Tuchfabrik Crimmitschau: Ausstellung verbindet Industriegeschichte und Religion

Zum "Tacheles"-Themenjahr der jüdischen Kultur in Sachsen zeigt die Tuchfabrik Gebrüder Pfau in Crimmitschau seit dieser Woche eine künstlerische Installation. Darin verknüpft die Künstlerin Maja Gratzfeld die Geschichte der Fabrik mit religiösen Bezügen. Zu sehen sind große, farbige Stoffbahnen im Zusammenspiel mit Fotomotiven aus der Textilproduktion in Crimmitschau.

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Tuchfabrik Crimmitschau: Ausstellung verbindet Industriegeschichte und Religion
Tuchfabrik Gebrüder Pfau in Crimmitschau, Außenansicht

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Crimmitschau

Stand: 06.09.2026 13:33 Uhr

Zum "Tacheles"-Themenjahr der jüdischen Kultur in Sachsen zeigt die Tuchfabrik Gebrüder Pfau in Crimmitschau seit dieser Woche eine künstlerische Installation. Darin verknüpft die Künstlerin Maja Gratzfeld die Geschichte der Fabrik mit religiösen Bezügen. Zu sehen sind große, farbige Stoffbahnen im Zusammenspiel mit Fotomotiven aus der Textilproduktion in Crimmitschau.

von Grit Krause, MDR Kulturdesk

  • Die Kunstinstallation in der Tuchfabrik Crimmitschau besteht aus großen, leuchtend farbigen Stoffbahnen.
  • Für das Projekt hat die Künstlerin Bilder aus einem Film bearbeitet, der 1990 in der Fabrik gedreht wurde.
  • Im Mittelpunkt stehen Hände von Menschen bei der Arbeit – die gleichzeitig an religiöse Rituale erinnern.

"Caravaggio-Raum" – so bezeichnet Maja Gratzfeld den Raum, für den sie ihre Installation gestaltet hat. Durchaus passend, denkt man an die Gemälde des italienischen Barockmalers: dunkle Hintergründe, die er mit farbigen, lichterfüllten Szenerien kontrastiert hat. In der ehemaligen Tuchfabrik Gebr. Pfau, heute ein Museum, hat die Künstlerin auf einem knapp bis unter die Decke reichenden Metallgestell leuchtend farbige Stoffbahnen drapiert, üppig hängen sie über den Gerüststreben, sind ineinander verwoben.

Sie sagte MDR KULTUR, den Raum habe sie ausgewählt, weil dort in der Tuchfabrik der Anfang der Produktion gewesen sei: "Der Raum, in dem die Wolle geliefert wurde. Und dann ging die an die anderen Maschinen und wurde dann zu Garn weiterverarbeitet."

Kunstinstallation mit bunten Tüchern in einer grauen Industriehalle.

Die Künstlerin Maja Gratzfeld zeigt ihre Installation in der ehemaligen Tuchfabrik Crimmitschau.

Originalaufnahmen von Crimmitschauer Arbeiterinnen und Arbeitern

Maja Gratzfeld hat während ihrer Recherchen vor Ort das gesamte Fabrikareal durchstreift, es auf sich wirken lassen – die Hallen mit den riesigen Textilmaschinen, deren Klang, den Ölgeruch, der noch immer in der Luft hängt. In der Ausstellung stieß sie auf einen Film, der 1990, kurz vor der Schließung des damaligen VEBs Wolltuchwerke Crimmitschau, gedreht worden war.

Besonders faszinierten sie dabei die Handbewegungen der Arbeiterinnen und Arbeiter: "Die habe ich dann quasi abfotografiert, also digital reproduziert, habe ein ganz großes Archiv angelegt mit diesen Handbewegungen." Um die 60 repräsentative Abbildungen dieser Hände habe sie dann für die Installation auf Stoff, ein Baumwoll-Seiden-Gemisch, drucken lassen.

FRau mit braunen langen Haaren schaut in die Kamera. Hinter ihr bunte Tücher.

Mit ihrer Installation will Maja Gratzfeld auch Arbeiterinnen und Arbeiter sichtbar machen.

