde sollte bei ihren eigenen Gebäuden mit gutem Beispiel vorangehen – durch Sanierungen, Fotovoltaik und moderne Heiztechnik.
Mobil auf dem Lande und trotzdem fast CO₂-frei – geht das?
Das geht! Wir benötigen eine Kombination aus zuverlässigem Bahn- und Busverkehr, sicheren Radwegen, bedarfsgesteuerten Angeboten, Fahrgemeinschaften und Elektromobilität.