Tim Bendzko spielt in Hamm – und verrät, wann er neue Songs schreibt

wa.deKulturStand: 29.08.2026, 08:30 UhrKommentareUns auf Google folgenWeit mehr als ein One-Hit-Wonder: Tim Bendzko stellt am 12. September auf der Bühne am Santa-Monica-Platz sein neues Album „Alles, nur nicht...

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Tim Bendzko spielt in Hamm – und verrät, wann er neue Songs schreibt

Stand: 29.08.2026, 08:30 Uhr

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Tim Bendzko

Weit mehr als ein One-Hit-Wonder: Tim Bendzko stellt am 12. September auf der Bühne am Santa-Monica-Platz sein neues Album „Alles, nur nicht zurück“ vor – und seinen Superhit „Nur noch kurz die Welt retten“. © Andre Josselin

Der Singer/Songwriter Tim Bendzko tritt am 12. September beim Kulturfestival h4 auf. Beim Staubsaugen oder Gassigehen summt er plötzlich Melodien, die es noch gar nicht gibt.

Hamm – Tim Bendzko ist der Top-Act des dreitätigen Kulturfestivals h4: Der Singer/Songwriter wird am Samstagabend, 12. September, um 20.30 Uhr auf der Stadtwerke-Bühne am Santa-Monica-Platz auftreten. Bendzko gilt als einer der bekanntesten deutschen Pop-Künstler der vergangenen Jahre.

In diesem Jahr hat er sein sechstes Album „Alles, nur nicht zurück“ herausgebracht und wird bei h4 einige der neuen Songs spielen. Im Interview mit Holger Krah erzählt er, dass ein besonderer Song auch in Hamm nicht fehlen darf.

Waren Sie schon mal in Hamm?

Ich bin mit absoluter Sicherheit schon mal in Hamm gewesen. Das merke ich immer spätestens, wenn ich vor Ort bin und mich an Gebäude oder Plätze erinnere. Ich erinnere mich an den Bahnhof. Ist das nicht der Bahnhof, in dem die Züge geteilt werden?

Genau. An den Bahnhof erinnert sich jeder ...

Was sagt das aus über eine Stadt, dass man sich vor allem an ihren Bahnhof und die Zugteilung erinnert ... (schmunzelt) Wir wollen doch die Menschen zusammenführen und nicht teilen.

Ihr erster Hit „Nur noch kurz die Welt retten“ aus dem Jahr 2011 ist zugleich Ihr bekanntester Song. Er hielt sich 47 Wochen in den Charts und erreichte Platin-Status. Singen Sie ihn eigentlich immer noch gerne? Und singen Sie ihn auch in Hamm?

Selbstverständlich! Ich würde ihn wahrscheinlich nicht mehr so gerne in der Originalversion singen. Der Sound hat sich schon verändert. Rein inhaltlich stehe ich auch weiter absolut zu dem Song, der ist noch heute aktuell. Es ist ein besonderes Lied, das ich noch immer sehr mag. Vor allem die Art des Humors.

Setzt einen Künstler so ein super erfolgreiches Lied gleich zu Beginn der Karriere nicht stark unter Druck?

Das ist natürlich die typische Angst, dass der Song doch bitte kein One-Hit-Wonder bleibt. Die wurde mir zum Glück gleich mit der zweiten Single „Wenn Worte meine Sprache wären“ genommen.

Der Song „Nur noch kurz die Welt retten“ hat Ihnen viele Türen geöffnet. So traten Sie gleich zu Beginn Ihrer Karriere im Vorprogramm von Joe Cocker und Elton John auf. Was haben Sie von derartigen Weltstars gelernt?

In erster Linie habe ich gelernt, auf einer Bühne vor einem Publikum zu bestehen, das gar keine Erwartung an dich als Künstler hat, sondern eher genervt von dir ist. Schließlich waren die Zuschauer wegen Elton John oder Joe Cocker gekommen und nicht wegen Tim Bendzko. Das war ein supergutes Training: Wie gehe ich mit den Leuten um? Was sage ich den Zuschauern? Das ist das Wichtigste, was mir davon hängen geblieben ist.

Und sonst?

Viele stellen sich das so romantisch vor: Du hängst während der kompletten Tour mit diesen Superstars ab und sprichst den ganzen Tag mit ihnen. Ganz ehrlich? Elton John habe ich während der kompletten Tour nicht gesehen. Das ging aber seiner Band fast genauso: Elton John ist vor seinem Auftritt mit der Limousine bis vor die Bühne gebracht worden, hat sein Konzert gespielt und ist anschließend wieder abgeholt worden. Bei Joe Cocker war das anders. Das erlebt haben zu dürfen, mit welcher Freude und Inbrunst er seine Songs zelebriert hat, erfüllt mich mit Dankbarkeit. Und das bestätigt mich darin, warum ich meinen Beruf als Sänger so liebe.

