Trump schweigt zu China – ein philippinischer Minister zeigt, wie man Peking in die Schranken weist
StartseitePolitikUS-Verbündeter erinnert Trump daran, wie man China ganz direkt die Meinung sagtStand: 12.09.2026, 21:45 UhrKommentareUns auf Google folgenWährend Philippinens Verteidigungsminister China live a...
- 6 min read
US-Verbündeter erinnert Trump daran, wie man China ganz direkt die Meinung sagt
Stand: 12.09.2026, 21:45 Uhr
Kommentare
Während Philippinens Verteidigungsminister China live auf der Bühne bloßstellt, kuscht Trump vor Xi – und hofft auf Pekings Hilfe im Nahen Osten.
Seoul – Die öffentliche Reaktion des philippinischen Verteidigungsministers Gilberto Teodoro Jr. ist in dieser Woche viral gegangen. Zuvor hatte China versucht, ihn mit einem handgeschriebenen Zettel zu provozieren. In den USA erinnerte man sich augenblicklich an eine Kunst, die man schon verloren geglaubt hatte: die Dinge beim Namen zu nennen.
Content-Partnerschaft
Dieser Artikel entstand in Kooperation mit newsweek.com.
Teodoro sprach bei einem internationalen Forum in Südkorea, als ihm einer der Organisatoren auf der Bühne ein Blatt Papier überreichte. Kameras hielten seine verwunderte Reaktion fest. Dann kritisierte er ruhig und analytisch Pekings Einmischung – das Publikum reagierte mit Gelächter und Applaus. Ein Moment, der einen der schärfsten Kritiker Chinas eigentlich bloßstellen sollte, verwandelte sich so in drei Minuten öffentlicher Demütigung für Peking.

Zugleich fiel er auf, weil der ranghohe Vertreter der Philippinen an den Donald Trump früherer Tage erinnerte – aus einer Zeit, als der US-Präsident keine Angst hatte, Amerikas Gegner öffentlich anzuprangern, ganz gleich, ob sie „die Bombe“ hatten oder nicht. Trump will seinen chinesischen Amtskollegen Xi Jinping vor dessen Staatsbesuch womöglich nicht verärgern oder riskieren, heikle US-Handelsgespräche mit China zu gefährden. Doch seine Nachgiebigkeit gegenüber den autoritären Mächten der Welt wirkt irritierend, zumal sich einige US-Verbündete weigern, es ihm gleichzutun.
China-Politik: Philippinischen Verteidigungsminister geht auf Konfrontation, Trump auf Kuschelkurs
Teodoro ist Wortgefechte mit China gewohnt. Wie Außenminister Marco Rubio wurde der Klartext redende Verteidigungschef der Philippinen sanktioniert, weil er die chinesische Regierung offen rügte, und er trägt sein Einreiseverbot wie ein Ehrenabzeichen. Am Dienstag sagte der Vertreter aus Manila beim Seoul Defense Dialogue, die Staaten der Region müssten enger zusammenstehen und gemeinsam den zunehmend aggressiven chinesischen Manövern im Südchinesischen Meer entgegentreten. Dann wurde er von dem angeblichen chinesischen Protest auf einem A4-Blatt Hotelbriefpapier unterbrochen.
Der Zettel war eine Reaktion auf eine Forderung Teodoros. Er hatte verlangt, alle Staaten sollten gemeinsam ein Schiedsurteil aus dem Jahr 2016 verteidigen. Dieses Urteil kam zu einem klaren Schluss: China besitzt nach dem Seerechtsübereinkommen der Vereinten Nationen (UNCLOS) keine rechtliche Grundlage für seine weitreichenden maritimen Ansprüche. Die chinesische Regierung selbst hatte UNCLOS 1996 ratifiziert. Ein selbstsicherer Teodoro las jeden Satz der Notiz laut vor und antwortete Punkt für Punkt. Videoaufnahmen des philippinischen Verteidigungsministeriums von der Szene wurden auf X mehr als 15 Millionen Mal angesehen.
„‚China akzeptiert die Entscheidung weder noch erkennt es sie an.‘ Natürlich nicht, denn ihr habt verloren“, sagte Teodoro mit Blick auf das Verfahren in Den Haag, das heute als das Schiedsverfahren zum Südchinesischen Meer bekannt ist. „Diese Worte sind mir zugesteckt worden. Es gibt einen Rechtsgrundsatz namens res ipsa loquitur – die Sache spricht für sich selbst“, sagte er. Er fügte hinzu: „Wenn dies eine chinesische Position ist, die mir zugesandt wurde, missachtet sie nicht nur das Völkerrecht, indem sie UNCLOS auf den Boden wirft und mit Füßen tritt, sondern sie missachtet auch die grundlegende Anstandsregel, die unserem großzügigen Gastgeber, der Republik Korea, und dem übrigen Publikum hier zuteilwerden sollte.“
„Also ist es vielleicht grundlegender Anstand und grundlegendes Benehmen, das China nötig hätte“, sagte Teodoro und bezeichnete den Zettel später als „tatsächliche Nötigung, Einschüchterung und Aggression“. „Ich werde dieses Blatt Papier als Andenken daran aufbewahren, wie verzweifelt China ist und wie wirkungslos seine Position angesichts eines freien Publikums ist“, sagte er. „Vielen Dank an die Person, die mir dieses Blatt Papier gegeben hat. Sie haben Ihrem Land gerade einen großen Dienst erwiesen. Danke. Und ich hoffe, dass Sie dafür nicht in einem Gulag landen“, schloss er unter erneutem Applaus.
