Trombone Alone“ und „Densities“ von Posaunist Matthias Muche: Die inszenierte Posaune

Der Komponist leitet Stimmen über das Quartventil an zwei Schalltrichter weiter. Auf seinen Alben „Trombone Alone" und „Densities" inszeniert er die Posaune als skulpturales Klangobjekt im Raum.

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Trombone Alone“ und „Densities“ von Posaunist Matthias Muche: Die inszenierte Posaune

Stand: 25.08.2026, 14:08 Uhr

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Matthias Muche mit seiner Posaune.

Matthias Muche. © Lutz Voigtlaender

„Trombone Alone“ und „Densities“ – zwei ideenreiche Alben von und mit Matthias Muche.

Manchmal nutzt Musik Umwege. Zum Beispiel sprachliche. So begrüßt Anthony Moore die Hörerschaft von Matthias Muches Album „Trombone Alone“ mit einem leicht mürrisch intonierten „Hello“ und fährt fort, dass dieser Satzbeginn, wenn das Ende des Satzes erreicht sei, weitgehend verschwunden sein werde.

Dass eine Komposition mit dem Titel „Glocken“ mit Glockenklingen beginnt, ist nicht weiter verwunderlich. Aus der Beschreibung der Aufnahmesituation in der Bielefelder Zionskirche aber geht hervor, dass Moores Stimme über das Quartventil der Posaune an zwei verschiedene Schalltrichter weitergeleitet werden kann und dass die Glocken aus einem Lautsprecher im Dämpfer einer Posaune erklingen. Übrigens bedeutet das englische Wort „bell“ gleichermaßen „Glocke“ wie „Schalltrichter“.

Matthias Muche, Posaunist und Komponist, reagiert mit seinem Instrument auf Klänge, die aus dessen Körper kommen, ohne dass er sie selbst erzeugt hätte. Was ja im posaunistischen Normalfall anders ist, denn da kommt nichts aus dem Schalltrichter, was der Posaunist nicht am anderen Ende des Instruments, dem Kesselmundstück, selbst in das Instrument hineingeschickt hätte. Muche aber kreiert eine ganz neue Spielsituation.

Die Arbeit, die er mit der Posaune tut, ist stets eine im und am Raum. Was er spielt, ist nicht nur virtuose Posaunenmusik – wenngleich Virtuosität nirgends im Vordergrund der musikalischen Strategien steht –, sondern eine Inszenierung des Instruments und seiner weiträumig konzipierten Klangmöglichkeiten.

Von Ferne erinnert immerhin auch das Wort „Luftsäule“ an eine Verbindung von Musik und Raum: Eine Luftsäule ist das, was in einem Blasinstrument zum Schwingen gebracht wird und den Klang erzeugt. In einem anderen Kontext ist eine Säule etwas, was (selten allein) in einem Raum steht und ihn stützt. So addieren sich die fünf Kompositionen des Albums zu einem gleichermaßen skulpturalen wie musikalischen Gebilde mit einer intensiv gestalteten und ausgehörten räumlichen Präsenz.

Ein tragischer Verlust vor dem Konzert

Und dann ist da noch „Bonecrusher“, ein Ensemble aus zwölf Posaunistinnen und Posaunisten und einem Schlagwerker, der ausschließlich mit dem Klangspektrum einer Snare-Drum arbeitet. Erfinder und Bandleader dieser Formation ist ebenfalls Matthias Muche. Zwei der Stücke auf dem Bonecrusher-Album „Densities“ – „Butter“ und „Quater“ – sind auch auf „Trombone Alone“ enthalten. Allerdings klingen sie hier anders: ebenfalls skulptural und raumdefinierend, aber – trotz der metallischen Massierung von einem Dutzend Posaunen auf der Bühne und im Studio – luftig-subtiler und geheimnisvoller.

Das Album

Matthias Muche: Bonecrusher: Densities. Hat Hut Rec. 

Matthias Muche: Trombone Alone. col legno.

Muche hat für die Ensemble-Kompositionen das Obertonspektrum der Posaune ausgehört, aufgeteilt und bausteinhaft neu geschichtet. Das Auditorium wird gewissermaßen in das Klangvolumen hineingebeten und darf sich darin umhören. Wenn zwölf Posaunistinnen und Posaunisten und ein Schlagwerker zusammen Musik machen, entsteht unausweichlich zugleich ein Ritual. Dessen Mindestgestalt ist die einer landläufigen Gegenüberstellung von Bühne und Auditorium, aber sie ermöglicht Assoziationen, Erinnerungen und Begegnungen. Erinnerungen grundieren die Komposition „Brass/Breath/Brisk“ von Johannes Bauer.

Muche wollte mit dem Jazzposaunisten im Quartett dessen Komposition aufführen, aber Johannes Bauer starb in der Nacht des ersten geplanten Konzerts.