Gehen wir noch ein bisschen weiter zurück an den Beginn Ihrer Karriere: Sie haben 2009 beim Talentwettbewerb „Söhne gesucht“ der Söhne Mannheims mitgemacht. Später waren Sie selbst Jurymitglied in diversen Castingshows (2013: The Voice Kids, 2017: Unser Song 2017, 2021: ORF-Starmania). Was haben Sie den Teilnehmern aus Ihrer eigenen Erfahrung mitgegeben?

Was ich immer versuche, den Teilnehmern von Castingshows mitzugeben, ist, dass die einzige Stimme, auf die sie hören sollten, ihre eigene ist. Gerade zu Beginn einer Karriere gibt es so viele Menschen, die einem einreden, was man wie zu tun hat, um Erfolg zu haben. Und Social Media bietet heute so viele Möglichkeiten, die eigene Kunst dem Publikum zu präsentieren und mit ihm in Kontakt zu treten. Die Gefahr besteht aber darin, sich von Kommentaren abhängig zu machen, zu fragen: Was wollt ihr hören? Wie wollt ihr, dass ich singe? Das ist nicht tragfähig. Davon halte ich überhaupt nichts. Man muss als Künstler lernen, auf seine eigene, innere Stimme zu hören.

Sie haben dieses Jahr mit „Alles, nur nicht zurück“ Ihr sechstes Album herausgebracht und nehmen damit direkten Bezug zu Ihrem Debüt „Wenn Worte meine Sprache wären“. Sie haben gesagt, dass das vorerst Ihr letztes Album ist. Warum?

Ich habe das Gefühl, dass dies die erste Rutsche von Alben war, die ich geschrieben habe. Ich habe dieses sechste Album und seine Songs genauso geschrieben wie die allerersten Lieder vor 15 Jahren: nämlich überhaupt nicht danach zu fragen, was wohl gehört werden wird, sondern nur in mich hineinzuhorchen. Ich habe komplett ignoriert, was die Erwartungshaltung war, was meiner Plattenfirma auch nicht immer gefallen hat. Ich war ihr nicht kommerziell genug. Alles in allem fühlt sich dieses Album an wie ein Abschluss.

Und was kommt danach?

Ich weiß nicht, was danach kommt, ich will das auch gar nicht wissen. Ich habe definitiv nicht schon das nächste Album in der Pipeline. Ich finde, man muss auch etwas erlebt haben, um Songs zu schreiben. Sonst schreibe ich eines Tages nur noch Lieder übers Musikmachen. Kunst braucht Zeit und ihren Raum. Irgendwann drücken sich die neuen Lieder von alleine durch.

Wie äußert sich das?

Ich habe die Erfahrung gemacht: Wenn ich eine Weile keine Songs geschrieben habe, dann ist es so, dass ich beim Staubsaugen, beim Spazierengehen oder Gassigehen mit meinem Hund plötzlich Songs vor mich hin summe, die es gar nicht gibt. Und dann merke ich: Da baut sich etwas auf, was raus will.

Ich mag das sehr gerne, mir ein Publikum zu erspielen, wenn ich keine Vorschusslorbeeren habe.

Das Konzert in Hamm ist eines bei freiem Eintritt für die Zuschauer. Aus Ihrer Erfahrung: Kommt dort ein anderes Publikum als bei Ihren „normalen Konzerten“ im Rahmen Ihrer Tour und was heißt das für Sie?

Ich finde das total spannend. Ich mag das sehr gerne, mir ein Publikum zu erspielen, wenn ich keine Vorschusslorbeeren habe, wenn da nicht ausschließlich Tim-Bendzko-Fans vor der Bühne stehen, die schon vor zwei Jahren ihre Karten für dieses Konzert gekauft haben. Das ist ein wenig so wie zu Beginn unseres Gesprächs über die Auftritte im Vorprogramm von Elton John und Joe Cocker: Auch in Hamm werden einige Zuschauer sein, die glauben, sie kennen nur ein einziges Lied vor mir, und dann überrascht sind, dass es wahrscheinlich sogar zehn Lieder sind, bei denen sie mitsingen können.

Prominenter Top Act

Tim Bendzko ist der nächste prominente Music Act, der beim Kulturfestival h4 auftritt. Nach Max Mutzke (2022), Kapelle Petra (2023 und 2024) sowie 2Raumwohnung (2025) kommt nun Bendzko nach Hamm. Die h4-Premiere im Jahr 2021 hatte noch ohne ausgewiesenen Top-Künstler stattgefunden.