"Will nicht sterben, will nicht töten": Ukrainische Deserteure in Deutschland

"Will nicht sterben" Ukrainische Soldaten fliehen bei Training in DeutschlandAktualisiert am 21.08.2026 - 08:14 UhrLesedauer: 3 Min.In Deutschland sollen Dutzende ukrainische Soldaten von Truppenübungsplätzen d...

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"Will nicht sterben, will nicht töten": Ukrainische Deserteure in Deutschland

"Will nicht sterben"

Ukrainische Soldaten fliehen bei Training in Deutschland


Aktualisiert am 21.08.2026 - 08:14 UhrLesedauer: 3 Min.

In Deutschland sollen Dutzende ukrainische Soldaten von Truppenübungsplätzen desertiert sein. Ihre Zukunft ist ungewiss.

Ukrainische Soldaten, die zur Ausbildung in Deutschland waren, sind offenbar während dieser Zeit desertiert. Bekannt geworden sind jetzt die Fälle von zehn Personen, die von zwei Militärübungsplätzen geflohen sind. Es dürfte aber wesentlich mehr Fälle geben. Das berichtet die "Zeit", die mit Rekruten gesprochen hat.

In Deutschland sind laut dem Bericht bislang 29.000 Ukrainer ausgebildet worden. Es gibt in der Ukraine eine Wehrpflicht, allerdings auch Ausnahmen. Wer in wichtigen Branchen wie Banken, der öffentlichen Verwaltung oder in der IT arbeitet, kann befreit werden. Auch Väter von mehr als drei Kindern, Studenten und Männer unter 25 Jahren müssen nicht zur Armee.

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Gleichzeitig fehlt es an Soldaten. Rund zwei Millionen Männer sollen sich verstecken, so das ukrainische Verteidigungsministerium. Mindestens 60.000 Soldaten seien desertiert, weitere 250.000 Armeeangehörige sollen sich zumindest zeitweise von ihrem Posten entfernt haben.

Auf Anfrage der "Zeit" wollte das deutsche Verteidigungsministerium keine Zahl nennen, wie viele Soldaten aus der Ukraine während der Ausbildung in Deutschland geflohen sind. Nach Angaben der "Zeit" seien aber dem Innenministerium in Sachsen-Anhalt mindestens 80 Fälle bekannt. Deutschlandweit sollen es mehrere Hundert sein, so die Zeitung.

Manche wollen nur ihre Familie wiedersehen

Wie auch Russland benötigt die Ukraine Nachschub an Personal an der Front. Im ganzen Land wird um Rekruten geworben, viele heuern auch an, weil sie das Geld brauchen. Schickte die Ukraine zunächst Soldaten zur Spezialeinheit nach Deutschland, sollen laut "Zeit" jetzt auch Neulinge kommen, die hier ihre Grundausbildung absolvieren. Der Zeitung liegen Berichte vor, dass viele der Rekruten mit Zwang zum Militärdienst gedrängt wurden. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hatte selbst gefordert, die "schändlichen Straßenmobilisierungen" zu beenden.

Die Männer, mit denen die Reporter sprachen, haben unterschiedliche Gründe für die Flucht aus dem Armeedienst. Ein Mann klagte über Übergriffe von Vorgesetzten. Die ukrainischen Rekruten werden auf den deutschen Truppenübungsplätzen von Landsmännern überwacht, die sie auch zusammen mit deutschen Offizieren ausbilden. Andere möchten ihre Familien wiedersehen, die in der EU leben. Ein Mann hatte eine Haftstrafe wegen Mordes absolviert und will ein neues Leben anfangen, sagte er der "Zeit". Ein anderer wollte einfach nicht in den Krieg ziehen und nutzte den Aufenthalt in Deutschland zur Flucht. "Ich will einfach nicht sterben und auch nicht töten. Nicht an der Front und auch sonst nirgendwo. Reicht das aus?"

Soldaten haben kein Bleiberecht

Deserteure haben in Deutschland kein Bleiberecht wie andere Geflüchtete, die infolge der russischen Invasion vertrieben wurden. Ein Sprecher der Bundesregierung sagte der "Zeit", dass ukrainische Soldaten "grundsätzlich keinen Antrag auf eine Aufenthaltserlaubnis nach Paragraf 24 des Aufenthaltsgesetzes" stellen dürfen. Ihnen bleibt aber noch der Weg, einen Asylantrag zu stellen. Darin müssen sie nachweisen, dass ihr Leben bei einer Rückkehr in Gefahr ist oder sie politisch verfolgt werden. Ein Rekrut hat laut "Zeit" bereits ein Asylverfahren gewählt und lebt jetzt in einer Flüchtlingsunterkunft. Seine Familie sei in die Nähe gezogen, sagte er, er besuche sie so oft er könne.

Im Juni hatte der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj angekündigt, Soldaten die Löhne zu erhöhen, ihnen befristete Verträge anzubieten und mehr ausländische Soldaten anzuwerben. Das geschah auf Initiative des damaligen Verteidigungsministers Mychajlo Fedorow, der aber kurze Zeit später abgelöst wurde. In der Ukraine löste das Proteste aus, weil Fedorow für Reformen der teilweise verkrusteten Strukturen in der Armee stand. Seine Entlassung dürfte das Vertrauen von Soldaten in die Armeeführung nicht gestärkt haben.