Neue Taktik: Ukrainische Panzer sind zurück
Ukraine ändert Taktik Die Panzer sind zurückVon t-online04.10.2026 - 03:22 UhrLesedauer: 3 Min.Monatelang galt jeder Panzer nahe der Front als sicheres Ziel für Drohnen. Mit einer neuen Strategie holt die Ukrai...
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Ukraine ändert Taktik
Die Panzer sind zurück
Von t-online
04.10.2026 - 03:22 UhrLesedauer: 3 Min.
Monatelang galt jeder Panzer nahe der Front als sicheres Ziel für Drohnen. Mit einer neuen Strategie holt die Ukraine die schwere Technik zurück aufs Schlachtfeld.
Nach monatelanger Pause setzt die ukrainische Armee ihre Panzer wieder gezielt im Kampf gegen russische Truppen ein. Ukrainischen Einheiten gelang es zuletzt, die sogenannte Todeszone entlang der Front zurückzuschieben und so den Weg für die schwere Panzertechnik freizumachen. Zentraler Schauplatz war die Gegenoffensive bei Oleksandrivka, bei der die Ukraine 746 Quadratkilometer zurückerobern konnte, wie der britische "Telegraph" berichtet. Lange Zeit war es schwierig, mit gepanzerten Fahrzeugen vorzustoßen, weil sie von Drohnen entdeckt und zerstört oder beschädigt wurden.
Dann änderte das ukrainische Militär seine Taktik und setzte auf eine Kombination aus Drohnenangriffen, abgehörter Kommunikation und Infanterie-Vorstößen.
Zunächst griff die Ukraine russische Nachschubwege an, teils bis zu 160 Kilometer hinter der Front, um Drohnenbesatzungen und Geschützmannschaften von Nachschub abzuschneiden. Im Mai allein zählte die Ukraine mehr als 200 Angriffe auf russische Nachschubfahrzeuge, so der "Telegraph".
Robert Tollast, Forscher am britischen RUSI-Thinktank, bezeichnete dies laut der Zeitung als "im Wesentlichen eine Zerschlagung der Fähigkeit russischer Truppen, ihre Kampfkraft aufrechtzuerhalten". Für die russischen Soldaten an der Front habe das harte Folgen gehabt: Knapp an Wasser, Nahrung und Munition werde das Leben für sie "wesentlich schlechter", so Tollast.
Russische Soldaten abgehört
Ukrainische Drohnenteams hätten dann gezielt russische Drohnenbesatzungen gejagt, bis diese sich zurückzogen. Dadurch habe sich die Gefahrenzone weiter nach hinten verschoben. Verteidigungsanalyst Sam Cranny-Evans vom RUSI sagte: "Es ist nicht so, dass die Kill Zone ganz verschwunden ist. Es ist eher so, dass das Gebiet, in dem sie für die Ukrainer ein Problem war, jetzt etwas sicherer durchquert werden kann."
Ukrainische Einheiten gelang es laut Bericht, auch Anrufe von russischen Soldaten abzuhören und sie dann zu orten. Thomas Withington, Militäranalyst am RUSI, erklärte dazu: "Wir haben in der elektronischen Kriegsführung eine Redewendung: Finde den Sender, finde das Ziel. In dem Moment, in dem man sein Handy einschaltet, muss man davon ausgehen, dass man wie ein Weihnachtsbaum aufleuchtet."
Infanterie rückte nach
Dann rückte die Infanterie zu Fuß nach. Kleine Gruppen ukrainischer Fallschirmjäger und Sturmtruppen schlüpften durch Lücken in den russischen Linien und drangen tief in gegnerisches Gebiet vor, beschreibt der "Telegraph" das Vorgehen.
Erst als das Gelände erobert war, kamen die Panzer zum Einsatz. Ihre Hauptaufgabe bestehe jetzt darin, die von der Infanterie gewonnenen Stellungen zu halten so die RUSI-Experten. "Sie werden nicht in diesen großen, weiträumigen Offensiven eingesetzt, an die jeder denken will", so Cranny-Evans. Vielmehr seien die Panzer "in einem Loch festgehalten... und schießen auf die Russen".
Abrams-Panzer verloren
Nicht jeder Panzer überstand den Einsatz: Im Februar verlor die Ukraine mindestens einen amerikanischen Abrams-Panzer, russische Aufnahmen von der Offensive zeigten getroffene ukrainische Fahrzeuge. Westliche Panzer hätten laut Tollast jedoch gezeigt, dass sie Treffer kleiner Drohnen aushalten und weiterfahren könnten, zumal die Ukraine viele von ihnen zusätzlich gepanzert habe.
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Der Ansatz findet mittlerweile auch an anderen Frontabschnitten Anwendung. In dieser Woche veröffentlichte das 475. Sturmregiment der Ukraine Aufnahmen von zwei Panzern, die russische Stellungen in Wilchuwatka in der Region Charkiw angriffen. Die mit zusätzlicher Panzerung gegen Drohnen ausgestatteten Fahrzeuge wurden von schweren Vampire-Bomberdrohnen, FPV-Drohnen und Aufklärungsdrohnen begleitet.
Sie fuhren über leichte Minen, feuerten direkt in Gebäude, in denen sich russische Infanterie verschanzt hatte, und zogen sich anschließend unter anhaltenden FPV-Angriffen zurück. Nach Angaben des Regiments blieben die Panzer dabei unbeschädigt. Es habe sich um einen Vorstoß und nicht um einen fortlaufenden Vormarsch gehandelt, doch er zeige, dass Panzer dort überlebten, wo sie bis vor Kurzem fast sicher zerstört worden wären.