Ukraine-Krieg aktuell: Russland meldet Einnahme von zwei Dörfern in Region Donezk

Newsblog zum Krieg in der Ukraine Russland meldet Einnahme von zwei Dörfern in Region DonezkVon S. Cleven, J. Seiferth, F. Michalski, C. Siemer, A. Janzen, C. Cöln, T. Wanhoff, M. Küper, J. Hartung, M. Kloft, J...

  • 5 min read
Ukraine-Krieg aktuell: Russland meldet Einnahme von zwei Dörfern in Region Donezk

Newsblog zum Krieg in der Ukraine

Russland meldet Einnahme von zwei Dörfern in Region Donezk

Von S. Cleven, J. Seiferth, F. Michalski, C. Siemer, A. Janzen, C. Cöln, T. Wanhoff, M. Küper, J. Hartung, M. Kloft, J. Fischer, M. Stoffers


Aktualisiert am 10.08.2026 - 02:36 UhrLesedauer: 24 Min.

Russische Truppen wollen zwei Dörfer in der Ukraine eingenommen haben. Selenskyj spricht derweil deutliche Warnungen aus. Alle Entwicklungen im Newsblog.

Montag, 10. August

Russland meldet Einnahme von zwei Dörfern in Region Donezk

Russische Truppen haben nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur RIA unter Berufung auf das Verteidigungsministerium in Moskau zwei Dörfer in der ostukrainischen Region Donezk unter ihre Kontrolle gebracht. In einer Mitteilung des Ministeriums auf Telegram heißt es, die Streitkräfte hätten Wasjutynske und Torezk eingenommen.

Das ukrainische Militär bestätigte dies zunächst nicht. Der Generalstab in Kiew berichtete am späten Abend, ukrainische Truppen hätten 24 Angriffe um Kostjantyniwka, Illiniwka und andere Orte abgewehrt. Präsident Wolodymyr Selenskyj äußerte sich in seiner Videoansprache nicht zu Veränderungen des Frontverlaufs.

Vučić warnt vor größerem Krieg in Europa

Nach dem ersten Besuch von Wolodymyr Selenskyj in Serbien hat Präsident Aleksandar Vučić Europa vor einem größeren Krieg gewarnt. Im Podcast von Axel-Springer-Chef Mathias Döpfner sagte Vučić: "Wir stehen am Anfang eines viel, viel größeren Krieges." Er kritisierte, dass bislang niemand ernsthaft versucht habe, Frieden zu schaffen, und sieht keine schnelle Lösung – im Gegenteil, die Pattsituation könnte sich weiter verschärfen.

Der Empfang Selenskyjs in Belgrad hat in Russland und im prorussischen Serbien für heftige Reaktionen gesorgt. Russische Stimmen warfen Vučić Verrat vor, während ukrainische Vertreter den Besuch als Versuch werteten, einen Keil zwischen Russland und Serbien zu treiben. Vučić betonte, er handele im Interesse Serbiens und habe Wladimir Putin vorab nicht informiert. Die Beziehungen zu Russland seien zuletzt abgekühlt. Serbien bleibe unabhängig.

Vučić sieht die Kriegsparteien unter enormem Druck und warnt davor, auf eine Niederlage Russlands zu setzen. Er fordert einen Waffenstillstand, den Moskau ablehnt, und betont, dass Russland als Atommacht nicht einfach besiegt werden könne. Für ihn ist klar: Solange beide Seiten auf den Sieg hoffen und Kompromisse ablehnen, bleibt ein Ende des Krieges in weiter Ferne.

Sonntag, 9. August

Diplomatische Verstimmung durch Explosion von Drohne in Bulgarien

Die Explosion einer mutmaßlich ukrainischen Drohne nahe einer strategisch wichtigen Gaspipeline in Bulgarien hat zu diplomatischen Verstimmungen zwischen Sofia und Kiew geführt. Nach einer ersten Untersuchung der Trümmer erklärte das bulgarische Verteidigungsministerium am Samstag, es handle sich um einen Drohnentyp, der von den ukrainischen Streitkräften "häufig verwendet" werde. Kiew bestritt, vorsätzlich ein Fluggerät nach Bulgarien gelenkt zu haben.

