Sie haben den Skandal um den angeblichen Fixpreis des F-35 aufgearbeitet. Nun rechnen Insider mit dem nächsten Flop

Jene, die das Drama um den Kauf des F-35 aufgearbeitet haben, rechnen fest damit, dass das Verteidigungsdepartement bald wieder strauchelt. Und der ehemalige Chef der Finanzkontrolle bringt eine Strafuntersuchung ins Spiel.

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Sie haben den Skandal um den angeblichen Fixpreis des F-35 aufgearbeitet. Nun rechnen Insider mit dem nächsten Flop

Trotz Fixpreisdebakel fliessen Milliarden in die Aufrüstung: Ist der nächste Flop nur eine Frage der Zeit?

Jene, die das Drama um den Kauf des F-35 aufgearbeitet haben, rechnen fest damit, dass das Verteidigungsdepartement bald wieder strauchelt. Und der ehemalige Chef der Finanzkontrolle bringt eine Strafuntersuchung ins Spiel.

26.09.2026, 21.45 Uhr

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Unter Zeitdruck: der Rüstungschef Urs Loher, Bundesrat Martin Pfister und der Armeechef Benedikt Roos.

Unter Zeitdruck: der Rüstungschef Urs Loher, Bundesrat Martin Pfister und der Armeechef Benedikt Roos.

Stefan Wermuth / Reuters

Martin Pfisters Woche begann sportlich. Am Montagnachmittag prasselten im Nationalrat die kritischen Fragen zum verkorksten Kampfjet-Kauf auf den Verteidigungsminister ein. Am Abend dann billigte zumindest der Ständerat die Schaffung eines Fonds, mit dem der Bund möglichst rasch milliardenschwere Rüstungskäufe bestreiten will. Passt das zusammen? Nicht wirklich. Und die Leute, die in letzter Zeit einige der dunklen Winkel des Verteidigungsdepartements ausgeleuchtet haben, sind sich sicher: Es dürfte weiter rumpeln im Verteidigungsdepartement (VBS), sollte das Parlament die Geldschleusen öffnen.

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David Roth war vor rund einer Dekade einmal Präsident der krawalligen Jungsozialisten. Eine halbe politische Ewigkeit ist das her. Geblieben ist eine ordentliche Portion Skepsis gegenüber der Armee und der Art und Weise, wie das VBS geschäftet. Das war wohl nicht die schlechteste Voraussetzung für Roths Arbeit am Bericht der Geschäftsprüfungskommission (GPK), der ein für alle Mal mit der Mär vom Fixpreis des F-35 aufräumte.

Zwei Wochen nach der Publikation des GPK-Berichts sitzt Roth im Vorzimmer seiner Fraktion im Bundeshaus und sinniert darüber, was sich vom Kauf des Flugzeugs für künftige Geschäfte ableiten lässt. «Leider habe ich wenig Anlass zu glauben, dass das VBS die notwendigen Schlüsse aus dem F-35-Debakel gezogen hat», sagt der SP-Nationalrat. Der Einfluss der Truppe auf die Rüstungsbeschaffungen sei viel zu gross. Die Politik lasse sich deren Wünsche diktieren.

Noch ein zweiter Punkt lässt Roth wenig Gutes erahnen. Industrie und Verwaltung seien zu eng verbandelt. Das wecke Zweifel an der Unabhängigkeit der Leute in der Verwaltung. Roth spricht von einer Drehtür zwischen den Unternehmen und dem Bund. Die Beispiele gibt es. Der Rüstungschef Urs Loher machte zuvor Karriere bei Rüstungskonzernen. Und der ehemalige Projektverantwortliche für den F-35 wechselte 2025 zum Flugzeugbauer Pilatus.

Derzeit ist Roth skeptisch, ob die Voraussetzungen gegeben seien, um den nötigen Wandel anzustossen. «Ich befürchte, dass, wenn der Bund seine Rüstungsvorhaben wie geplant vorantreibt, der nächste Fehlschlag vorprogrammiert ist.»

