Immobilien, Krypto, Fifa: Wie der Trump-Clan Politik zu Geld macht
Guten Morgen, liebe Leserin, lieber Leser,ich musste in den vergangenen Tagen an ein Interview denken, das Donald Trump Anfang des Jahres gegeben hat. Fast zwei Stunden lang sprach der US-Präsident mit der ihm ...
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Guten Morgen, liebe Leserin, lieber Leser,
ich musste in den vergangenen Tagen an ein Interview denken, das Donald Trump Anfang des Jahres gegeben hat. Fast zwei Stunden lang sprach der US-Präsident mit der ihm verhassten "New York Times" über alle möglichen Aspekte seiner zweiten Amtszeit im Weißen Haus. Die Journalisten interessierten sich auch dafür, warum Trump trotz seines Präsidentenamts offenbar weiter ein Geschäftsmann geblieben ist.
Trump begründet das so: In seiner ersten Amtszeit habe er sich und seiner Familie noch untersagt, Geschäfte im Ausland zu tätigen. Auch habe er sein gesamtes Gehalt als Präsident gespendet – und trotzdem keinerlei Anerkennung dafür erhalten.
In seiner zweiten Amtszeit ist das anders. Trump selbst und sein Umfeld machen so viele Deals, dass man als Beobachter kaum mehr mitkommt. Woher der Sinneswandel komme, wollten die Journalisten also von Trump wissen. "Weil ich herausgefunden habe, dass es niemanden interessiert", lautete die Antwort des Präsidenten.
Tatsächlich ist die Wahrheit genau umgekehrt. Trump scheint es mittlerweile selbst nicht mehr zu interessieren, dass die ganze Welt weiß, wie sehr er sich in seinem Amt bereichert. Es ist mittlerweile kaum mehr zu erkennen, wo der Geschäftsmann Trump aufhört und der Präsident Trump anfängt. Ihm und seiner Familie ist es gelungen, in einem ungeahnten Maße politische Macht in persönliches Einkommen umzuwandeln. Dort, wo Trump politisch aktiv wird, klingelt es häufig und gerne in seiner Kasse und umgekehrt.
Es ist ein schamloser Ausverkauf eines der mächtigsten politischen Ämter der Welt. Anzeichen dafür, dass der Präsident sich dabei in Zukunft mäßigen könnte, gibt es kaum. Im Gegenteil ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass weder er noch sein gesamtes Umfeld wegen all dieser Geschäfte jemals von einem Richter verurteilt werden.
Das jüngste Beispiel für dubiose Geschäftspraktiken erhitzt gerade die Gemüter im Fußball. Fifa-Chef Gianni Infantino plant, künftig die Weltmeisterschaft für Investoren zu öffnen und Teile der Rechte an dem Turnier zu verkaufen. Der europäische Fußballverband Uefa hat jetzt eine deutliche Drohung ausgesprochen: Sollte es dazu kommen, würden alle 55 Mitgliedsländer zukünftige Weltmeisterschaften boykottieren. "Das muss Infantinos Ende sein", meint mein Kollege David Digili.
Sollte es die Fifa ernst meinen, wäre das Konzept der Fußball-WM beerdigt – und auch hier würde der Trump-Clan mitverdienen.
Federführend bei den Plänen soll nämlich der Fonds Thrive Eternal sein. Dahinter steckt der Unternehmer Joshua Kushner. Den Nachnamen haben Sie vielleicht schon einmal gehört: Denn Kushner hat einen Bruder namens Jared und der ist Ehemann von Trumps Tochter Ivanka.
Wer hier an Zufälle glaubt, ist schlichtweg naiv. Denn die Verquickung von Geschäft und Politik hat System im Hause Trump. Jared Kushner ist dabei nur ein Beispiel: Wenn er gemeinsam mit Trumps Immobilienkumpel Steve Witkoff durch die Welt fliegt und für die US-Regierung Friedensdeals aushandelt, geht es immer auch ums Geschäft.
Kushner verhandelte etwa über das Ende der Kämpfe von Israel im Gazastreifen oder über ein Friedensabkommen mit dem Iran. Gleichzeitig kassiert seine Investmentfirma Milliarden aus Saudi-Arabien, Katar oder den Vereinigten Arabischen Emiraten – also aus Ländern, die unmittelbar von den Konflikten in der Region betroffen sind.
Es ist ein klassischer Interessenkonflikt, der eigentlich leicht zu lösen ist. Friedensverhandlungen zwischen zwei Staaten sind Aufgabe des Außenministeriums und nicht von Schwiegersöhnen oder Präsidentenfreunden aus der Baubranche. Doch Trump sucht diese Konstellationen ganz bewusst: Denn so hält er Beamte, denen er ohnehin nicht traut, aus Entscheidungsprozessen fern, an denen sein engstes Umfeld noch dazu mitverdienen kann.
Die Immobilien sind aber bei Weitem nicht mehr der lukrativste Geschäftszweig der Trump-Familie. Die Söhne des Präsidenten, Don Junior und Eric, haben längst die Kryptobranche für sich entdeckt. Beide stehen einem Unternehmen mit dem Namen World Liberty Financial vor. Witkoff und Donald Trump werden dort als "emeritierte Mitgründer" genannt.
Das Geschäft mit den digitalen Währungen brummt. Allein in den ersten Monaten von Trumps zweiter Amtszeit soll das Kryptounternehmen 800 Millionen Dollar Gewinn gemacht haben – und damit deutlich mehr als die Baubranche, Trumps ehemaliges Kerngeschäft.
Parallel zu den Kryptoeinnahmen sorgt Präsident Trump im Weißen Haus dafür, dass der Handel mit den digitalen Währungen weitgehend unreguliert bleibt. Eine spezielle Ermittlungseinheit im Justizministerium wurde etwa im vergangenen Jahr aufgelöst. Untersuchungen gegen den dubiosen Kryptounternehmer Justin Sun stellten US-Behörden ein, nachdem er sich mit 75 Millionen Dollar an der Firma der Trumps beteiligt hat.
Doch es ist längst nicht nur Trumps Umfeld, das fleißig an seiner Präsidentschaft mitverdient. Auch Trump selbst hat sein Einkommen schon deutlich gesteigert. Das Magazin "Forbes" beziffert Trumps persönliches Vermögen auf 6,5 Milliarden Dollar. Rund vier Milliarden mehr, als Trump noch vor seiner Wiederwahl 2024 besessen haben soll.
Mit dem Gehalt des Präsidenten sind solche Geldflüsse nicht zu erklären. Offiziell kassiert Trump pro Jahr 400.000 Dollar. Seine Vermögenssprünge resultieren auch daraus, dass er weiterhin an den Geschäften seiner Familie beteiligt ist. Mehr als eine Milliarde Dollar verdiente der Präsident etwa 2025 allein durch Kryptowährungen. So steht es zumindest in seiner mehr als 900 Seiten langen Einkommenserklärung, die er Anfang des Monats veröffentlicht hat.