Thomson Reuters soll ICE bei der Aufdeckung von "Wahl-" und "Einwanderungsbetrug" helfen
125 Millionen US-Dollar Thomson Reuters soll ICE bei der Aufdeckung von "Wahl-" und "Einwanderungsbetrug" helfen Der Konzern soll seine Daten, darunter Sozialversicherungsnummern, ethnische Zugehörigke...
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125 Millionen US-Dollar
Thomson Reuters soll ICE bei der Aufdeckung von "Wahl-" und "Einwanderungsbetrug" helfen
Der Konzern soll seine Daten, darunter Sozialversicherungsnummern, ethnische Zugehörigkeit oder Kreditkarteninformationen an die Behörde übermitteln
Die US-Behörde ICE, kurz für "US Immigration and Customs Enforcement", soll künftig direkt Daten von Thomson Reuters beziehen, um damit "Wahl-" und "Einwanderungsbetrug" aufzudecken. Hierfür möchte das Department of Homeland Security (DHS) dem Medienkonzern 125 Millionen US-Dollar zahlen. Mitarbeiter sprachen sich bereits gegen bisherige Kooperationen aus.
Verfolgung
Erst letzte Woche tötete ein ICE-Agent ein weiteres Mal einen Menschen durch Schüsse auf offener Straße. Bereits seit Anfang des Jahres, als ICE-Beamte die 37-jährige Renée Good in ihrem Auto erschossen, sorgt das brutale Vorgehen der Einwanderungsbehörde für landesweite Proteste. Jene Behörde soll nun mit noch umfassenderen Datensätzen ausgestattet werden, um noch präziser Menschen(gruppen) verfolgen zu können, wie 404 Media berichtet.
Beide vom DHS angegebenen Fahndungsgründe sind bekannte Schlagwörter im Lager von US-Präsident Donald Trump. Die Verfolgung von Menschen mit Migrationsgeschichte ist das Steckenpferd von ICE, die Behörde prägte den abwertenden und isolierenden Begriff "Aliens" für diese Personengruppe. Erst vergangenen Donnerstag hielt Trump unterdessen eine Pressekonferenz zum Thema "Wahlsicherheit" ab. Diese war mit Verschwörungstheorien gespickt – er erklärte, er werde "nie wieder eine gestohlene Wahl" mitansehen – und ebnete laut Beobachtern den Weg, um die Legitimität der bevorstehenden Zwischenwahlen zu untergraben.
Online-Ermittlungssoftware
Um diese Ziele weiter zu verfolgen, soll die Datenbasis für ICE-Operationen ausgebaut werden. Die meisten Menschen dürften das Unternehmen Thomson Reuters für dessen Nachrichtenagentur Reuters kennen, von der auch der STANDARD Informationen bezieht. Der Konzern betreibt jedoch verschiedene Geschäftszweige, darunter als Datenhändler für Unternehmen oder Regierungen.
Eines seiner Produkte nennt sich CLEAR – in Worten des Unternehmens eine "leistungsstarke Online-Ermittlungssoftware", mit der Betrug verhindert, Risiken erkannt und Straftaten aufgedeckt werden können. Gestützt durch KI sollen die Verbindungen einer Zielperson durch das System "mühelos analysiert" werden. In den CLEAR-Datensätzen finden sich etwa Adressen, Sozialversicherungsnummern, die ethnische Zugehörigkeit, Beiträge in sozialen Medien, KFZ-Kennzeichen oder Standortdaten von Personen. Auch personenbezogene Informationen, die Personen Finanzinstituten zum Erhalt Kreditkarte zur Verfügung stellen, sind enthalten.
Wie 404 Media aus den Ausschreibungsunterlagen zitiert, "(dienen diese Daten) insbesondere der Überprüfung und Bestätigung von Voraussetzungen in den Bereichen Schule, Sozialleistungen, Einwanderung und anderen Anspruchsvoraussetzungen." Thomson Reuters sei der Lage, ICE die kontinuierliche Überwachung von "Millionen von Personen und Organisationen von Interesse" zu ermöglichen.
Zusammenarbeit ausgebaut
Auch bisher konnte ICE teils "über einen anderen Anbieter, der als Hauptauftragnehmer fungiert," auf CLEAR-Daten zugreifen. Die "Nachfrage nach Datenunterstützung" habe sich jedoch in diesem Jahr vervielfacht. Dem Dokument zufolge ist Thomson Reuters Special Services – jene Tochtergesellschaft, die häufig die Regierungsaufträge von Thomson Reuters abwickelt, – das einzige Unternehmen, das den Zugriff auf derartige Daten "in einem Schwung" anbieten könne. Hierfür ist das DHS also gewillt, jährlich 25 Millionen US-Dollar (ca. 21,9 Millionen Euro) über die nächsten fünf Jahre hinweg zu bezahlen.
Im März sprachen sich bereits 200 Thomson-Reuters-Mitarbeiter gegen die Übermittlung von Daten an die Immigrationsbehörde in einem deutlich kleineren Umfang aus. In einem offenen Brief schrieben sie: "Wir haben miterlebt, wie unsere Nachbarn, Freunde und Familienangehörigen verhaftet und inhaftiert, eingeschüchtert und schikaniert sowie öffentlicher Gewalt ausgesetzt wurden. Wir stellen infrage, ob unsere Rechercheprodukte und -dienstleistungen im Einklang mit unserem Auftrag und unseren Werten sowie im Einklang mit dem Gesetz und der Verfassung unseres Landes genutzt werden." Der Konzern hat seinen Hauptsitz in Toronto, Kanada. Ein langjähriger Mitarbeiter gab in einer Klage an, in diesem Zusammenhang entlassen worden zu sein.
Widerstand in eigenen Reihen
Von 404 Media mit der neuen Zusammenarbeit mit ICE konfrontiert, gab Thomson Reuters an: "Wir verbieten die Nutzung von CLEAR zum Zweck der Identifizierung und Lokalisierung von nicht straffälligen Einwanderern oder Personen ohne Aufenthaltsgenehmigung mit der Absicht, diese allein aufgrund ihres Einwanderungsstatus abzuschieben. Wir nehmen diese Einschränkung ernst und setzen sie konsequent durch." Man unterstütze Ermittlungen im Bereich der nationalen und öffentlichen Sicherheit, der Aufenthaltsstatus einer Person sei kein Suchfeld in CLEAR. Ebensolche Abschiebungsoperationen führt ICE jedoch unter Donald Trump im großen Stil durch.
Auch Emma Pullman von der B.C. General Employees’ Union, die Minderheitsaktionärin von Thomson Reuters ist, beklagte gegenüber 404 Media "widersprüchliche und wechselnde Darstellungen über die Art seiner ICE-Verträge". Der jüngste Vertrag sei ihres Wissens der erste, der Wahlbetrug zum Gegenstand hat, und man beabsichtige gemeinsam mit anderen Aktionären, "Klarheit über diesen Vertrag einzufordern". (Hannah Krause, 19.7.2026)
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