Tierphysiotherapeutin behandelt Hunde mit Massage und Elektrotherapie

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Tierphysiotherapeutin behandelt Hunde mit Massage und Elektrotherapie

Stand: 14.08.2026, 06:45 Uhr

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Tierphysiotherapeutin Chantal Heckel, Rodgau

Ihre Hündin Emilia hat Chantal Heckel schon während ihrer Ausbildung begleitet. Heute ist der Border Collie wohl ihre treueste Patientin. © Leonie Schäfer

Chantal Heckel arbeitet in ihrer Praxis in Rodgau mit verspannten und schmerzenden Vierbeinern. Auch ihr Border Collie Emilia ist Patientin.

Jügesheim – „Gut machst du das, mein Schatz“, sagt Chantal Heckel sanft, während ihre Hände über das Fell ihres Patienten gleiten. Es hat ein paar Leckerlis und eine kurze Gassirunde gebraucht, um den kleinen, aufgedrehten Maltipoo zu beruhigen. Nun sitzt Paulchen auf der pinkfarbenen Behandlungsliege. Behutsam fahren Heckels Finger durch seine hellbraunen Löckchen – auf der Suche nach verspannten Muskeln und Schmerzpunkten.

Tierphysiotherapeutin Chantal Heckel, Rodgau

Wie ein Kontrollbesuch beim Arzt: Der einjährige Paul soll sich schon mal an die Tierphysio gewöhnen. © Leonie Schäfer

„Schon im jungen Alter sollten Hunde mal einen Check-up bei der Physio bekommen. Gerade Welpen können sich beim Toben verletzen, einen Muskel zerren oder sich verspannen“, sagt die 34-Jährige. Blieben solche Verletzungen unbehandelt, könne sich eine Fehlstellung entwickeln.

Hinweise frühzeitig erkennen

Nicht jedes Tier zeigt Schmerzen durch Jaulen oder Humpeln. Oft sind es kleine Veränderungen im Alltag, die auf Beschwerden am Bewegungsapparat hindeuten können. Dazu gehören unter anderem: Lahmheit oder ein auffälliges Gangbild, Schwierigkeiten beim Aufstehen nach längerem Liegen, starkes Wackeln der Hüfte beim Laufen, eine dauerhaft schief getragene Rute, ein buckeliger Rücken (insbesondere bei Katzen), Gewichtsverlagerungen, um ein Bein zu entlasten, ungewöhnliche Stresssignale wie häufiges Gähnen, Schmatzen oder vermehrter Speichelfluss beim Berühren bestimmter Körperstellen.
Zudem können abstehende Haare an einzelnen Körperregionen auf Verspannungen oder Schmerzen hinweisen.
Treten solche Veränderungen auf, sollte das Tier zunächst tierärztlich untersucht werden. Je nach Diagnose kann anschließend eine physiotherapeutische Behandlung sinnvoll sein. Viele Tierkrankenversicherungen übernehmen die Kosten für eine physiotherapeutische Behandlung, sofern sie medizinisch notwendig ist. Welche Leistungen abgedeckt sind, hängt jedoch vom jeweiligen Tarif ab.

Massagen, Balancepads und Elektrotherapie: So vielseitig ist die Tierphysio

Mit einem Jahr ist Paulchen deutlich jünger als die meisten Patienten der Jügesheimer Tierphysiotherapeutin: „Viele kommen erst, wenn ihre Beschwerden schon weit fortgeschritten sind.“ Der Maltipoo hingegen flitzt über den Parkettboden, von Schmerzen keine Spur. Doch Paulchen soll die Praxis in der Vordergasse schon jetzt als etwas Vertrautes kennenlernen, für den Fall, dass er später einmal Beschwerden entwickelt.

Auf dem Balancepad hält er kurz inne. „Hier müssen sich die Hunde anstrengen, ihr Gleichgewicht zu halten. Sie entwickeln so auch ein besseres Körpergefühl“, erklärt Heckel. Solche Übungen gehören für sie zum Alltag. Vor drei Jahren entschied sie sich für die Ausbildung zur Tierphysiotherapeutin. Der Wunsch, Tiere von ihren Schmerzen zu befreien, war aber schon lange vorher da.

Du wirst eins mit dem Tier. Und du musst lernen, es zu lesen.

Sie ist fünf, als der erste Familienhund einzieht. Mit 13 beginnt sie mit dem Hundesport Agility – und wo Tiere über Hindernisse springen, braucht es regelmäßige Gesundheits-Checks. So schaut sie der Tierphysiotherapeutin schon damals aufmerksam über die Schulter, stellt Fragen und möchte selbst mit anpacken.