Reaktionen auf den Eklat beim Sicherheitsforum
Michael Sobolik vom Hudson Institute sagte: „Bemerkenswert. Ich habe noch nie gehört, wie ein südostasiatischer Diplomat so über China herzieht. Die Trump-Regierung sollte ihn in jedem einzelnen Wort unterstützen.“ „So klingt es, wenn Asien für sich selbst spricht und verlässliche Kooperation innerhalb Asiens hat. Schlecht für die KPCh. Gut für die USA. Salut an Minister Teodoro“, schrieb Steve Yates von der Heritage Foundation. Unklar blieb, wer aus der chinesischen Delegation den Zettel verfasst und dessen Übergabe auf der Bühne gebilligt hatte.
Das chinesische Außenministerium erklärte, es sei über den Vorfall nicht im Bilde, warf Teodoro jedoch „Provokationen und Theater“ vor, ohne ihn beim Namen zu nennen. Hu Xijin, der ehemalige Chefredakteur des nationalistischen chinesischen Boulevardblatts Global Times, stellte Teodoros Schilderung der Begegnung zwar nicht infrage, deutete jedoch an, der philippinische Beamte habe gegen die „diplomatische Etikette“ verstoßen, indem er einen offenbar nur für ihn bestimmten Zettel öffentlich vorgelesen habe.
Trumps schwindende Härte gegenüber China
Trump schlug zuletzt mildere Töne gegen Peking und Xi an, den er im Mai in Peking mit Komplimenten überhäufte, nachdem er von einem monatelangen Zollstreit zurückgerudert war, der den US-Zugang zu der von China dominierten Lieferkette für Seltene Erden bedrohte. Und seit er den Iran-Krieg begonnen hat, reserviert Trump seine schärfsten Beiträge in den sozialen Medien ausschließlich für Teheran, während er die Nuklearambitionen des nordkoreanischen Machthabers Kim Jong-un herunterspielt und seinen Sondergesandten anweist, vor Russlands Wladimir Putin zu kuschen.
Doch die US-Regierung schlägt weiterhin Alarm wegen der Bedrohung durch China. Am Mittwoch warnte das Außenministerium US-Bürger vor einem wachsenden Risiko willkürlicher Festnahmen in China, nachdem Washington kürzlich erklärt hatte, die chinesischen Behörden hätten im Juni den US-Bürger Min Zin, einen Forscher aus Myanmar, zu Unrecht inhaftiert.
Washingtons Warnungen vor Chinas Machtmitteln
„Die im China-Reisehinweis dargelegten Risiken sind nicht hypothetisch“, hieß es in einer Erklärung des Sondergesandten des Präsidenten für Geiselangelegenheiten. „Geisel-Diplomatie hat im Verhältnis zwischen den USA und China keinen Platz.“ Ebenfalls in dieser Woche warnte eine gemeinsame Mitteilung der National Security Agency, der Cybersecurity and Infrastructure Security Agency und des Federal Bureau of Investigation, dass chinesische Unternehmen im Bereich der Künstlichen Intelligenz Geschäftsgeheimnisse der führenden US-KI-Firmen stahlen.
Diese Praxis hat vermutlich Pekings stillschweigende Billigung und richtete sich nach Angaben der US-Geheimdienste gegen Anthropic, Google, OpenAI und SpaceXAI. Während sich Xi darauf vorbereitet, seinen ersten offiziellen Staatsbesuch in den USA seit über einem Jahrzehnt zu absolvieren, befürchten einige, er werde mit einem klaren Vorteil anreisen – Trump hat in Peking bereits seine Reverenz erwiesen und scheint nun auf chinesische Hilfe zu hoffen, um seinen Krieg im Nahen Osten zu beenden.
China hat gelernt, den USA einige seiner langjährigen Forderungen häppchenweise zu erfüllen, etwa indem es schließlich einem Treffen zwischen Admiral Samuel Paparo, dem Chef des US-Pazifikkommandos, und seinem chinesischen Amtskollegen in diesem Monat zustimmte. In einer Rede in Asien in diesem Frühjahr beharrte Verteidigungsminister Pete Hegseth darauf, die USA würden „selbstbewusst genug sein, leise zu sprechen und zu gehen, während sie einen großen Knüppel tragen“. Doch China scheint Amerika gezähmt zu haben, weil es genau weiß, wann es ihm ab und zu einen Knochen hinwerfen muss.