Auf der entgegengesetzten Seite des Nationalrats sitzt Benjamin Fischer. Wie Roth hat auch er einmal eine lärmige Jungpartei angeführt, allerdings jene der SVP. Und auch er war Teil der Gruppe von Parlamentariern, die den angeblichen Fixpreis und die Verhandlungen mit den Amerikanern aufgearbeitet haben. «Wir haben Hinweise dafür gefunden, dass kritische Stimmen unmissverständlich gedeckelt wurden», sagt Fischer. «Das ist keine Kultur, in der man rasch aus Fehlern lernt. Und es ist keine Atmosphäre, die sich über Nacht ändert.»

Doch Zuwarten liege nicht drin, zeigt sich Fischer, einer der wenigen aktiven Offiziere im Parlament, überzeugt. Zu lange sei die Armee kurz und klein gespart worden. Nun, wo es ernst gelte in Europa, klafften gefährliche Lücken im Arsenal. «Wir sind auf Gedeih und Verderb darauf angewiesen, dass Martin Pfister und sein Departement es irgendwie auf die Reihe bekommen», sagt der SVP-Parlamentarier.

Kollateralschäden zeichnen sich ab

Allen Verfehlungen der Vergangenheit zum Trotz wirbt Fischer nun dafür, dem VBS «eine gewisse Beinfreiheit» zu verschaffen. Der gegenwärtige parlamentarische Prozess funktioniere zu träge und, ja, zu durchsichtig. Die Zeit der detaillierten Armeebotschaften sei vorbei. Kein Staat lege seinen potenziellen Gegnern seine grössten Schwachstellen offen. Stattdessen solle das VBS seine Ausgaben möglichst flexibel tätigen: «Aber eine Debatte, bei der im Ratsplenum jede Patronenkiste verhandelt wird, ist nicht länger angebracht.» Fischer macht sich keine Illusionen, was dabei passieren kann: «Es wird Kollateralschäden geben bei den nächsten Rüstungskäufen. Es geht gar nicht anders bei dem Zeitdruck, unter dem das VBS nun steht.»

Das Bundesamt für Rüstung (Armasuisse), das die Beschaffungen des VBS organisiert, macht tatsächlich vorwärts. Man bereite proaktiv Beschaffungen vor, damit diese bei zusätzlichem finanziellem Spielraum möglichst rasch umgesetzt werden könnten, erklärt die Sprecherin Daniela Renzo. Das Risikomanagement soll gestärkt werden, und bei besonders heiklen Projekten fänden zusätzliche Überprüfungen statt. Das sind einige der Lehren aus dem F-35-Deal. Auch hat das Bundesamt seinen Rechtsdienst aufgestockt. Das passt ins Bild, Armasuisse ist im Wachstum begriffen, den steigenden Rüstungsausgaben sei Dank. «Mit einem zusätzlichen Personalbedarf ist deshalb zu rechnen», so Renzo. Der genaue Umfang ist noch offen.

Michel Huissoud geht das etwas gar schnell. Er war Direktor der Eidgenössischen Finanzkontrolle, jener Behörde, die früh darauf hingewiesen hatte, dass der Fixpreis des F-35 keinen Bestand haben dürfte. Nun fordert Huissoud Konsequenzen. Jene Parlamentarier der Sicherheitspolitischen Kommissionen, die dem Bund zu wenig auf die Finger geschaut hätten, sollten ihre Kommissionssitze räumen und unbelasteten Kollegen Platz machen. Und bevor der Bund sich in die nächsten Geschäfte stürzt, will Huissoud einige grundlegende Fragen geklärt haben. Die vielleicht wichtigste: Wie lief das genau bei der Evaluation der Kampfjets? «Ich halte eine strafrechtliche Untersuchung für notwendig», sagt Huissoud. Dabei solle geprüft werden, ob die Auswahl des F-35 manipuliert worden sei.

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Ein Artikel aus der «NZZ am Sonntag»

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