Trägerrakete von bayerischem Start-up erfolgreich ins All geschossen
Berliner Technik an Bord Trägerrakete von bayerischem Start-up erfolgreich ins All geschossen ...
- 3 min read
Berliner Technik an Bord
Trägerrakete von bayerischem Start-up erfolgreich ins All geschossen
Die "Spectrum"-Rakete des deutschen Herstellers Isar Aerospace ist in der Nacht erfolgreich zu einem Testflug ins All gestartet. Die Rakete hob um 22.12 Uhr vom norwegischen Weltraumbahnhof Andøya ab, wie auf einem Livestream zu sehen war.
Das in Ottobrunn bei München ansässige Unternehmen feierte damit nach monatelangen Verzögerungen und mehreren Verschiebungen des Testflugs einen großen Erfolg. Es sei das erste Mal, dass eine privat entwickelte Rakete vom europäischen Kontinent aus die Erdumlaufbahn erreicht habe, erklärte Isar Aerospace.
Zweiter Testflug
Nach Angaben der Moderatoren bei der Live-Übertragung erreichte die Rakete knapp vier Minuten nach dem Start eine Flughöhe von etwa 100 Kilometern über dem Erdboden - die sogenannte Karman-Linie, die die gedachte Grenze zum All markiert.
Nach zehn Minuten riss die Videoübertragung zum Boden ab, nachdem die Rakete die maximale Reichweite der Verbindung überschritten hatte. Beim ersten Versuch im März 2025 waren nur 30 Sekunden bis zum Absturz vergangen.
Technik aus Berlin-Brandenburg dabei
"Wir sind im Orbit! Und haben europäische Geschichte geschrieben", erklärte Isar Aerospace bei X. Die Mission "Onward and Upward" (Vorwärts und Aufwärts) habe erfolgreich Nutzlasten in den Orbit ausgesetzt.
Die "Spectrum"-Rakete hatte den Angaben zufolge fünf wissenschaftliche Satelliten mehrerer Universitäten und ein wissenschaftliches Experiment geladen.
An der Entwicklung der Trägerrakete waren auch Weltraum-Akteure aus der Region Berlin-Brandenburg beteiligt - etwa die TU Berlin, die einen Forschungssatelliten an Bord bringen wollte. Auch das Berliner Raumfahrtunternehmen Exolaunch war an der Mission beteiligt, unter anderem mit Hardware für den Transport von Satelliten.
Testflug verzögerte sich
Ursprünglich hätte die "Spectrum"-Rakete bereits im Januar abheben sollen. Doch der erste Termin wurde wegen eines defekten Ventils verschoben, beim zweiten Anlauf im März kam ein norwegischer Fischer dazwischen, der mit seinem Boot die Sicherheitszone in den Gewässern vor der Startbasis nicht rechtzeitig verlassen hatte. Im April wurden die Startvorbereitungen wegen eines leckenden Druckbehälters abgebrochen, im Juni gab es erneut ein Problem.
Isar Aerospace will in diesem Jahr weitere Starts folgen lassen, der Bau der dritten "Spectrum"-Rakete ist bereits weit fortgeschritten.
Initiative soll Europa unabhängiger von USA machen
Das Raumfahrt-Start-up Isar Aerospace baut Trägerraketen für den Transport kleiner und mittelgroßer Satelliten. Die zweistufige "Spectrum"-Rakete ist 28 Meter hoch und kann mit ihren zehn Triebwerken Nutzlasten von bis zu tausend Kilogramm in erdnahe Umlaufbahnen befördern.
Isar Aerospace wurde 2018 gegründet und gehört zu mehreren deutschen und europäischen Unternehmen, die Europa in der Raumfahrt unabhängiger von den USA und Russland machen wollen. Das Unternehmen wird von der Europäischen Weltraumorganisation (ESA) unterstützt.
Bisher wird das Geschäft mit Trägerraketen von US-Milliardär Elon Musk dominiert. Sein Raumfahrtunternehmen SpaceX hat die teilweise wiederverwendbare Trägerrakete Falcon 9 schon hunderte Male ins All geschickt. Eine Kooperation ist bei europäischen Raumfahrtunternehmen nicht zuletzt deswegen unpopulär, weil die Auftraggeber in den USA die technischen Spezifikationen ihrer Satelliten offenlegen müssen.
Sendung: rbb24 Inforadio, 06.09.2026, 10:30 Uhr
Audio: rbb24 Inforadio, 06.09.2026, Michael Mellinger
Mehr bei rbb|24