Psychische Probleme: US-Seeleute in Nahost am Limit

Der US-Flugzeugträger „USS Abraham Lincoln“ befindet sich Berichten zufolge bereits seit sieben Monaten auf hoher See im Nahen Osten. Viele der mehr als 5.000 Seeleute und Marinesoldaten an Bord kämpfen laut Angehörigen und dem US-Kongress mit psychischen Problemen, einige hätten versucht, über Bord zu springen. Zudem sollen die Zustände bei der Grundversorgung und den Sanitäranlagen sehr schlecht sein. Mitglieder des Senats forderten Aufklärung von der Trump-Regierung.

  • 4 min read
Psychische Probleme: US-Seeleute in Nahost am Limit

Psychische Probleme

Der US-Flugzeugträger „USS Abraham Lincoln“ befindet sich Berichten zufolge bereits seit sieben Monaten auf hoher See im Nahen Osten. Viele der mehr als 5.000 Seeleute und Marinesoldaten an Bord kämpfen laut Angehörigen und dem US-Kongress mit psychischen Problemen, einige hätten versucht, über Bord zu springen. Zudem sollen die Zustände bei der Grundversorgung und den Sanitäranlagen sehr schlecht sein. Mitglieder des Senats forderten Aufklärung von der Trump-Regierung.

Online seit heute, 18.01 Uhr

Die Regierung von US-Präsident Donald Trump solle erklären, was sie tue, um die Soldatinnen und Soldaten auf dem schwimmenden Stützpunkt der Luftstreitkräfte zu unterstützen, schrieb der demokratische Senator aus dem Bundesstaat Connecticut, Richard Blumenthal, Mittwochabend (US-Ortszeit) auf X.

„Weitverbreitete Berichte über Versorgungsengpässe, Probleme bei den Sanitäranlagen, eine Verschlechterung der psychischen Gesundheit und mehr erfordern sofortiges Handeln,“ hieß es weiter. Der Demokrat Blumenthal hat eine offizielle Anfrage als Mitglied des Senatskomitees für die US-Streitkräfte an Verteidigungsminister Pete Hegseth und Marine-Staatssekretär Hung Cao gerichtet.

Probleme bei Versorgung und Sanitäranlagen

Darin heißt es, die „Abraham Lincoln“ habe seit nunmehr fast sieben Monaten keinen Hafen mehr angelaufen – eine Rekorddauer, die für die Besatzung offenbar spürbar zur Belastung wird. Es gebe zahlreiche Berichte über Probleme, etwa bei der Grundversorgung und den Sanitäranlagen auf dem Schiff, so Blumenthal.

Fehlende Seife und verstopfte Klos seien nicht einmal das schlimmste Problem: Bei Soldatinnen und Soldaten sei eine Verschlechterung der psychischen Gesundheit festzustellen, heißt es. Es seien „Sicherheitsbedenken hinsichtlich der Außendecks“ geäußert worden, hieß es. Störungen im Postverkehr hätten zudem dazu geführt, dass viele an das Schiff adressierte Versorgungspakete über Monate auf dem Transportweg verloren gegangen seien.

Der Flugzeugträger USS Abraham Lincoln
Rund 5.000 Seeleute und Marinesoldaten befinden sich an Bord der „USS Abraham Lincoln“

Senatsdelegation will „Lincoln“ besuchen

Auf Blumenthals Fragen, etwa wie die Regierung mit der wachsenden Ermüdung und Belastung der Truppe auf der „Abraham Lincoln“ umgehen werde, sollen die adressierten Ressorts bis zum 27. August antworten. Sein demokratischer Senatskollege aus Arizona, Ruben Gallego, kündigte an, den Flugzeugträger mit einer parteiübergreifenden Delegation besuchen zu wollen, um die Lage in Augenschein zu nehmen.

„Die Geschichten von Besatzungsmitgliedern, die damit drohen, vom Schiff zu springen, sind ein erschreckendes Alarmläuten dafür, wie schlimm die Situation geworden ist“, schrieb er auf X. Trumps Umgang mit seinen Marinetruppen sei „nicht nur abstoßend, sondern auch gefährlich“, kritisierte Gallego. „Diese Seeleute haben ein Anrecht darauf zu wissen, wann sie nach Hause zurückkehren werden.“ Die US-Armee äußerte sich zunächst nicht dazu.

„Zerstörtes Vertrauen zu US-Führung“

Über die Zustände an Bord hatten zuerst die beiden Militärzeitschriften „Navytimes“ und „Stars and Stripes“ berichtet. Viele Angehörige der Seeleute an Bord hätten sich in den Blättern über die schlechten Bedingungen an Bord geäußert. Einige berichteten auch über ein zerstörtes Vertrauen „zwischen uns und der US-Führung“.

Auch im April gab es laut „Guardian“ bereits eine Welle öffentlicher Kritik an den Zuständen, Fotos von minderwertigen Lebensmitteln tauchten auf, außerdem gab es auch damals schon Berichte über Wasserknappheit, verschimmelte Duschen und defekte Waschmaschinen. Verteidigungsminister Hegseth wies die Berichte als „Fake News“ zurück.

Bericht über extreme Arbeitsbedingungen

Der Nachrichtensender MS NOW berichtete unter Berufung auf Angehörige über extrem lange Arbeitsschichten und gefährliche Arbeitsbedingungen, etwa am Deck des Flugzeugträgers, laut dem Sender bereits einer der gefährlichsten Orte im US-Militär. Es herrsche stets große Verbrennungsgefahr, die Gefahr von Hörverlust sei allgegenwärtig, zudem fänden die Arbeiten zu jeder Tageszeit und zu jeden Witterungsbedingungen statt.

Der „Guardian“ berichtete auch von einer Studie aus dem letzten Jahr, nach der fast die Hälfte aller US-Seeleute im aktiven Dienst nicht genügend Unterstützung erhielten, um mit den stressigen Bedingungen auf hoher See umzugehen. Die Studie kommt zu der Conclusio, es brauche „dringend Bemühungen, um die medizinische Versorgung auf den Schiffen zu verbessern“.

Seit Ende Februar im Arabischen Meer

Die „USS Abraham Lincoln“ hatte San Diego am 21. November verlassen und war ursprünglich für den Einsatz im Südchinesischen Meer bestimmt. Als das US-Militär jedoch bereits Anfang Jänner ihre Präsenz in Nahost ausgebaut hat, wurde das Schiff im Zuge der US-israelischen Angriffe im Iran gemeinsam mit ihren Begleitschiffen in den Nahen Osten umgeleitet.

Seitdem war die über 5.000 Köpfe zählende Crew laut dem Sender MS NOW nur zwei Tage an Land: einmal im US-Außengebiet Guam im Dezember und in Oman im Juli. Der Einsatz hätte ursprünglich im Mai enden sollen, wurde aber wegen des andauernden Krieges immer wieder verlängert. Der Flugzeugträger ist seit Beginn des Iran-Kriegs am 28. Februar im Arabischen Meer im Einsatz, um die US-Seeblockade gegen Schiffe durchzusetzen, die versuchen, iranische Häfen anzulaufen oder zu verlassen.