Trump erhöht den Druck auf Kanada: Verlieren Bombardier-Flugzeuge Zugang zum US-Markt

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Trump erhöht den Druck auf Kanada: Verlieren Bombardier-Flugzeuge Zugang zum US-Markt

Stand: 08.09.2026, 23:08 Uhr

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US-Präsident Donald Trump legt im Zollstreit mit Kanada nach und droht dem Flugzeughersteller Bombardier mit dem Ausschluss vom US-Markt – doch es gibt Hürden.

Washington – Donald Trump hat erneut seine abfällige Haltung gegenüber Kanada in einem Social-Media-Beitrag gezeigt. In einem Post auf Truth Social stellte er Kanada unter die US-amerikanischen Sterne und Streifen, als wäre es bereits Teil der Vereinigten Staaten. Obwohl auch Mexiko, Grönland und Island auf der Karte als US-Territorien markiert sind, richtet Trump seine Drohungen derzeit besonders gegen Kanada und den Flugzeugbauer Bombardier.

US-Präsident Donald Trump hat angekündigt, ab 2027 die Zölle auf Fahrzeuge aus Kanada zu verdoppeln.

US-Präsident Donald Trump nimmt den kanadischen Flugzeughersteller Bombardier ins Visier. © picture alliance/dpa/AP | Alex Brandon

In einem weiteren Beitrag auf Truth Social äußerte sich Trump gewohnt drastisch: „NO MORE SELLING BOMBARDIER IN THE UNITED STATES!“ Er fügte hinzu, dass die Produkte von Bombardier „nicht gut genug“ seien. Trump forderte, dass Unternehmen, die Zugang zum US-Markt wollen, auch dort produzieren müssen. Kanada und Bombardier sollten aufhören, die USA wie ein „Sparschwein“ zu behandeln. Diese Drohungen richten sich gegen eines der bedeutendsten Industrieunternehmen Kanadas. Bombardier, mit Sitz in der Region Montréal, ist auf den amerikanischen Markt angewiesen und produziert hauptsächlich Geschäftsflugzeuge der Challenger- und Global-Serien.

Trump attackiert Kanada im Zollstreit: Bombardier-Flugzeuge drohen, Zugang zum US‑Markt zu verlieren

Bisher bleibt Trumps Ankündigung jedoch eine Drohung. Ein offizielles Verkaufs- oder Importverbot wurde noch nicht erlassen und scheint vorerst auch nicht geplant zu sein. Selbst das Weiße Haus ließ auf Anfrage von Reuters offen, wie ein solcher Verkaufsstopp umgesetzt werden könnte.

Diese Drohungen kommen inmitten eines eskalierenden Handelskonflikts mit Kanada. Die USA haben kürzlich Zölle von 50 Prozent auf bestimmte kanadische Waren im Wert von etwa 20 Milliarden US-Dollar verhängt. Kanada reagiert mit Gegenzöllen von bis zu 50 Prozent auf US-Produkte im Wert von rund 27,6 Milliarden kanadischen Dollar. Premierminister Mark Carney wurde im In- und Ausland für seinen Mut, Trump die Stirn zu bieten, gefeiert.

Für Bombardier sind solche Drohungen nicht neu. Bereits Ende Januar drohte Trump mit einem Strafzoll von 50 Prozent auf kanadische Flugzeuge und erwog den Entzug amerikanischer Zulassungen für Bombardier-Maschinen. Diese Drohung verlief im Sande. Der Auslöser war ein amerikanischer Konkurrent: Gulfstream Aerospace. Trump warf Kanada vor, die Zulassung neuer Gulfstream-Geschäftsflugzeuge zu verzögern und damit einen US-Hersteller zu benachteiligen. Die kanadische Regierung und Bombardier wiesen diese Vorwürfe entschieden zurück, da die Umsetzung eines solchen Schritts mit erheblichen Hürden verbunden wäre.

Bombardier-Flugzeuge besitzen Zulassungen der US-Luftfahrtbehörde FAA, die nicht einfach wegen eines Handelsstreits entzogen werden können. Solche Vorgänge unterliegen formalen Verfahren, die sich an Flugsicherheit und öffentlichem Interesse orientieren. Bombardier könnte rechtliche Schritte einleiten, um ein Verbot anzufechten. Auch der US-Luftfahrtanalyst Richard Aboulafia von AeroDynamic Advisory äußerte Zweifel gegenüber Reuters: Er sehe nicht, wie Trump den Verkauf von Bombardier-Jets tatsächlich verhindern könne.

US-Präsident Trump hat Spielräume in der Handelspolitik – und könnte Drohungen durchaus umsetzen

Trotzdem hat der US-Präsident in der Handelspolitik gewisse Spielräume. Das US-Recht bietet der Regierung verschiedene Möglichkeiten, Importe mit zusätzlichen Zöllen zu belegen. Ein Gesetz erlaubt unter bestimmten Bedingungen Zusatzzölle von bis zu 50 Prozent, wenn ein anderes Land den amerikanischen Handel diskriminiert.

Im extremsten Fall könnte dies sogar zum Ausschluss vom Markt führen. Der Trade Expansion Act bietet Trump ein weiteres Instrument: Im Juli erklärte er, dass Importe von Verkehrsflugzeugen, Triebwerken und Flugzeugteilen die nationale Sicherheit der USA gefährden könnten. Zölle oder andere Maßnahmen wurden jedoch zunächst nicht ergriffen, da Trump die Verhandlungen mit den Partnern abwarten wollte. Der Präsident ist also keineswegs machtlos, doch Bombardier hat noch einen gewissen Spielraum.

Kanada hat im ursprünglichen Streit mit Gulfstream bereits nachgegeben: Die Modelle G500, G600, G700 und G800 sind seit Februar zugelassen. Trumps Vorwurf, Kanada halte Gulfstream grundsätzlich vom eigenen Markt fern, ist damit kaum noch haltbar. Ein Sprecher des kanadischen Verkehrsministeriums bestätigte gegenüber der Financial Times: „Gulfstream-Flugzeuge können in Kanada frei verkauft und betrieben werden.“

Bombardier mit großem US-Geschäft – Marktausschluss könnte gravierende Folgen haben

Ein tatsächlicher Ausschluss vom US-Markt wäre für Bombardier dennoch schmerzhaft. Im Geschäftsjahr 2024 erzielte das Unternehmen rund 5,6 Milliarden US-Dollar, was etwa 64 Prozent seines Gesamtumsatzes ausmacht, mit Kunden in den USA. Auch die bestehende Flotte zeigt die Abhängigkeit: Rund die Hälfte der weltweit über 5.100 Bombardier-Flugzeuge befindet sich in den USA. Ein solcher Schritt hätte jedoch auch Auswirkungen auf die USA. Bombardier beschäftigt dort etwa 3.500 Menschen, arbeitet mit rund 2.800 amerikanischen Zulieferern zusammen und gibt jährlich mehr als 2,5 Milliarden US-Dollar bei US-Unternehmen aus. Die Endmontage der Jets erfolgt zwar in Kanada, aber wichtige Komponenten werden auch in den USA produziert.

Die Lieferketten verbinden beide Länder eng miteinander. Doch laut Trumps jüngster Karte hätte die Grenze zu Kanada ohnehin keinen Bestand mehr – das Nachbarland liegt dort bereits unter Sternen und Streifen. (Quellen: Truth Social Donald Trump, Reuters, Financial Times, Finanzministerium Kanada, Bombardier, US-Verkehrsministerium, Weißes Haus, Spiegel) (msw).