Trockenheit in Hessen: Trinkwasser-Gewinnung aus Rhein stößt an Grenzen

Hessische Versorger melden Rekordwerte beim Wasserverbrauch in diesem Sommer. Um die Versorgung mit Grundwasser stabil zu halten, wird es im Hessischen Ried mit Wasser aus dem Rhein angereichert. Eine bewährte Methode, die durch die anhaltende Trockenheit allerdings erschwert wird.

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Trockenheit in Hessen: Trinkwasser-Gewinnung aus Rhein stößt an Grenzen

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Hitze und Trockenheit Trinkwasser-Gewinnung aus Rhein stößt an Grenzen

Hessische Versorger melden Rekordwerte beim Wasserverbrauch in diesem Sommer. Um die Versorgung mit Grundwasser stabil zu halten, wird es im Hessischen Ried mit Wasser aus dem Rhein angereichert. Eine bewährte Methode, die durch die anhaltende Trockenheit allerdings erschwert wird.

Luftaufnahme des Flusses Rhein: Wegen Niedrigwassers sind Sandbänke zu sehen, in der Bildmitte eine mittelalterliche Burg.

Niedrigwasser am Rhein: Die Aufnahme stammt von Mitte August bei Kaub (Rheinland-Pfalz) nahe der hessischen Landesgrenze. Bild © picture alliance/dpa | Thomas Frey

André Girard beugt sich über ein großes Becken im Inneren des Brauchwasserwerks in Biebesheim (Groß-Gerau). Daraus schöpft der Betriebsgruppenleiter des Wasserverbands Hessisches Ried (WHR) mit einer Kelle Wasser und füllt sie in ein Glas. "Das ist Flusswasser aus dem Rhein," erklärt Girards.

Die Flüssigkeit im Glas ist klar, denn das Wasser ist bereits gerecht, gesiebt und gepumpt worden. Trotzdem durchläuft es noch fünf weitere Stufen im Wasserwerk, bevor es am Ende durch zwei Filter sickern soll.

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03:38 Min.|18.08.26, 19:30 Uhr|hr

Kann der Rhein noch Trinkwasser liefern?

Kann der Rhein noch Trinkwasser liefern?

Bild © hr

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Rhein versorgt Landwirte und Grundwasser

Hat es alle Reinigungsschritte durchlaufen, ruht das Wasser in einem großen Tank in Biebesheim. Von hier aus können es Landwirte über ein Netz aus 290 Kilometer Rohrleitung zur Beregnung ihrer Felder nutzen. Diesen Weg gehen bis zu acht Millionen Kubikmeter Wasser im Jahr.

Bis zu 35 Millionen Kubikmeter Rheinwasser werden in eine von vier sogenannten Infiltrationsanlagen im Hessischen Ried geleitet, etwa nach Pfungstadt-Eschollbrücken (Darmstadt-Dieburg). In einem eingezäunten Gelände hebt Melanie Vogt vom WHR einen Metalldeckel an und zeigt, wie das Wasser beständig plätschert. "Das Wasser wird in diesem Graben verteilt und sickert durch Kies, sodass es das Grundwasser wieder gut auffüllt."

Durch einen geöffneten Deckel ist zu sehen, wie  Wasser in der Tiefe plätschert

In der Infiltrationsanlage Eschollbrücken/Pfungstadt versickert das aufbereitete Rheinwasser im Boden Bild © hr, Anna Vogel

Methode sorgt für stabile Grundwasserstände

Von jetzt an dauert es bis zu einem Jahr, bis der aufbereitete Tropfen Flusswasser aus dem Rhein wieder über einen Brunnen an anderer Stelle als Trinkwasser entnommen werden kann.

Mithilfe dieser Methode hat sich der Grundwasserstand im Hessischen Ried seit dem Beginn der Infiltration 1989 stabilisiert. Er liegt nah an dem Richtwert, den der Grundwasserbewirtschaftungsplan vorgibt - allerdings unterhalb dessen, was etwa der Naturschutzverband BUND als notwendigen Grundwasserstand für den Wald ansieht.

Hitzesommer erschwert Infiltration

Doch der aktuelle Hitzesommer verlangsamt die Infiltration. "Wir merken das daran, dass wir momentan die ursprünglichen Mengen, die wir aufbereiten, nicht aus dem Rhein nehmen können", erklärt André Girard im Brauchwasserwerk Biebesheim.

