„Verbrenner-Aus“ von Wissenschaft widerlegt? Harsche Kritik an TUM-Studie

Eine Metastudie zum Vergleich des CO₂-Ausstoßes von Pkw mit verschiedenen Antriebsarten hat vorab für viel Aufregung gesorgt, weil sie angeblich grundsätzliche Kritik an der Klimapolitik der EU übt. Das sei abe...

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„Verbrenner-Aus“ von Wissenschaft widerlegt? Harsche Kritik an TUM-Studie

Eine Metastudie zum Vergleich des CO₂-Ausstoßes von Pkw mit verschiedenen Antriebsarten hat vorab für viel Aufregung gesorgt, weil sie angeblich grundsätzliche Kritik an der Klimapolitik der EU übt. Das sei aber gar nicht der Fall, hat der Fahrzeugtechnikexperte Markus Lienkamp von der TU München (TUM) dem Science Media Center (SMC) versichert. Zwar stimme es, dass die CO₂-Minderung beim Umstieg auf Elektroautos gegenwärtig nur bei 41 Prozent liegt, wenn man den gesamten Lebenszyklus eines Pkw betrachte. Das sei aber nicht neu und im Kern bestätige die Studie, „Elektroautos sind in Zukunft als einzige Antriebsart zielführend“. Noch seien Elektroautos aber unter anderem wegen der CO₂-Emissionen bei der Stromerzeugung eben nicht 100-prozentig klimaneutral.

Kritik an der Zusammenfassung

Laut den Berichten über das am heutigen Dienstag veröffentlichte Whitepaper zeigen die Ergebnisse „eine substanzielle Fehlsteuerung der europäischen Politik in ihrer Klimastrategie“, zitiert etwa der BR den Präsidenten der Technischen Universität. Thomas Hofmann habe die Studie in Auftrag gegeben, ausgewertet worden seien 19 internationale Studien und 47 Szenarien. Der TUM-Präsident habe gefordert, dass die Ergebnisse „Eingang in die politische Debatte finden“. „Andernfalls drohten ökologische und ökonomische Fehlsteuerungen erheblichen Ausmaßes.“ Die drei Autoren fordern demnach, dass der CO₂-Fußabdruck über die gesamte Lebenszeit der Pkw in den Blick genommen werden soll, um andere Möglichkeiten zu dessen Reduzierung prüfen zu können.

Der Experte Lienkamp, der an der TU München den Lehrstuhl für Fahrzeugtechnik innehat, hat gegenüber dem SMC nun aber darauf hingewiesen, dass die Studie den Klimavorteil von Elektroautos einräumen würde: „Wie man daraus als Presse oder Politiker ein erforderliches ‚Ende des Verbrennerverbots‘ interpretieren kann, ist mir schleierhaft.“ Die Forderung nach einer Bewertung der Klimaschädlichkeit über den gesamten Lebenszyklus sei nicht neu, solch eine „Life Cycle Analysis“ würde aber „einen enormen bürokratischen Aufwand erfordern“. Die gegenwärtige EU-Regelung sei zwar nicht perfekt, „aber einfach und klar“. Eine Abkehr wäre mit enormer Unsicherheit für die Autoindustrie verbunden.

Lienkamp übt aber nicht nur Kritik an der Interpretation der Studie, auch den Autoren macht er Vorwürfe. So seien etwa für den Strommix nur Daten aus den Jahren 2018 bis 2024 ausgewertet worden, dabei würden die CO₂-Emissionen in dem Bereich stark sinken. Das werde dem Elektroantrieb in der Produktion und im Betrieb „weitere erhebliche Vorteile“ verschaffen. Ferner sei der Einfluss der Batterieproduktion zu wenig untersucht worden, trotz der großen Bedeutung. Daraus, dass schließlich erklärt wird, dass Bio- und E-Fuels als Brückentechnologie eingesetzt werden könnten, „eine Kritik am Elektroauto abzuleiten, erscheint mir surreal“. Der Experte vermutet, dass das an der Zusammenfassung liegt, die zu „Schlussfolgerungen kommt, die am Kern der Studie vorbeigehen“.

Erste Reaktionen aus der Politik

Abschließend verweist der Experte noch darauf, dass er und andere relevante Professoren der TUM nicht in die Arbeit eingebunden gewesen seien. Die Autoren seien zwar „methodisch ausgewiesen, aber nicht in der Domäne Automobil erfahren“: „Die Studie ist 83 Seiten lang, stellenweise redundant bis repetitiv, teilweise schwer lesbar und verliert sich zum Teil in Details einer Bildbeschreibung.“ Er habe „fünf Stunden zum Lesen benötigt und nicht alles verstanden“. Ein wissenschaftlicher Peer-Review-Prozess habe nicht stattgefunden, wäre er damit beauftragt gewesen, hätte er die Arbeit zur Überarbeitung zurückgewiesen.

Trotz dieser harschen Kritik hat das Whitepaper erste gewünschte Adressaten erreicht. Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) hat sie laut dem BR begrüßt. Mit der Arbeit belege die Forschung, dass es „ein echtes Aus vom Verbrenner-Aus“ brauche. Der Fraktionsvorsitzende der bayerischen Regierungspartei habe sich ähnlich geäußert: Die Studie zeige, „dass bei E-Autos von Klimaneutralität keine Rede sein könne“. Von der Präsidentin des Verbands der Automobilindustrie (VDA) hieß es demnach sogar, dass Brüssel auf das Whitepaper reagieren müsse. „Ich komme nach dem Lesen der Studie daher zu einer anderen Interpretation als manche Pressevertreter oder Politiker, die diese Studie leider noch nicht gelesen haben konnten“, sagt Lienkamp derweil dem SMC.

Update 01.09.2026,

14:45

Uhr

Auch Felix Creutzig vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) hat die Studie aus München gegenüber dem SMC inzwischen kritisiert. Der stark ansteigende Anteil erneuerbarer Energien am Strommix sei nicht angemessen gewürdigt, die CO₂-Intensität des Strommix werde deshalb massiv überschätzt. Nicht berücksichtigt würde zudem, dass Hauseigentümer mit Solarpanels auf dem Dach ihre Elektroautos schon CO₂-neutral laden: „Die Werte sind damit nicht als politikrelevant zu bewerten.“ Ferner seien wichtige Studien nicht in die Arbeit eingeflossen und „die Suchmethode via KI-Suchmaschinen [...] entspricht nicht wissenschaftlichen Standards“. Vorgaben zu den Emissionen über den Lebenszyklus seien zudem anfällig für die Manipulation von Buchhaltungsdaten.

(mho)