Diese Stoffbahnen mit den darauf gedruckten Händen fügen sich in Maja Gratzfelds Installation zwischen den farbigen Textilschals ein. Frauen- oder Männerhand – das verschwimmt in diesen Darstellungen, die harte Arbeit aber sieht man ihnen an. Einerseits sei es einfach schön gewesen, die arbeitenden Hände zurückzuholen, sagt Gratzfeld, weil sie im jetzigen Museum nicht mehr existierten.

Kunstinstallation zeigt Hände als religiöses Symbol

Außerdem finde man "in jeder Religion auch die Hand als Bewegung, als etwas Ausführendes". Sie stehe dort "in Bezug zu Material, zu Gesten, zu Ritualen". Als Beispiel nennt sie die Hand der Fatima, ein Schutzsymbol im islamischen Volksglauben. Und: "Auf jüdischen Friedhöfen sieht man auch viel diese zwei Hände auf den Grabsteinen."

Und auch bei Freimaurersymbolen finde man sie: "Also die Hand hat immer einen besonderen Stellenwert gehabt." Zudem seien bestimmte Handwerkstechniken Teil von Religionen. Als Beispiele nennt sie das Schreiben des Tanach, der jüdischen Bibel, oder das Erstellen eines Mandalas, wie es im Buddhismus und Hinduismus praktiziert wird.

Die Tuchfabrik Gebr. Pfau in Crimmitschau ist ein technisches Denkmal mit musealem Charakter.

Eine Halle der ehemaligen Tuchfabrik der Gebr. Pfau in Crimmitschau.

Das war auch der Ausgangspunkt der Künstlerin, die in Dresden und Haifa zu Hause ist, für ihre Recherche: Religion oder besser Religionen. Bezüge zu den Händen ergaben sich beim genaueren Hinsehen, denn auf den stark vergrößerten, leicht unscharfen Reproduktionen erscheinen sie völlig losgelöst von ihrem ursprünglichen Kontext.

Das ist auch ein zentraler Punkt von Maja Gratzfelds Arbeit, die danach fragt, was von einem Bild bleibt und wie sich seine Bedeutung verändert, wenn es in einem anderen Zusammenhang wieder auftaucht.

Farben aus dem Alten Testament

Zu all dem tritt noch eine dritte Ebene oder ein Echoraum, um auf den Titel der Installation "Verwobene Echos" Bezug zu nehmen: Es sind die Farben, mit denen Maja Gratzfeld die Stoffbahnen eingefärbt hat – ganz traditionell mit Gelbwurz und Blauholz, Indigo, Krappwurzel und Walnuss.

Kunstinstallation mit bunten Tüchern.

Die Stoffbahnen hat die Künstlerin eigenhändig mit Naturfarben eingefärbt, was zu einer Auseinandersetzung mit Material, Prozess, Erinnerung und Wahrnehmung führte.

Bei den Tönen, wie einem dunklen Rot oder auch Himmelblau, hat sie sich auf die konzentriert, die im Alten und Neuen Testament erwähnt werden. So gebe es in der hebräischen Sprache das Wort "adama" für Erdtöne: "Aus diesem Wort kommt auch 'Adam', aber auch das Wort 'dam', was 'Blut' heißt." Was wiederum spannende Rückschlüsse auf die Farbigkeit zulässt.

Eine Frau stillt eine erwachsene Frau, die auf ihrem Schoß liegt.

So gibt es vieles zu entdecken, während man um die Installation herum geht, oder auch einmal mitten hineintritt. Spätestens dann wird sie auch zu einem sehr sinnlichen Erlebnis zwischen all den luftig-leichten Stoffbahnen, mit denen Maja Gratzfeld Textilkultur und Religion miteinander verwoben hat.

Informationen zur Ausstellung

"Verwobene Echos – Farben der Religionen"
4. September bis 20. Dezember 2026

Tuchfabrik Gebr. Pfau
Leipziger Straße 125
08451 Crimmitschau

Öffnungszeiten:
Donnerstag–Sonntag und Feiertage, 10 bis 17 Uhr

Ergänzt wird die Schau durch die Wanderausstellung "Sichtbare Vielfalt. Religionen in Sachsen" der Sächsischen Landeszentrale für politische Bildung.

Quelle: MDR KULTUR
Redaktionelle Bearbeitung: hki, gw