Vereinsschwimmbäder sind Oasen in der Großstadt Frankfurt

Außer einer ganzen Reihe von städtischen Freibädern gibt es in Frankfurt auch einige weniger bekannte Schwimmbecken in Trägerschaft von Schwimmvereinen. Eines davon gehört dem 100 Jahre alten Verein Wassersport Westend.

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Vereinsschwimmbäder sind Oasen in der Großstadt Frankfurt

Das Hohelied auf das Freibad wirkt im ersten Augenblick ein wenig übertrieben. „Schwimmbäder sind gelebte Orte der Demokratie“, sagt David Profit. Der Präsident des Deutschen Schwimmverbands ist in der vergangenen Woche nach Frankfurt gereist, um den Mitgliedern des Vereins Wassersport Westend zum hundertjährigen Bestehen zu gratulieren. Ort der Feierlichkeit war ein Freibad, zu dem es allerdings keinen gänzlich demokratischen Zugang gibt. Das Bad ist den 673 Mitgliedern des Vereins vorbehalten. Als die Hitzewellen die Frankfurter in den vergangenen Monaten quälten und in die gut gefüllten städtischen Freibäder zwang, konnte man sich hier in Nied, in unmittelbarer Nachbarschaft zum renaturierten Sossenheimer Wehr, deutlich entspannter abkühlen. Sofern man einen Mitgliedsausweis vorzeigen konnte.

Das 1972 fertiggestellte Becken hat allerdings nur eine Länge von 16 Metern und 66 Zentimetern – einst ein gängiges Maß eines Drittels des üblichen 50-Meter-Beckens. Das bei der Eröffnung in der Presse als „gehobener Swimminpool“ bezeichnete Bad ist deshalb für den Leistungssport nicht nutzbar. Das Training findet fast ausschließlich in den Hallenbädern der Stadt statt. Aber eine mit einem Seil abgetrennte Bahn zum sportlichen Schwimmen steht trotzdem immer zur Verfügung.

Die Vereinsvorsitzende Marijana Geis führt allerlei gute Gründe an, weshalb die Privatheit des Schwimmbads alles andere als undemokratisch sei. „Wir können als Verein nicht einfach wachsen und wachsen, weil wir an Grenzen stoßen und das Bad schon ein gewisses Vertrauen untereinander erfordert.“ Kinder aus der Nachbarschaft seien aber beispielsweise immer willkommen als Vereinsmitglieder, weil gerade das Schwimmenlernen die ureigenste und wichtigste Mission eines Schwimmvereins sei, sagt Geis. Gerade in Zeiten, in denen mehr als 50 Prozent der Kinder die Grundschule ohne das Freischwimmerabzeichen verlassen. Zudem haben Mitglieder mit einem eigenen Schlüssel rund um die Uhr Zutritt zum Bad, das über die in den Dreißiger- und Vierzigerjahren entstandene Siedlung am östlichen Rand von Nied zu erreichen ist.

„Gehobener Swimmingpool“: Das 16,66 Meter lange Becken ist das Fundament für das Vereinsleben.
„Gehobener Swimmingpool“: Das 16,66 Meter lange Becken ist das Fundament für das Vereinsleben.Lando Hass

Als elitäre Einrichtung will Geis das Bad deshalb keineswegs verstanden wissen, auch wenn ein Mitgliedsantrag nicht einfach einzureichen ist wie bei anderen Sportvereinen. Neuaufnahmen sind nur möglich, wenn eine gewisse Verbindung des Bewerbers zu aktiven Vereinsmitgliedern besteht. Waspo, wie der Verein abgekürzt in der Frankfurter Schwimmvereinsszene genannt wird, muss nach Geis’ Worten so vorgehen, um sein sommerliches Idyll zu schützen, das nur durch ehrenamtlichen Einsatz der Mitglieder zu halten ist, finanzielle Zuschüsse seitens der öffentlichen Hand für notwendige technische Modernisierung sind ein weiterer wichtiger Baustein. „Unser Verein kann aber nur überleben, wenn wir Mitglieder haben, die anpacken. Wir haben in 100 Jahren noch nie einen Hauptamtlichen angestellt, und meine Vision als Vorsitzende ist es, dass das auch immer so bleiben muss, um den Vereinsgedanken zu leben.“

Die Vorsitzende führt sich selbst als ein Beispiel dafür an, was eine solche Gemeinschaft leisten kann: Als unbegleitete Geflüchtete in den Neunzigerjahren nach Frankfurt gekommen, habe sie einige Zeit später mit ihrem Mann und ihrem Kind durch Waspo eine richtige Heimat gefunden. Für viele andere Mitglieder verhalte es sich ähnlich. „Es geht um mehr als ums Schwimmen. Der Verein ist Zuhause, du bist willkommen, du gehörst dazu“, sagte sie bei ihrer Jubiläumsansprache in einer Eindringlichkeit, die dann letztlich das Hohelied des DSV-Präsidenten auf die demokratische Funktion des Freibads doch rechtfertigte.

Weithin unbekannte Refugien

Es gibt in Frankfurt außer dem Waspo-Freibad in Nied noch einige andere vergleichbare Wassersport-Refugien. Der Höchster Schwimmverein pflegt kaum zwei Kilometer niedabwärts mit 2000 Mitgliedern die größte dieser Einrichtungen. Direkt am Main in der Nähe des Osthafens hat zudem der Schwimmsport-Club Sparta sein Vereinsbad, das durch die dort stattfindenden Veranstaltungen des benachbarten Restaurants und Eventschiffs „Blaues Wasser“ Bekanntheit in der Partyszene erlangt hat. Der nicht weit entfernte Schwedlersee in Verwaltung des 135 Jahre alten Ersten Frankfurt Schwimmclubs ist ein weiteres Beispiel. Und in Niederrad gibt es noch ein letztes Bad, der zugehörige Verein hat sich allerdings mehr dem Segeln verschrieben als dem Schwimmen.

Bade-Idyll: Das Freibad an der Nidda wird vom Höchster Schwimmverein und rund 2000 Mitgliedern getragen.
Bade-Idyll: Das Freibad an der Nidda wird vom Höchster Schwimmverein und rund 2000 Mitgliedern getragen.Michael Kretzer

„Für den Schwimmsport haben diese Bäder eine nicht zu unterschätzende Bedeutung“, sagt Michael Ulmer. Er ist als Vorsitzender der Schwimmgemeinschaft Frankfurt einerseits der Kopf des Leistungssports in der Stadt, als Vereinsvorsitzender von Sparta aber auch Herr über ein eigenes Vereinsbad. „Es zählt für uns nicht jeder Quadratmeter Wasserfläche, auf der wir Schwimmkurse anbieten und damit unsere Kernaufgabe des Vermittelns der überlebenswichtigen Schwimmkompetenz erfüllen können“, sagt Ulmer. „Das Bad ist auch unser Vereinsbegegnungsort, auch wenn das Training vor allem in den Hallenbädern stattfindet.“

Dorthin verlagern demnächst auch wieder die Waspo-Mitglieder ihre sportlichen Aktivitäten. Denn wenn es kühler wird, muss das Freibad winterfest gemacht werden. Auch das ist eine Leistung von Ehrenamtlern und somit im Sinne von DSV-Präsident Profit gelebte Demokratie.