Verhalten von Mutter im Streichelzoo löst bei Eltern Empörung aus

tzWeltStand: 30.07.2026, 22:53 UhrKommentareUns auf Google folgenZurückhalten oder eingreifen: Wie reagiert man, wenn ein fremdes Kind sich nicht richtig verhält? Eine Familientherapeutin erklärt.Frankfurt – Ei...

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Verhalten von Mutter im Streichelzoo löst bei Eltern Empörung aus

Stand: 30.07.2026, 22:53 Uhr

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Zurückhalten oder eingreifen: Wie reagiert man, wenn ein fremdes Kind sich nicht richtig verhält? Eine Familientherapeutin erklärt.

Frankfurt – Ein Besuch im Streichelzoo wird für eine Mutter und ihre Schwester zum Auslöser einer hitzigen Debatte. Im Elternforum der Online-Plattform Reddit schildert die Mutter den Vorfall: Sie war mit ihrer 18 Monate alten Tochter und ihrer Schwester unterwegs, als ein etwa achtjähriger Junge nach einer Ente trat, die ihm offenbar nicht schnell genug aus dem Weg ging. Die Schwester rief dem Jungen in ruhigem Ton zu: „Hey, man darf keine Tiere treten.“ Die Reaktion der Mutter des Jungen kam prompt – sie habe ihr Kind „gefälligst nicht zu maßregeln“. Zum Unverständnis der Autorin des Beitrags, welche die Reaktion ihrer Schwester für angemessen hält, schließlich habe sie den Jungen weder angeschreien noch beleidigt.

In den Kommentaren zeigt sich ein breites Meinungsspektrum. Ein Vater schreibt: „Ich finde es grundsätzlich in Ordnung, wenn andere Erwachsene meine Kinder auf etwas hinweisen oder sie korrigieren, solange das respektvoll, verbal und ohne Drohungen oder Einschüchterung geschieht.“ Eine Nutzerin formuliert es drastischer: „Wenn du dein Balg erziehen würdest, müsste ich es nicht maßregeln.“

Fremde Kinder maßregeln: Was Fachleute empfiehlt

Einigkeit herrscht in einem Punkt: Wenn Kinder, andere Kinder oder Tiere in Gefahr sind, müssen Erwachsene handeln. Doch der Ton macht die Musik und genau hier beginnt das Problem. Denn was als freundlicher Hinweis gemeint ist, empfinden viele Eltern als Angriff auf ihre Erziehungskompetenz.

„Ich stolpere immer über solche Begriffe wie ‚maßregeln‘. Das ist im Zusammenhang mit Kindern in der heutigen Zeit einfach nicht mehr das richtige Wort“, sagte Dorothea Jung der Frankfurter Rundschau von Ippen.Media. Die Diplom-Sozialpädagogin und systemische Familientherapeutin ist fachliche Leiterin der Online-Beratung der Bundeskonferenz für Erziehungsberatung (bke).

Ein kleiner Junge in einem Streichelzoo mit einer Ziege

Wie reagieren Eltern richtig, wenn sie sehen, dass ein fremdes Kind sich nicht benimmt. (Symbolfoto) © Enters/Imago Images

„Prinzipiell ist es besser, wenn man Kindern nicht sagt, was sie nicht tun sollen, sondern was sie stattdessen tun können“, erklärt Jung. Statt „Hör auf, die Ente zu treten!“ könnte man etwa sagen: „Die Ente hat Angst, wenn man nach ihr tritt. Lass sie lieber in Ruhe laufen.“ Eltern sollten nicht im Vorwurfston sprechen, sagt die Familientherapeutin: „Wenn wir freundlich bleiben, Ich-Botschaften nutzen und erklären, was die konkrete Handlung bewirkt, erreichen wir viel mehr.“

Alter und Eltern des Kindes sind in der Situation entscheidend

Bevor man als Erwachsener überhaupt eingreift, sei ein kurzes Innehalten wichtig. „Wie alt ist das fremde Kind eigentlich? Je jünger ein Kind ist, desto eher brauchen wir eine erklärende Haltung statt einer Erwartungshaltung“, sagt Jung. Man könne nicht voraussetzen, dass ein kleines Kind Regeln versteht, die ihm noch nie jemand erklärt hat. Ein Kleinkind auf dem Spielplatz oder im Streichelzoo brauche Begleitung und Orientierung. Bei älteren Kindern sei die Ausgangslage eine andere und man könne deutlicher werden.

Jung empfiehlt eine klare Reihenfolge: „Wir wissen oft gar nicht, ob die Eltern überhaupt mitbekommen haben, was gerade passiert, oder ob sie abgelenkt sind. Deshalb ist es immer sinnvoller, zuerst die Eltern anzusprechen und nicht direkt das Kind.“ Erst wenn die Eltern nicht eingreifen oder nicht in der Nähe sind, sollte man sich an das Kind wenden. Dann dürfe der Tonfall niemals abwertend sein, sondern müsse immer freundlich und erklärend bleiben.

Auch bei Konfliktsituationen zwischen dem eigenen Kind und fremden Kindern rät die Expertin zur Vorsicht. „Wenn bei Konflikten mehrere Kinder streiten, sollte man nicht ein einzelnes Kind herauspicken. Sprechen Sie lieber die ganze Gruppe an und suchen Sie gemeinsam nach einer Lösung“, sagt Jung. Ein einfacher Kompromissvorschlag nehme den Druck heraus und stelle nicht ein einzelnes Kind bloß. Es gehe darum, miteinander eine Lösung zu finden, statt mit Verboten zu arbeiten.

Wie Eltern mit ihrer Vorbildfunktion umgehen sollten

Dass Eltern in solchen Momenten empfindlich reagieren, hat laut Jung menschliche Gründe. „Manche Eltern fühlen sich sofort persönlich angegriffen und denken, ihre Erziehung wird infrage gestellt. Dazu kommt ein ganz natürlicher Beschützerinstinkt. Wenn ein Fremder das eigene Kind anspricht, stellen sich Eltern erst einmal schützend vor ihr Kind.“

Trotz aller Sensibilität: Ganz wegzuschauen sei der falsche Weg. „Die Vorbildfunktion von Erwachsenen ist in der Erziehung extrem wichtig. Kinder beobachten uns genau. Was sie sehen und erleben, prägt sie nachhaltig“, sagt Jung. Wer in einer Situation nicht eingreifen konnte, sollte das Erlebte danach in Ruhe mit dem eigenen Kind besprechen. (Quelle: eigene Recherche, Reddit)