Und davon kann man leben? Schreiben als Beruf

In Zeiten knapper Budgets kommt schnell die Kultur in die Ziehung – und damit auch Autorinnen und Autoren. Wie sich das Leben leisten? Längere Stipendien und mehr Solidarität wären ein Anfang

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Und davon kann man leben? Schreiben als Beruf

Irene Diwiak

Und davon kann man leben? Schreiben als Beruf

In Zeiten knapper Budgets kommt schnell die Kultur in die Ziehung – und damit auch Autorinnen und Autoren. Wie sich das Leben leisten? Längere Stipendien und mehr Solidarität wären ein Anfang

Kommentar der anderen

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Irene Diwiak

"Und können Sie vom Schreiben leben?" Diese Publikumsfrage kommt bei Lesungen so sicher wie das Amen im Gebet. "Ja", antworte ich darauf, "aber ich weiß nicht, wie!" Daraufhin wird gelacht. Aber wie allen guten Witzen liegt auch diesem Scherz ein wahrer Kern zu Grunde.

Woraus setzen sich die Einnahmen einer "Berufsschriftstellerin" zusammen? Da ist einmal das Offensichtliche: Die Buchverkäufe. Doch nur etwa zehn Prozent des Verkaufspreises bleiben bei der Autorin, der Rest des Geldes geht an den Verlag, die Druckerei, die Buchhandlung und so weiter. Wenn wir von einem Buchpreis von 20 Euro ausgehen, müssen also 20.000 Exemplare verkauft werden, um auf ein jährliches Bruttogehalt von 40.000 Euro und somit das österreichische Durchschnittsgehalt zu kommen. Dann spricht man allerdings bereits von einem Bestseller, und die machen nur etwa ein halbes Prozent der Neuerscheinungen aus.

Zwei Hände halten ein aufgeschlagenes rotes Buch in die Luft. Die Person trägt ein gestreiftes Shirt und Armbänder. Der Hintergrund ist neutral grau.
Literatur muss man sich leisten können. Von der Schrifstellerei zu leben, ist nicht leicht.

Als weitere Einnahmequelle dienen Lesungen. Diese werden in der Regel mit einem mittleren dreistelligen Betrag honoriert, manchmal fällt die Bezahlung aber auch beträchtlich niedriger aus.

"Von den Schreibenden wünsche ich mir: Mehr Kollegialität."

Schließlich kann man sich noch mit kleinen Auftragswerken für Zeitungen, fürs Radio oder Fernsehen etwas dazuverdienen. Doch auch diese Möglichkeiten werden rarer. Die klassischen Medien befinden sich in einer Krise, immer mehr freie Redakteurinnen konkurrieren um immer weniger Aufträge.

In den 1950er Jahren hat sich Ingeborg Bachmann mit dem Schreiben einer Radio-Seifenoper über Wasser gehalten – heute unvorstellbar. Und was "Gebrauchstexte" wie Werbesprüche oder Website-Inhalte angeht, ist die Künstliche Intelligenz bereits eine brauchbare Alternative.

Im Sinne aller Schreibenden

Dann gibt es noch die Literaturstipendien. Diese werden in der Regel von einem Bundesland oder vom Kulturministerium ausgeschrieben und funktionieren im Grunde wie ein Wettbewerb. Die Autorin muss sich mit einem Konzept und einer Leseprobe des geplanten Werks bewerben, eine Jury entscheidet über die Vergabe. Die Langzeitstipendien des Bundesministeriums betragen 1500 Euro pro Monat für ein ganzes Jahr. Bekommt man ein solches Stipendium zugesprochen, fühlt man sich, als hätte man im Lotto gewonnen. Eine finanzielle Grundsicherung, um an dem neuen Buch zu arbeiten, ein ganzes Jahr lang! Allerdings eben nur ein Jahr lang.

Darum hat die Autorin Slata Roschal in einem Interview im Rahmen des Bachmannpreises für mehrjährige Stipendien plädiert, die mehr Planungssicherheit für Schriftstellerinnen gewährleisten. Eine Forderung, die bei der aktuellen Budgetlage schwer umzusetzen sein wird, grundsätzlich aber im Sinne aller Schreibenden ist. Zumindest möchte man das meinen, denn in meiner Autorinnen-Bubble in den Sozialen Medien sorgte vor allem Roschals Nachsatz für Aufregung: Sie behauptete, andernfalls würden immer mehr Autorinnen in einen Brotberuf "abrutschen".

Was ist Erfolg?

Umgehend wurde ihr "Arroganz" vorgeworfen, und dass sie sich gegenüber "gewöhnlichen Beschäftigten" wohl erhaben fühlte.

Die Wahrheit ist: Die allermeisten Schreibenden leben eben nicht nur vom Schreiben. Sie haben "Brotjobs", bei denen es sich manchmal um durchaus erfüllende Berufe handelt und manchmal um eher unbefriedigende Beschäftigungen, die das Schreiben im besten Fall nicht allzu sehr behindern.

In unserer Gesellschaft wird Erfolg jedoch vor allem am finanziellen Erfolg gemessen. Und während eine Marathonläuferin, die einen Marathon in unter zwei Stunden absolviert, sich auch unabhängig von einer eventuellen Bezahlung mit gutem Recht als verdammt erfolgreiche Athletin bezeichnen kann, ist das bei der Kunst weit weniger eindeutig. Es gibt keine objektiven Parameter, um die Qualität von Literatur zu messen. In unserer Vorstellung koppeln wir deshalb Qualität oft an den ökonomischen Erfolg. Insofern kann sich der "Brotberuf" wirklich wie ein "Abrutschen" anfühlen. Als wäre Literatur, von der man nicht ausschließlich leben kann, einfach nicht gut genug – ein fataler Kurzschluss, dem wir uns vehement verwehren sollten.

Insofern ist Slata Roschals Wortwahl absolut unglücklich. Was infolgedessen aber tatsächlich "abrutschte", war die Online-Diskussion darüber. Roschal solle doch lieber einmal etwas "Richtiges" arbeiten, hieß es da durchaus nicht nur von branchenfremden Personen, oder gar: "Mir als Autorin wäre es ja peinlich, vom Staat zu leben!"

Maß und Ziel

Dieser Logik folgend müssten sich doch alle genieren, die zum Beispiel in einer staatlichen oder auch nur staatlich geförderten Institution arbeiten. Die Literatur ist ein integraler Bestandteil unserer Demokratie, genauso wie Bildungseinrichtungen, wie der Verbraucherschutz, wie politische Parteien, und sollte auch so behandelt werden. Der Markt regelt nämlich nicht von selbst, wenn es um gesellschaftliche Relevanz geht.

Deshalb wünsche ich mir von der Politik bei allem Sparzwang Maß und Ziel: Wenn in der Kulturbranche über Jahrzehnte aufgebaute Strukturen zerschlagen werden, nur um sich mit einer minimalen Einsparung brüsten zu können, ist niemandem geholfen, nicht einmal dem Budgetloch.

Und von den Schreibenden wünsche ich mir: Mehr Kollegialität. Natürlich darf man Frust, sogar Neid empfinden, wenn das eigene Werk nicht die Aufmerksamkeit erfährt, die es wohl verdient hätte. Glauben Sie mir, ich kenne diese Gefühle sehr gut! Aber wir sollten uns bewusst machen, dass wir letztendlich alle am gleichen Strang ziehen. Jene, die vom Schreiben leben, und jene, die es nicht tun. (Irene Diwiak, 4.8.2026)

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