Wo sonst bis zu drei Kubikmeter Rheinwasser pro Sekunde ins Werk strömen, ist aus technischen Gründen angesichts des niedrigen Flusspegels gerade weniger als die Hälfte möglich. Von dem Wasser, das dennoch aufbereitet werden kann, wird nur ein Teil über die Sickerschlitze ins Grundwasser geleitet. Den überwiegenden Anteil haben laut Girard im Juli die Landwirte in der Region gebraucht.

Zu sehen sind blaue Rohrleitungen im Inneren des Werks, über die das Wasser in zwei runde Tiefbehälter fließt.

Im Brauchwasserwerk in Biebesheim können bis zu 43 Millionen Kubikmeter Rheinwasser aufbereitet werden. Bild © hr, Anna Vogel

Nicht weit entfernt von der Stelle, wo das Wasser aus dem schmal gewordenen Rhein abgezweigt wird, gibt sich WHR-Verbandsvorsteherin Elisabeth Jreisat dennoch gelassen. Mit Blick auf den historischen Tiefstand des Flusses sagt sie: "Es ist eine gute Nachricht, dass wir auch jetzt immer noch Wasser aufbereiten können." Das sei sogar bei noch niedrigerem Wasser möglich. Dem Fluss schade die Entnahme nicht, es gehe hier um einen Anteil im Promillebereich.

Beispiellose Wassermengen verbraucht

Jreisat ist auch Geschäftsführerin des Wasserversorgers Hessenwasser. Ihrer Einschätzung nach ist dieser Sommer eine beispiellose Herausforderung. "So eine Wasserabgabe hatten wir noch nie", sagt sie vor allem mit Blick auf den 25. Juni dieses Jahres, an dem ihr Unternehmen rund 440.000 Kubikmeter Wasser abgegeben hat. Mehrere Tage lang sei der Wasserbedarf außergewöhnlich groß gewesen. Deshalb sei ein bewusster Umgang mit der Ressource Trinkwasser entscheidend, so Jreisat.

Genau bei diesem Punkt müsse in Hessen nachgesteuert werden, fordert der Landesvorsitzende des BUND Hessen, Jörg Nitsch. Er wünscht sich, dass ein sogenannter Wassercent eingeführt wird. Gemeint ist damit eine Abgabe, wie sie bereits in vielen anderen Bundesländern für entnommenes Grundwasser aufgeschlagen wird.

Eine besondere Belastung waren die vergangenen Wochen vor allem für die Infrastruktur. Jreisats Agenda bei Hessenwasser sieht deshalb für die nächsten Wochen vor, zu analysieren, wo nachgebessert werden muss: Etwa bei Behälteranlagen zum Puffern und Speichern von Wasser, Rohrleitungssystemen, Kühlung oder auch bei der Elektrotechnik, für die insbesondere die tropischen Nächte eine Herausforderung gewesen seien.

Infiltration kann nachgeholt werden

Die niedrigeren Infiltrationswerte im Hessischen Ried sieht Jreisat dagegen nicht als Problem an. "Wir gehen davon aus, dass wir im hydrogeologischen Winterhalbjahr diese Mengen nachholen können." Ohnehin finde die eigentliche Grundwasserneubildung im Winter statt, wenn das Grün der Pflanzen dem Boden nicht so viel Wasser entziehe.

Jreisat betont: Es komme auf den langjährigen Durchschnitt an. Doch bei immer häufiger auftretenden Hitzesommern werden die für die Infiltration wertvollen Monate immer wichtiger. Dabei stößt das Brauchwasserwerk in Biebesheim an seine Kapazitätsgrenzen.

Erweiterung der Infiltration geplant

Der Wasserverband Hessisches Ried hat im März 2024 eine Machbarkeitsstudie zur künstlichen Grundwasseranreicherung vorgelegt, die das Hessische Umweltministerium gefördert hat.

Der Studie zufolge könnte die aufbereitete Wassermenge im Brauchwasserwerk in Biebesheim verdoppelt werden. Ein zweite Option wäre ein neues Werk am Rhein, eine dritte ein Uferfiltratwerk, das speziell für die landwirtschaftliche Beregnung genutzt werden könnte. Welche der drei Optionen favorisiert wird, soll noch in diesem Jahr entschieden werden, so Jreisat.