Traum erfüllt: Der Gipfel: 80-jähriger Eifeler Radsportler knackt den Mont Ventoux
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Traum erfüllt Der Gipfel: 80-jähriger Eifeler Radsportler knackt den Mont Ventoux
Schönecken · Großartige Leistung: Viktor Mühlenbein aus Schönecken schafft eines der berüchtigtsten Etappenziele der Tour de France. Und übersteht anschließend einen haarsträubenden Moment.
19.08.2026 , 07:32 Uhr
Drei Schönecker im Ziel (von links): Heiko Biewald, der 80-jährige Viktor Mühlenbein und Jost Biewald auf dem Mont Ventoux.
Foto: Anja Görres-Biewald
Die Tour de France: Gerade sind sie wieder durch mit dem Klassiker, zuerst die Männer, dann die Frauen. Bei denen stand auch der Mont Ventoux, der „Gigant der Provence“, diesmal erneut auf dem Etappenplan (bei den Männern zuletzt 2025).
Und ein Eifeler deutlich älteren Semesters schaffte jetzt ebenfalls diese Leistung, die höchsten Respekt abverlangt (nicht zuletzt dem Berichterstatter, der es maximal in drei Tagesetappen auf den Schwarzen Mann schaffen würde. Und das auch nur mit Elektro-Unterstützung).
Der Mann, von dem hier die Rede ist, heißt Viktor Mühlenbein, lebt in Schönecken und ist stolze 80 Jahre alt. Seit dem 19. Juli. Und er bezwang an genau jenem Sonntag den Mont Ventoux.
Sogar schon zum zweiten Mal, bei der Premiere war er erst jugendliche 75. Der Berg ist 1909 Meter hoch, der Anstieg verläuft über mehr als 20 kräftezehrende Kilometer Strecke. Im Jahr 1967 überlebte der britische Tour-Fahrer Tom Simpson diese Anstrengung nicht.
Als wir Mühlenbein erreichen, sitzt er übrigens auch auf dem Ventoux: seinem ganz persönlichen, im Garten am Schönecker Hang, den nennt er nämlich so. „Das ist traumhaft hier oben, kommen Sie mal vorbei.“ Der 80-Jährige stammt aus Köln, Anfang der 2000er ist er mit seiner Frau Brunhilde in den Flecken gezogen.
Der Radsport begleite ihn sein Leben lang, erzählt er. „Seit ich laufen konnte, hab ich mein Rad gehabt.“ Er absolvierte, als Amateursportler, viele Straßenrennen, in Belgien, den Niederlanden und Deutschland. Auch im Bahnsport war er unterwegs, bei Steherrennen – der Disziplin, bei der ein Radler an einer Stange direkt hinter seinem auf einem Motorrad stehenden Schrittmacher unterwegs ist. „Sehr interessant“, sagt Mühlenbein, sei das gewesen. Früher sah man die Rennen noch oft im Fernsehen. Heute ist das vorbei. Und viele der Bahnen sind abgerissen.
Einmal, wie gesagt, hatte er den Ventoux bereits bezwungen, zusammen mit seinen Freunden Heiko Biewald und Anja Görres-Biewald, ebenfalls aus Schönecken.
Und jetzt, zu seinem 80., wagte er sich erneut in den Berg, genau am Geburtstag. „Ich hab mir gesagt: Wär doch der Hammer, mal mit 80 da hochzufahren. Und ich hab’s geschafft.“ Wieder gemeinsam mit den Biewalds, diesmal verstärkt durch deren Sohn, den 24-jährigen Jost. Und wieder begleitet von Ehefrau Brunhilde.
Der Kampf hinauf zum Gipfel: Viktor Mühlenbein (links) auf der Strecke mit Freund und Begleiter Heiko Biewald.
Foto: Anja Görres-Biewald
Allerdings: Ohne Vorbereitung wäre da nichts gelaufen, sagt Mühlenbein. „Ich hab‘ trainiert wie ein Wahnsinniger und bin hier jeden Hügel hoch. Ohne Training geht’s überhaupt nicht. Aber es war trotzdem ‘ne harte Nummer.“
Sie starteten um 5.30 Uhr, noch in der Morgenkühle, auf die 1680 zu bewältigenden Höhenmeter. Es wurde rasch wärmer. Aber trotzdem hielt Viktor Mühlenbein eisern durch und kämpfte sich hinauf bis zum kahlen Gipfel. Mit, so schätzt Heiko Biewald, „Hunderten anderen Radfahrern, die da jeden Tag hochdonnern – allerdings Jahrzehnte jünger“.
Anja Görres-Biewald, mit dem E-Bike vorausgefahren, dokumentierte den gewagten Ritt mit der Kamera – und feuerte die Männer auf den letzten Metern an. Und dann hatten sie es geschafft. Großartig – „ich bin selbst stolz auf meine Leistung“, bekennt Mühlenbein.
Tolle Geschichte. Aber das war’s noch nicht ganz, es folgt die dramatische Zugabe: Denn bei der anschließenden Abfahrt hinunter vom Gipfel platzte an Viktor Mühlenbeins Rennrad der hintere Reifen. „Durch die Hitze“, sagt er. „Es waren 35 Grad an dem Tag.“
Und ausgerechnet in diesem Moment war er allein: Die Biewalds waren schon vorausgerollt. „Wir standen auf der Hälfte des Bergs, und er kam und kam nicht“, sagt Heiko Biewald. „Irgendwann hab ich zu Jost gesagt: ‚Da ist was los, wir müssen zurück.‘“ Dann das Aufatmen: Kurz darauf kam ihnen Mühlenbein entgegen. „Auf der Felge und mit den Füßen knapp über der Straße.“
Er hatte, mit all seinem Geschick, das Rad abgefangen – und die gefährliche Situation ebenfalls gemeistert. Wäre er gestürzt, sagt Viktor Mühlenbein, „dann wär’s ein Drama geworden. Bei der Geschwindigkeit sieht man dann nicht gut aus.“
„Viktor“ heißt übrigens: Sieger. Noch mal: Respekt, Gratulation – und Grüße auf den Schönecker Mont Ventoux.