Übernachtungssteuer könnte Bad Soden 480.000 Euro bringen
StartseiteRegionMain-TaunusBad SodenStand: 03.08.2026, 06:00 UhrKommentareUns auf Google folgenDas Hotel+ ist einer von mehr als einem Dutzend Beherbergungsbetrieben in Bad Soden. Müssen sie alle eine Übernacht...
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Stand: 03.08.2026, 06:00 Uhr
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Die Stadt Bad Soden muss 1,4 Millionen Euro aus der Rücklage nehmen, um den Haushalt 2026 auszugleichen. Eine Studie zeigt: Tourismusabgaben führen kaum zu Gästerückgang.
Bad Soden – Der Magistrat legt sich nicht eindeutig fest in der Frage, ob aus seiner Sicht eine Übernachtungssteuer oder Tourismusabgabe in Bad Soden eingeführt werden sollte. Wie sich aus der Antwort auf eine Anfrage der SPD in der Stadtverordnetenversammlung ergibt, wäre mit Einnahmen in sechsstelliger Höhe zu rechnen. Der Haupt- und Finanzausschuss hat die Auskünfte zur Kenntnis genommen – sollte das Thema weiterverfolgt werden, müsste eine der Parteien einen Antrag stellen.
Ein wenig, das wurde wiederholt berichtet, lebt die Stadt Bad Soden von der Substanz: Der Haushaltsplan für 2026 ist nur ausgeglichen, weil 1,4 Millionen Euro aus der Rücklage genommen werden. Es gibt also Handlungsbedarf. Denn wenn sich nichts ändert, ist die Rücklage in einigen Jahren aufgebraucht. In anderen Städten im Kreis hat so etwas zu erheblichen Erhöhungen bei der Grundsteuer geführt.
Viele Übernachtungen von Messegästen
Klar ist, dass Übernachtungssteuer oder Tourismusabgabe alleine, zumindest wenn man mit üblichen Sätzen rechnet, nicht ausreichen würden, um einen Rückgriff auf das Sparbuch völlig zu vermeiden. Recht einfach lässt sich das bei einer Tourismusabgabe von drei Euro pro Person und Nacht ausrechnen, wie es die SPD zur Debatte stellt. Im Jahre 2024 wurden 135.000 Übernachtungen statistisch erfasst. Geht man davon aus, dass fünf Prozent der Besucher aus irgendwelchen Gründen von der Tourismusabgabe befreit werden müssen, ergibt sich eine Einnahme von 380.000 Euro.
Die Befreiung ist aber ein Unsicherheitsfaktor: In manchen Städten sind Geschäftsreisende befreit – in Bad Soden übernachten viele Messegäste. Wer befreit wird und wer nicht, hat die Stadt aber in der Hand. An die Vorgabe allerdings, dass die Einnahmen für Zwecke des Tourismus ausgegeben werden müssen, hat sie sich zu halten. Zu prüfen wäre, ob die Stadt ausreichend Geld für Zwecke ausgibt, die auch dem Fremdenverkehr dienen – die Unterhaltung der Kurparks könnte das sein.
Solche Zwänge gibt es bei der Übernachtungssteuer nicht; diese Einnahmen fließen in den Topf der Steuereinnahmen ohne festgeschriebenen Verwendungszweck. Die SPD hat einen Steuersatz von fünf Prozent zur Diskussion gestellt. Bei einem durchschnittlichen Übernachtungspreis von 72 Euro pro Person und Nacht – ein durch Künstliche Intelligenz errechneter Wert – ergeben sich Einnahmen von 480.000 Euro.
Berücksichtigt werden muss natürlich, dass in beiden Varianten ein Aufwand sowohl für die Verwaltung als auch für die Übernachtungsbetriebe entsteht. Dass die Beherbergungsbetriebe und ihre Verbände darauf besonders hinweisen, ist keine Überraschung, wenn man deren Interessenlage berücksichtigt. Aber auch Kommunen, die solche Steuern oder Abgaben eingeführt haben, bestätigen dies. Wobei der Aufwand bei der Tourismusabgabe höher ist als bei der Übernachtungssteuer.
Möglicherweise führen solche Abgaben und Steuern zu einem Rückgang der Übernachtungszahlen, schreibt der Magistrat noch. Es wird aber sehr vorsichtig formuliert, zumal noch keine Erfahrungen vorlägen. Wissenschaftliche Erkenntnisse gibt es allerdings schon. In einer Untersuchung einer Münchner Fachhochschule aus dem Jahre 2024 wurde sowohl vorhandene Literatur ausgewertet als auch praktische Erfahrungen betrachtet.
Demnach lässt die Nachfrage nach Übernachtungen nach Einführung einer Tourismusabgabe ein wenig nach. Dies allerdings in so geringem Umfang, dass es nicht als statistisch nachweisbar gilt. Im Ballungsraum fällt diese Veränderung geringer aus als auf dem Land, und eine Tourismusabgabe ist problematischer als eine Übernachtungssteuer. Diese Veränderung verschwindet im Laufe der nächsten Jahre auch wieder, die Zahlen pendeln sich auf das frühere Niveau ein. Da die Wissenschaftler viele bereits vorhandene Untersuchungen einbezogen haben, kann man ihre Ergebnisse wohl als gut abgesichert einschätzen. Sie empfehlen aber selbst, vor einer Entscheidung die örtliche Situation genauer zu analysieren.