Ausbildung zur Tierphysiotherapeutin geht auch online – Heckel bevorzugt die Praxis

Weil sie lange nicht wusste, dass man Tierphysiotherapie auch als Quereinsteigerin lernen kann, absolviert sie zunächst eine Ausbildung zur Tiermedizinischen Fachangestellten. Den Abschluss als Tierphysiotherapeutin für Kleintiere macht sie schließlich berufsbegleitend im Vierbeiner-Reha-Zentrum in Bad Wildungen: „Bei den Praxiskursen wird man direkt vom Dozenten korrigiert. So schleichen sich keine Fehler ein, die eigentlich nicht sein müssen.“ Reine Online-Institute sieht sie kritisch. Gerade Quereinsteigern fehle so oft die praktische Erfahrung. Nach ihrem Abschluss arbeitet Heckel weiter in der Tierarztpraxis: „Mir war es wichtig, weiterhin nah an der Diagnostik zu bleiben.“

Im vergangenen Jahr erfüllt sich Heckel den Traum von der eigenen Praxis für Tierphysiotherapie. Neben ihrer Festanstellung behandelt sie dienstags, donnerstags und am Wochenende Vierbeiner jeden Alters. Neben Senioren und Tieren mit Arthrose gehört auch ihre eigene Hündin Emilia zu ihren Patientinnen. Lief der quirlige Border Collie eben noch schwanzwedelnd und fiepend durch den Raum, streckt sie nun entspannt alle vier Beine auf der Behandlungsliege aus. Vorsichtig tastet Heckel Rücken und Hüfte ab, bevor sie mit sanften, gleichmäßigen Bewegungen zur Massage übergeht. Ein Lächeln umspielt ihre Lippen, als Emilias Atemzüge ruhiger werden. Vor wenigen Monaten sei die Hündin bei solchen Berührungen vor Schmerzen noch zusammengezuckt.

Hundephysio, Rodgau

Der kleine Maltipoo, eine Kreuzung zwischen Pudel und Malteser, wagt sich auf das Balancepad. © Leonie Schäfer

Es sind kleine Veränderungen, die Heckel aufhorchen lassen. Emilia trägt ihre Rute beim Laufen leicht nach links, beim Rennen streckt sie sich nicht mehr richtig. Für die Tierphysiotherapeutin sind das Hinweise auf ein Problem in der Hüfte. Neben Massagen setzt Heckel bei der Behandlung auf Elektrotherapie. Dabei legt sie Elektroden auf Emilias angefeuchtetes Fell und befestigt sie mit einer sanften Bandage an der Hüfte.

Die Arbeit mit dem Tier erfordert Ruhe und Feingefühl

Schwache elektrische Impulse werden nun von der Haut in das Gewebe geleitet, regen so die Muskulatur an und können Schmerzen lindern, erklärt Heckel. „Das fühlt sich an wie ein leichtes Kribbeln. Etwa so, wie wenn eine eingeschlafene Hand langsam wieder aufwacht.“ Für viele Hunde sei das ein idealer Therapiebeginn. Denn während sie sich verkabelt auf der Liege ausstrecken und die sanften Impulse spüren, kehrt nach und nach Ruhe ein.

Ob eine Behandlung gelingt, entscheidet sich oft schon in den ersten Minuten: „Spätestens wenn der Patient zur Tür reinkommt, musst du runtergefahren sein. Wenn du es nicht bist, bekommst du eine deutliche Reaktion des Tiers.“ Sie erzählt von einem Patienten, der hochschreckt, sobald man die Stimme nur leicht erhebt. Von knurrenden Hunden, an die sie sich nur langsam herantasten kann – auch, um sich selbst zu schützen.

Im Behandlungsraum ist kein Platz für fahrige Bewegungen und innere Unruhe. „Du wirst eins mit dem Tier. Und du musst lernen, es zu lesen“, sagt Heckel. Doch dafür braucht es Vertrauen. Bei manchen Patienten dauert das lange, bei anderen genügen wenige Streicheleinheiten und Leckerlis. Jedes Tier bringt seine eigene Geschichte mit, und genau darauf muss sich Heckel jedes Mal neu einstellen. Denn in ihrem Beruf reicht es nicht, bloß die Anatomie des Tieres zu kennen. Genauso wichtig ist das Fingerspitzengefühl.