"Derzeit deutet nichts darauf hin, dass es sich um einen vorsätzlichen Vorfall handelt", erklärte das bulgarische Verteidigungsministerium zu dem Drohnenvorfall. Die Ukraine stehe "in engem Kontakt mit der bulgarischen Seite, um die Umstände zu klären", sagte der ukrainische Außenamtssprecher Heorhij Tychyj. "Wir können mit Sicherheit sagen, dass die ukrainischen Streitkräfte kein Fluggerät vorsätzlich nach Bulgarien gelenkt haben." Ob die Drohne tatsächlich ukrainisch war, bestätigte Tychyj indes nicht. Außenministerin Welislawa Petrowa bestellte die ukrainische Botschafterin Olessia Ilaschtschuk für Montag ein.

Die mit Sprengstoff beladene Drohne war am Samstag nahe der Grenze Bulgariens zum EU- und Nato-Nachbarland Rumänien explodiert. Nach Angaben von Ministerpräsident Rumen Radew stürzte sie bei Kardam nahe dem Schwarzen Meer in ein Sonnenblumenfeld. Die Explosion ereignete sich demnach rund tausend Meter von einer Verdichterstation der Transbalkan-Gaspipeline entfernt, die die Türkei mit der Ukraine verbindet. Verletzt wurde niemand.Radew zufolge führte die Drohne eine "erhebliche" Menge Sprengstoff mit sich.

Großangriff im Ukraine-Krieg: Stromausfall in wichtiger Stadt

Der jüngste russische Großangriff auf die Region um die ukrainische Küstenstadt Odessa hat in der Nacht zum Sonntag für einen massiven Stromausfall gesorgt. "Am Morgen waren mehr als 300.000 Haushalte in Odessa und der Region ohne Strom; mittlerweile ist ein Drittel wieder mit Strom versorgt", sagte der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj in seiner abendlichen Videoansprache. Die Arbeiten zur Wiederherstellung der Versorgung und zur Beseitigung der Schäden dauerten an. Bei dem Angriff mit ballistischen Raketen und Drohnen waren mindestens sechs Menschen verletzt worden.

Das russische Militär bekannte sich am Abend zu der Attacke auf Odessa. Bei dem Luftangriff seien ein Heizkraftwerk sowie sieben Umspannwerke getroffen worden, teilte das Verteidigungsministerium in Moskau nach Angaben der Staatsagentur Tass mit.

Selenskyj kündigte Vergeltung an. Die Ukraine habe "angemessene Antworten" für jeden russischen Angriff parat. Der Krieg werde "für alle Russen zu Hause" immer spürbarer werden. Die Ukraine werde weiterhin die russische Erdölindustrie und andere Infrastruktur angreifen. "Der einzige Grund, warum dies immer noch andauert, ist die mangelnde Bereitschaft Russlands, diesen Krieg zu beenden."

Ukraine kauft ATACMS-Raketen und Artilleriemunition in der Türkei

Die Ukraine kauft in der Türkei ein größeres Paket mit US-produzierten Artilleriewaffen, das auch 70 Raketen des Typs ATACMS umfasst. Zu dem Geschäft gehören weiter 12 Mehrfachraketenwerfer M270, mehr als 2.500 Artillerieraketen vom Kaliber 227 Millimeter mit Streumunition sowie 47.000 Artilleriegranaten 203 Millimeter mit Streumunition, wie das ukrainische Militärportal "Militarnyj" berichtet.

Es stützt sich dabei auf die offizielle Mitteilung des US-Außenministeriums an den Kongress zu dem geplanten Weiterverkauf. Demnach befürwortet die US-Regierung das Geschäft im Umfang von 283 Millionen US-Dollar (245 Millionen Euro). Es gilt als genehmigt, wenn die Parlamentskammern Senat und Repräsentantenhaus nicht binnen 15 Tagen widersprechen. Die Türkei wolle Waffen älterer Bauart verkaufen, hieß es. Die Ukraine wiederum könne ihre Feuerkraft bei der Abwehr des russischen Angriffskrieges damit verstärken.

Loading...

Loading...

Loading...

Die verkauften ATACMS-Raketen der Modifikation M39 haben eine Reichweite von 165 Kilometern. Die USA haben der Ukraine solche Kurzstreckenraketen bereits geliefert; die frühere Regierung unter Präsident Joe Biden hat aber lange gezögert, den Einsatz auch gegen Ziele auf russischem Gebiet zuzulassen. Mit solchen Raketen kann die ukrainische Armee Truppenansammlungen und Kommandostellen der Russen im Rückraum der Front angreifen.