Urlauber aus der Region berichtet: Feuer im Ferienparadies am Gardasee: „Plötzlich standen wir mitten in einem Inferno“

Ein Feuer hat auf dem Campingplatz Bella Italia am Gardasee gewütet. Es gab zahlreiche Verletzte. Mittendrin war unser Autor mit seiner Familie. Er berichtet, wie er den Großbrand erlebt hat.

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Urlauber aus der Region berichtet: Feuer im Ferienparadies am Gardasee: „Plötzlich standen wir mitten in einem Inferno“

Special | Peschiera del Garda · Ein Feuer hat auf dem Campingplatz Bella Italia am Gardasee gewütet. Es gab zahlreiche Verletzte. Mittendrin war unser Autor mit seiner Familie. Er berichtet, wie er den Großbrand erlebt hat.

Wir wollten mit unseren Kindern eine entspannte Urlaubswoche am Gardasee verbringen. Doch keine 24 Stunden nach unserer Ankunft auf dem Campingplatz Bella Italia in Peschiera del Garda wurden wir von einem gewaltigen Knall aus dem Schlaf gerissen. Wenige Augenblicke später sah ich die Flammen. Was danach geschah, werde ich wohl lange nicht vergessen.

Wir waren erst am Samstagnachmittag auf dem Campingplatz Bella Italia angekommen. Gemeinsam mit meiner Frau Bianca und unseren siebenjährigen Zwillingen Noah und Leoni wollten wir hier eine Woche Urlaub verbringen. Wir bezogen unsere Unterkunft und freuten uns auf die kommenden Tage am Gardasee. Keine 24 Stunden später war alles anders.

Am Sonntagmorgen, kurz vor sechs Uhr, wurden wir von einem lauten Knall aus dem Schlaf gerissen. Danach folgten weitere Knallgeräusche. Ich zog mich an, schob die Gardinen zur Seite und öffnete die Tür unserer Unterkunft. Was ich dort sah, war erschreckend: rotes Flammenlicht, dichter Rauch und ein Feuer, das nur wenige Schritte von uns entfernt wütete.

Autor verbrachte seinen Familienurlaub in Italien, als das Feuer ausbrach

Ich rief meiner Frau zu: „Komm schnell schauen.“ Auch Bianca war erschrocken, als sie das Feuer bemerkte. Unsere Kinder schliefen zu diesem Zeitpunkt noch. Wir konnten überhaupt nicht einschätzen, wie gefährlich die Situation war und ob sich das Feuer möglicherweise weiter in unsere Richtung ausbreiten würde. Deshalb blieb meine Frau zunächst bei Noah und Leoni, während ich nach draußen ging.

Von unserer Unterkunft waren es nur wenige Schritte bis zum Brandbereich. Ich ging durch eine kleine Seitengasse auf den Hauptweg. Von dort konnte ich das Ausmaß erkennen. Mehrere Unterkünfte standen in Flammen, dichter Rauch zog über den Platz und immer wieder waren Knallgeräusche zu hören.

Nach und nach wurde es im gesamten Bereich um uns herum unruhig. Menschen kamen aus ihren Unterkünften. Auch unsere Kinder wurden schließlich durch den Lärm wach. Um 6.30 Uhr kam es zu dem heftigsten Knall, den wir an diesem Morgen wahrgenommen haben. Die Explosion war so stark, dass selbst in unserer Unterkunft die Wände wackelten. Spätestens jetzt dürften große Teile des Campingplatzes wach gewesen sein.

Während des Brandes waren immer wieder weitere Explosionen beziehungsweise Knallgeräusche zu hören. Was sie jeweils ausgelöst hat, kann ich aus eigener Wahrnehmung nicht beurteilen. Vor Ort wurde später unter anderem über Gasflaschen und Fahrzeuge als mögliche Ursache einzelner Explosionen gesprochen.

Das Feuer forderte zahlreiche Verletzte – darunter einige Deutsche

Als ich in Richtung des Brandbereichs ging, sah ich auch Verletzte. Ein Bild ist mir besonders im Gedächtnis geblieben: Eine verletzte Frau lag im Kofferraum eines deutschen Autos.

Weitere Verletzte wurden im Bereich der Rezeption gesammelt und versorgt. Dort waren Feuerwehrangehörige und Rettungssanitäter im Einsatz. Zu diesem Zeitpunkt sah ich allerdings lediglich einen Krankenwagen. Angesichts der Zahl der Verletzten und des Ausmaßes des Geschehens entstand bei mir der Eindruck, dass in dieser frühen Phase deutlich mehr Rettungskräfte benötigt worden wären.

Rund um die Rezeption herrschte ein großes Durcheinander. Eine großflächige Warnung, Lautsprecherdurchsagen oder eine organisierte Evakuierung des gesamten Platzes habe ich in dieser Phase nicht wahrgenommen. Auch konkrete Informationen durch Mitarbeiter erreichten uns zunächst nicht.

Unsere Unterkunft blieb verschont. Für mich stand natürlich die Sicherheit meiner Familie an erster Stelle. Wir mussten den Bereich verlassen, der von den Einsatzkräften weiträumig abgesperrt wurde, dauerhaft evakuiert werden mussten wir jedoch nicht.

Als meine Familie in Sicherheit war, begann ich, das Geschehen auch journalistisch zu dokumentieren. Ich machte aus sicherer Entfernung Fotos und Videos und versuchte gleichzeitig, verlässliche Informationen darüber zu erhalten, was passiert war und wie viele Menschen verletzt worden waren.

