„Verrückte Geschichte“: Hoch über der Mosel: Dieses Café mit Appartements sucht einen Käufer

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„Verrückte Geschichte“: Hoch über der Mosel: Dieses Café mit Appartements sucht einen Käufer

„Verrückte Geschichte“ Hoch über der Mosel: Dieses Café mit Appartements sucht einen Käufer

Starkenburg · Ein Traditionslokal in Starkenburg hat der Architekt David Krämer in eine moderne Lodge mit weitem Blick über das Moseltal verwandelt. Jetzt will er sich davon wieder trennen.

22.09.2026 , 06:35 Uhr

David Krämer (rechts) möchte die „Moselsteig Lodge“ in Starkenburg verkaufen. Sein Sohn Michel kümmert sich derzeit mit seiner Partnerin um die Gäste.

Foto: TV/Ursula Bartz

Herzhaft oder süß, Kaffee oder Cappuccino? Michel Krämer begrüßt die Gäste verheißungsvoll zum Frühstück. Doch mit wie viel Liebe er es auch herrichten mag, am Ende ist es meist die Aussicht, die den Blick der Menschen am längsten fesselt: hier, hoch oben über der Mosel, wo die „Moselsteig Lodge“ an dem extrem steilen Berghang ihre Heimat gefunden hat und einen einmaligen Blick über den Fluss hinweg auf die Eifel- und Hunsrückhöhen offenbart.

Wie es einen Architekten aus Frankfurt ins verträumte Starkenburg verschlagen hat

Lange Zeit hat die Familie Weirich in Starkenburg das 1906 erbaute „Weinhaus Schöne Aussicht“ als Traditionslokal geführt. 2017 kaufte der Architekt David Krämer das Haus. „Lass uns etwas Verrücktes machen!“, habe seine Lebensgefährtin damals gesagt. Und statt wie geplant ins Allgäu, verschlug es die Frankfurter ins verträumte Starkenburg, wo just zu diesem Zeitpunkt die „Schöne Aussicht“ zu haben war.

Sie bauten das Haus zwei Jahre lang um, das heute ein Frühstückscafé und sechs Appartements beherbergt. Zu Beginn betrieben sie es selbst, renovierten auch das gegenüberliegende Haus Hilde, das nun von Gruppen bis zu acht Personen gemietet werden kann.

Auch ein weiteres Haus kam hinzu, das Haus Erna, das sonst ebenfalls dem Verfall preisgegeben wäre, erzählt Krämer. Heute ist auch dieses ein Ferienhaus.

„Moselsteig Lodge“: Pächter verstirbt unerwartet – und jetzt?

 Zuvor hieß das Haus „Schöne Aussicht“ – aus gutem Grund, denn die Rückseite schmiegt sich an einen steilen Hang.

Zuvor hieß das Haus „Schöne Aussicht“ – aus gutem Grund, denn die Rückseite schmiegt sich an einen steilen Hang.

Foto: TV/Ursula Bartz

Die „Moselsteig Lodge“ verpachteten sie 2022. „Wir sind halt keine Gastronomen“, sagt der 57-Jährige, der auch weiterhin als Architekt tätig ist. Doch zwei Jahre später traf das Schicksal das Pächterpaar, das dort obendrein ein Restaurant betrieben hatte: Der Mann starb unerwartet und die Frau kehrte in ihre alte Heimat zurück.

Von heute auf morgen stand Krämer also ohne Pächter da. Doch just zwei Wochen zuvor war sein Sohn Michel aus Costa Rica zurückgekehrt, wo der 22-Jährige fünf Jahre lang gelebt und seinen Schulabschluss gemacht hatte. Kurzerhand übernahmen er und seine Partnerin Persis, die mit ihm nach Deutschland kam, den Betrieb der Appartements und das Frühstücksgeschäft, das am Wochenende auch externe Gäste nutzen können.

Appartements und Café an der Mosel stehen zum Verkauf

Was eigentlich nur für den Übergang gedacht war, währt nun schon zwei Jahre. Doch nun wollen Michel und Persis sich einem Studium widmen, erzählen sie. Da David Krämer den Betrieb nicht wieder übernehmen und auch nicht verpachten will, sucht er nach einem Käufer für das Haupthaus. Schließlich sei man auch als Verpächter immer mit an Bord, wovon er sich lösen wolle.

Unter der Überschrift „Lebe deinen Traum“ bewirbt er die Immobilie: „Sechs Ferienwohnungen. Ein Café. Und abends Ruhe.“ Fast 1.000 Quadratmeter Nutzfläche hat sie laut Krämer, das Grundstück sei gut 8.000 Quadratmeter groß. Für 740.000 Euro möchte er es verkaufen.

Wohnraum oder Gastronomie: Was wird aus der einstigen „Schönen Aussicht“?

In Starkenburg ist die Lodge die einzig verbliebene Gastronomie, seit der „Hüttenzauber“ geschlossen hat. Moselsteig und Camino-Pilgerwege führen an dem Haus vorbei, in dem die Krämers diese „verrückte Geschichte“ erlebt haben, wie sie sagen.

Das Interesse auf die Anzeige hin sei größer als gedacht, freut sich der Architekt. Auch einige Besichtigungen habe es schon gegeben, allerdings meist von Interessenten, die dort Wohnraum anbieten wollen. Krämer würde sich dagegen wünschen, dass es ein touristischer Ort bleibt, gerne zumindest mit Café. „Schließlich will ich hier weiterhin morgens meinen Cappuccino trinken“, sagt er mit einem Augenzwinkern. Auch für Veranstaltungen würden sich die Räumlichkeiten eignen.

Wohin es ihn selbst verschlägt, das weiß er noch nicht. Er könne sich genauso gut vorstellen, nächstes Jahr in Südtirol zu leben, wie in Starkenburg alt zu werden. Doch diese Freiheit, die hätte er eben gerne wieder zurück.

Realistischerweise geht er davon aus, dass das Haus erst im kommenden Jahr übergeben wird. So lange würde das junge Paar den jetzigen Betrieb weiterführen. Nebenbei haben sich die beiden ein weiteres Geschäft aufgebaut: Sie fertigen als „FPV Studios“ Drohnenaufnahmen an. Die schönen Aussichten, die sind eben inspirierend, aus jeder Perspektive ...