Südkorea: Ein Bronzehai irrt seit zwei Wochen im Hafen von Busan umher
Damit das gleich mal klar ist: Der Hai, der dieser Tage Hunderttausende Menschen in den nördlichen Waterfront Park der südkoreanischen Hafenstadt Busan lockte, er wurde nicht zum neuen Ehrenbürger der Stadt ern...
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Damit das gleich mal klar ist: Der Hai, der dieser Tage Hunderttausende Menschen in den nördlichen Waterfront Park der südkoreanischen Hafenstadt Busan lockte, er wurde nicht zum neuen Ehrenbürger der Stadt ernannt. Denn das ist eine Ehre, die zuletzt nicht etwa Tieren, sondern Personen wie dem US-Schauspieler Tom Cruise sowie dem ehemaligen Hamburger Bürgermeister Ole von Beust zuteilwurde. Der Hai Bukang-i, der sich vor fast zwei Wochen offenbar infolge von Umwelteinflüssen nach Busan verirrt hatte und von Tierfreunden nach dem Nordhafen benannt wurde, wurde von der Stadt lediglich zum „Honorary Ambassador“ gekürt. Also so ähnlich wie die K-Pop-Jungs von BTS, die ja „Honorary Ambassadors“ der World-Expo-Bewerbung für 2030 von Busan waren. Weder Tom Cruise noch Ole von Beust müssen also fürchten, bei der nächsten Ehrenbürger-Gala neben einem 3,5 Meter großen, mutmaßlichen Bronzehai aus der Familie der Requiemhaie zu sitzen.

„Bukang-i“ - so nennen die Bewohner der südkoreanischen Millionenstadt Busan den Hai, der vor einigen Tagen erstmals in städtischen Kanälen auftauchte.
IMAGO/Newscom / Yonhap NewsDoch auch die Verleihung der Botschafter-Würde an Bukang-i ist insofern bemerkenswert, da es in der Stadt zuletzt wohl nicht allzu viele Ambassadors gegeben haben dürfte, die man gleichzeitig ausgezeichnet und zu vertreiben versucht hat. Um das Tier – ein Bronzehai gebiert bis zu 24 Nachkommen gleichzeitig und wird mehr als 20 Jahre alt – wieder zurück aufs Meer zu schicken, setzte die örtliche Küstenwache jetzt sogar Wasserwerfer ein. Doch anders als beim Weißen Riesenhai „Gretel“ in Massachusetts vor 22 Jahren wollte Bukang-i bislang einfach nicht verschwinden. Ob sich im Busaner Hafen womöglich auch ein toter Wal befindet?
Im australischen Perth hat der Bürgermeister nämlich gerade den City Beach gesperrt, wegen des gewaltigen Interesses zahlreicher Raubfische an der Speckschicht des am Stadtstrand angespülten Walkadavers. Wie glücklich sich da die Bewohner der dänischen Insel Anholt schätzen können, wo im Mai ebenfalls ein toter Wal (Sie nannten ihn „Timmy“) am Strand lag, statt Haien aber nur deutsche Journalisten und Livestreamer auf Klappstühlen auftauchten. Auch deutsche Tierschützer, welche Kerzen in den Sand stellten, für den dank großzügiger privater Spenden mit einem Lastenkahn in den Skagerrak von der Ostsee hinausbeförderten und mit einem modernen GPS-Sender versehenen Buckelwal.

Mehrere Hunderttausend Menschen sollen im Nordhafen von Busan bislang auf Haisuche gegangen sein.
IMAGO/Newscom / Yonhap NewsBukang-i’s Ernennungsschreiben zum Ehrenbotschafter von Busan sollte, das war in südkoreanischen Medien zu lesen, für ihn stellvertretend übrigens „Boogi“ entgegennehmen, das Maskottchen der für Strände, Berge, Industrie und gemeinschaftliches Tauziehen bekannten 3,2 Millionen-Einwohner-Stadt. Bei Boogi handelt es sich um ein etwa zwei Meter großes, sprechendes sowie Turnschuh-tragendes Möwenküken mit roter Brille, dessen Darsteller oder Darstellerinnen im Inneren – sollte es doch noch zu einem direkten Kontakt mit dem Preisträger im Hafenbecken kommen – durch eine dicke Schaumstoffschicht wenigstens rudimentär geschützt wären. Aber, und das klingt doch mehr als beruhigend: Zumindest Bronzehaie haben es nur sehr selten auf Menschen abgesehen und dürften beim Anblick abgetauchter bebrillter Riesenküken schnell das Weite suchen. Und das könnte ja ein Ausweg aus der für Busan insgesamt schwierigen Situation sein.