Im weiteren Verlauf konnte ich Gespräche mit Vertretern der örtlichen Behörden führen. Nach den mir vor Ort mitgeteilten Angaben wurden insgesamt 24 Menschen verletzt. Demnach erlitten 16 Menschen leichtere Verletzungen, acht Menschen wurden schwer verletzt. Eine Person soll besonders schwere Verletzungen erlitten haben.

Nach dem vor Ort bekannten Stand wurden durch das Feuer rund 25 Ferienunterkünfte erfasst, überwiegend Mobilheime und Chalets. Zum Zeitpunkt des Brandes sollen sich knapp 2.000 Menschen auf dem Campingplatz aufgehalten haben. Unter den Gästen befanden sich derzeit viele Deutsche, darunter zahlreiche Familien, die ihre Herbstferien am Gardasee verbringen.

Feuer am Gardasee: Ein Ehepaar aus Bayern verlor alles

Besonders bewegt hat mich im Laufe des Morgens die Begegnung mit einem Mann aus Bayern. Er war gemeinsam mit seiner Ehefrau auf dem Campingplatz und hatte das Feuer unmittelbar miterlebt.

Er erzählte mir, dass er aufgewacht sei und plötzlich alles um ihn herum lichterloh gebrannt habe. Er und seine Frau hätten nur noch ihre Unterkunft verlassen und sich in Sicherheit bringen können.

Noch habe er versucht, sein Auto vor den Flammen zu retten. Doch dafür sei es bereits zu spät gewesen. Der Bungalow brannte vollständig aus, ebenso das Auto.

Er und seine Frau blieben körperlich unverletzt. Trotzdem hatten sie innerhalb kürzester Zeit praktisch alles verloren, was sie bei sich hatten. Ihre Kleidung, ihre Papiere und ihre persönlichen Sachen – alles sei verbrannt, erzählte er mir.

Am Abend zuvor waren auch sie noch ganz normale Urlauber auf einem Campingplatz am Gardasee gewesen. Am nächsten Morgen standen sie vor den Resten ihrer Unterkunft.

Erst nach Stunden kamen immer mehr Einsatzkräfte

Auch die Entwicklung des Einsatzes hat sich bei mir eingeprägt. In der ersten Phase sah ich nur einzelne eintreffende Feuerwehrfahrzeuge und vergleichsweise wenige Rettungskräfte. Gleichzeitig breitete sich das Feuer weiter aus.

Das Eintreffen weiterer Kräfte von Feuerwehr, Rettungsdienst und Polizei zog sich nach meiner Beobachtung über einen längeren Zeitraum hin. Erst ungefähr drei Stunden nach Beginn des Brandes war ein deutlich größeres Aufgebot an Feuerwehrfahrzeugen und Einsatzkräften vor Ort. Danach war zu beobachten, wie das Feuer zunehmend unter Kontrolle gebracht wurde.

Im Laufe des Vormittags liefen umfangreiche Nachlöscharbeiten. Immer wieder mussten einzelne Brandstellen gelöscht werden. Später kam auch ein Bagger der italienischen Feuerwehr zum Einsatz. Damit wurden Blech- und Trümmerteile der zerstörten Mobilheime angehoben und beseitigt. Die Einsatzkräfte durchsuchten die betroffenen Bereiche und Trümmer.

Große Teile des Campingplatzes wurden von den italienischen Carabinieri abgesperrt. Im Bereich der Rezeption wurde eine Anlaufstelle für Betroffene eingerichtet.

Die Ursache des Feuers auf dem Campingplatz Bella Italia ist noch ungeklärt

Wie der Großbrand entstanden ist, steht bislang nicht abschließend fest. Vor Ort wurden unterschiedliche mögliche Ursachen genannt. Unter anderem war in manchen Gesprächen von einer möglichen Gasexplosion beziehungsweise einem Vorfall im Zusammenhang mit einer Gasleitung die Rede. Daneben gab es Hinweise auf eine möglicherweise unbeaufsichtigte Kerze als potenziellen Ausgangspunkt des Feuers.

Was tatsächlich den Brand ausgelöst hat, müssen die zuständigen italienischen Behörden ermitteln. Gerade angesichts der vielen Explosionen und Knallgeräusche während des Feuers wäre es unseriös, zum jetzigen Zeitpunkt aus den Beobachtungen vor Ort eine bestimmte Brandursache abzuleiten.

Für mich persönlich bleiben von diesem Morgen vor allem die Bilder und Geräusche. Der erste Knall kurz vor sechs Uhr. Das Öffnen unserer Tür. Das rote Flammenlicht und der Rauch. Der Moment, in dem ich aus der kleinen Seitengasse auf den Hauptweg kam und das ganze Ausmaß des Feuers sah. Und dann die gewaltige Explosion gegen 6.30 Uhr, bei der selbst die Wände unserer Unterkunft wackelten.

Dazu kommen die Menschen: die Verletzte im Kofferraum eines Autos, die Betroffenen an der Rezeption, und der Mann aus Bayern, der mir wenige Stunden später erzählte, dass er und seine Frau zwar mit dem Leben davongekommen waren, aber ansonsten alles verloren hatten.

Unsere Unterkunft blieb unbeschädigt und meine Familie ist in Sicherheit. Dafür bin ich dankbar. Trotzdem werden uns die Ereignisse dieses Morgens und die Bilder der Menschen, die weniger Glück hatten, wohl noch lange begleiten.