Tischler-Azubis zeigen Gesellenstücke: Boot-Bench für Westernstiefel
Angehende Tischler-Gesellen stellen bis zum 20. August ihre selbstgebauten Möbel in der Kreissparkasse Verden aus. Eine 22-Jährige entwarf eine ausziehbare Bank mit Stiefelhaltern und Schuhputzfach.
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Stand: 07.08.2026, 19:00 Uhr
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Angehende Tischler-Gesellen stellen bis zum 20. August ihre selbstgebauten Möbel in der Kreissparkasse Verden aus. Eine 22-Jährige entwarf eine Bank mit Stiefelhaltern und Schuhputzfach.
Verden – Welch schöne Möbel man doch aus Holz bauen kann! Wenn man sein Handwerk denn versteht. So wie die angehenden Gesellinnen und Gesellen der Tischlerinnung, die bis zum 20. August ihre Gesellenstücke in der Kundenhalle der Kreissparkasse in Verden präsentieren. „Sie können megastolz darauf sein“, sagt der stellvertretende Innungsmeister Ingo Berkenkamp und lässt seinen Blick über die sorgfältig gearbeiteten Stücke aus Eiche, Teak, Rüster, Nussbaum, Erle und Kirsche schweifen.

Sideboards, Vitrine, Bar- und Phonoschränke, Couchtisch, sogar ein Spielmöbel sind entstanden. Genau genommen sind sie Eigentum der jeweiligen Ausbildungsbetriebe, in der Praxis nehmen die Tischler ihre Werke aber mit nach Hause. Logisch also, dass die Auszubildenden sie ganz nach ihren individuellen Bedürfnissen entwarfen.
Die Ausstellenden
Ennie Bartels (Low Board „Marea“), Tom Tjark Behnken (Kaffee- und Getränkebar), Nike Dahlmann (Sideboard), Kendrik Dierking (Spielmöbel „switch out“), Lina Engert (Kaffeebar „Nook“), Nico Just (Aquarium-Sideboard), Pia Kleemiß (Vitrine zum Aufbewahren von Malutensilien), Daniel Köhler (Phono-Möbel „Schwalbe“), Tim Lieske (Schreibtisch), Johann Arthur Neu (Couchtisch), Levin Schaa (Sideboard), Peer Schröder (Hifi-Sideboard), Leon Städtler (Sideboard „Flammwerk“), Leon Streit (Bar-Schränkchen), Jette Thies (Boot-Bench), Sönke Weirauch (Sideboard).
Jette Thies aus Barnstedt hat eine Schwäche für Westernstiefel. „Die fliegen zu Hause alle rum“, sagt die 22-Jährige mit einem Lächeln. Bis zur Idee einer „Boot-Bench“ war es da nur noch ein kleiner Schritt. Ihr Möbel aus Rüster (Ulme) mit seiner besonderen Maserung hat eine ausziehbare Lade mit mehreren Stiefelhaltern, hat Platz fürs Schuhputzzeug und ist außerdem noch Sitzgelegenheit fürs bequeme Anziehen.

Edles Teak und Linoleum kombinierte Ennie Bartels für ihr Sideboard, dem sie den Namen „Marea“ gab. Der Begriff komme aus dem Spanischen und bedeute „Ebbe und Flut“, erklärt die 23-Jährige und zeigt dabei auf die Griffe von Türen und Schubladen, die sich wie aus einem Guss über die Front ziehen. Ihr Schwung habe sie zu dem Namen inspiriert, sagt die Kirchlintlerin.
In der Ausgestaltung und der Wahl des Holzes frei, mussten die angehenden Gesellen bei ihren Möbeln doch einige Kriterien erfüllen. Schublade, Drehteil, also Tür oder Klappe, ein Schloss und traditionelle Verbindungen, etwa Zapfen oder Schwalbenschwänze, müssen vorhanden sein. Sauberes Arbeiten ist ein absolutes Muss – und kann einen auch schon mal an den Rand der Verzweiflung bringen.

Tom Behnken schmunzelt, als er an den Bau der Türen für seine Getränkebar zurückdenkt. Deren Schlitz- und Zapfverbindung sei schon ganz schön aufwendig gewesen, berichtet der Achimer. Doch der 21-Jährige biss sich durch. „Jetzt bin ich echt zufrieden“, sagt er und streicht über das schöne Eichenmöbel samt Getränkekühler, das nun ein Ikea-Regal ablösen wird.
Acht Tage standen den Auszubildenden für die Umsetzung ihrer Entwürfe zur Verfügung. Mal abgesehen von gewissen Vorarbeiten in den Betrieben mussten alle ihre Möbel in der Werkstatt der Berufsbildenden Schulen bauen. „Wegen der vergleichbaren Ergebnisse, weil alle mit den gleichen Maschinen arbeiten“, erklärt Lehrlingswart Burkhard Müller. Gleichzeitig fördere es die Arbeit in einem Team. Weil abgesprochen werden muss, wer wann welches Gerät benutzen kann. Und weil jeder beim anderen auch mal mit anpackt.

Welche Note sie auf ihre Gesellenstücke erhalten, erfahren die jungen Frauen und Männer erst in einigen Wochen. Gewinner sind sie aber jetzt schon. „Wir Tischler sind ja die Rockstars im Handwerk“, sagt Ingo Berkenkamp mit großer Überzeugung. Die Maschinen seien laut, die Ausführenden beherrschten ihre Kunst und am Ende seien alle begeistert von den Ergebnissen.
Das überzeugt junge Menschen auf der Suche nach einem Ausbildungsplatz offenbar. Bei den Freisprechungen bildeten die Tischler die größte Gruppe, berichten Müller und Berkenkamp. Interessant dabei: Die Zahl der weiblichen Auszubildenden steigt. Und die stehen ihren männlichen Kollegen in nichts nach.
Nach Abschluss der Lehre, so schätzen die beiden Tischlermeister, verbleiben etwa zwei Drittel im Beruf. Für die Branche ist das wichtig. „Wir brauchen die Meister. Und wir brauchen Leute, die später die Betriebe übernehmen“, betont Burkhard Müller. Dennoch kann der Beruf auch ein Sprungbrett sein. Jette Thies etwa zieht es mal nach Münster, für eine weitere Ausbildung als Gestalterin im Handwerk. Ennie Bartels möchte in Hannover Innenarchitektur studieren. Tom Behnken aber schwärmt von seiner Ausbildung: „Du kannst anfassen und nutzen, was du gemacht hast.“ Für ihn steht fest: „Ich bleibe Tischler.“